Glauben, bekennen, leben

Ansprache des Heiligen Vaters beim Angelus am 10. April 2011

Liebe Brüder und Schwestern!

Es dauert nur noch zwei Wochen bis Ostern, und die biblischen Lesungen am heutigen Sonntag sprechen alle von der Auferstehung. Noch nicht von der Auferstehung Jesu, die wie eine absolute Neuheit plötzlich hereinbrechen wird, sondern von unserer Auferstehung, auf die wir hoffen und die Christus uns durch seine Auferstehung von den Toten geschenkt hat. Tatsächlich stellt der Tod für uns so etwas wie eine Mauer dar, die uns daran hindert, darüber hinaus zu blicken; und doch strebt unser Herz über diese Mauer hinaus; und auch wenn wir nicht erkennen können, was sich dahinter verbirgt, so malen wir uns es doch aus, wir stellen es uns vor und drücken unseren Wunsch nach Ewigkeit mit Symbolen aus.

Dem jüdischen Volk, das fern des Landes Israel im Exil lebt, verkündet der Prophet Ezechiel, dass Gott die Gräber der Vertriebenen öffnen und sie in ihr Land zurückbringen wird, damit sie dort in Frieden ruhen können (vgl. Ez 37, 12–14). Dieser ursprüngliche Wunsch des Menschen, gemeinsam mit seinen Vätern begraben zu werden, ist das Streben nach einer „Heimat“, die ihn am Ende seiner irdischen Mühen aufnimmt. Diese Auffassung enthält noch nicht die Vorstellung einer persönlichen Auferstehung vom Tod, die erst gegen Ende des Alten Testaments auftaucht und auch zur Zeit Jesu noch nicht von allen Juden angenommen worden war. Im übrigen wird auch unter den Christen der Glaube an die Auferstehung und an das Ewige Leben nicht selten von vielen Zweifeln und großer Unsicherheit begleitet, da es sich doch um etwas handelt, das die Grenzen unseres Verstandes übersteigt und einen Akt des Glaubens erfordert. Im heutigen Evangelium – die Auferweckung des Lazarus – hören wir die Stimme des Glaubens aus dem Munde Martas, der Schwester des Lazarus. Jesus, der zu ihr sagt: „Dein Bruder wird auferstehen“, antwortet sie: „Ich weiß, dass er auferstehen wird bei der Auferstehung am Letzten Tag“ (Joh 11, 23–24). Doch Jesus erwidert: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt“ (Joh 11, 25). Das ist also die wahre Neuheit, die plötzlich hereinbricht und jede Barriere überwindet! Christus reißt die Mauer des Todes ein, in Ihm wohnt die ganze Fülle Gottes, der das Leben, das Ewige Leben ist. Deswegen hatte der Tod keine Macht über ihn; und die Auferweckung des Lazarus ist das Zeichen, dass er vollkommen über den leiblichen Tod gebietet, der vor Gott wie ein Schlafen ist (vgl. Joh 11, 11).

Doch es gibt einen anderen Tod, der Christus den härtesten Kampf, ja den Preis des Kreuzes gekostet hat: der geistliche Tod, die Sünde, die droht, das Leben jedes Menschen zu zerstören. Um diesen Tod zu bezwingen, ist Christus gestorben, und seine Auferstehung ist nicht die Rückkehr zum vorhergehenden Leben, sondern der Beginn von etwas Neuem, einer „neuen Heimat“, die endlich mit dem Himmel Gottes wieder vereint ist. Darum schreibt der heilige Paulus: „Wenn der Geist dessen in euch wohnt, der Jesus von den Toten auferweckt hat, dann wird er, der Christus Jesus von den Toten auferweckt hat, auch euren sterblichen Leib lebendig machen durch seinen Geist, der in euch wohnt“ (Röm 8, 11). Liebe Brüder und Schwestern, wenden wir uns nun an die Jungfrau Maria, die schon an dieser Auferstehung teilhat, damit sie uns helfe, voller Glauben zu sagen: „Ja, Herr, ich glaube, dass du der Messias bist, der Sohn Gottes“ (Joh 11, 27) und wirklich zu entdecken, dass Er unser Heil ist.

Die Pilger deutscher Sprache

begrüßte der Papst mit den Worten:

Ganz herzlich grüße ich alle deutschsprachigen Pilger und Besucher auf dem Petersplatz. Das Evangelium dieses fünften Fastensonntags berichtet vom gläubigen Bekenntnis der Marta und der Auferweckung ihres verstorbenen Bruders Lazarus. Beides steht in einem tiefen Zusammenhang: Wer sich zu Christus, dem Sohn Gottes, bekennt, erhält das Leben. Auch zu uns sagt der Herr: „Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt“. Durch die Taufe haben wir Anteil an diesem neuen Leben in Christus; so wollen wir unseren Mitmenschen bezeugen: Christus ist die Auferstehung und das Leben für die Welt. Der Herr schenke euch sein Licht auf allen euren Wegen.

Übersetzung aus dem Italienischen

von Claudia Reimüller