Gefeierter Gastgeber

Madrids Erzbischof Kardinal Rouco Varela wird 75. Von Regina Einig

Kardinal Rouco Varela. Foto: KNA
Kardinal Rouco Varela. Foto: KNA

Würzburg (DT) Beschwingt wirkt der Madrider Kardinalerzbischof auf den Bildern, die in diesen Tagen aus der „christlichen Hauptstadt der Welt“ kommen. Papstbesuche auf spanischem Boden sind stets auch seine Erfolgsgeschichte und das wissen auch seine Landsleute. Selbst liberale Journalisten zollen dem heiteren Intellektuellen, der den radikalen Laizisten in den letzten Jahren oft die Leviten gelesen hat, derzeit unverhohlenen Respekt. Von einem Triumph des Erzbischofs ist die Rede. An diesem Samstag wird Kardinal Antonio María Rouco Varela 75 Jahre alt. Das Tagesprogramm spiegelt die für seine Amtsführung typische Kombination aus geistlicher Tiefe und politisch wachem Bewusstsein. Der Kardinal begleitet den Papst, der erstmals im Rahmen eines Weltjugendtags eine Einrichtung für behinderte Jugendliche besucht. Das spanische Fernsehen wird diese Begegnung live übertragen – auch auf den Flughafen Cuatro Vientos, wo sich gleichzeitig mehr als eine Million Pilger für die unmittelbar anschließende Vigilfeier mit eucharistischer Anbetung versammelt haben werden. Der Weltjugendtag vermittelt die konsequente Pro-life-Haltung der Ortskirche ohne moralinsaure Note. Katholisch sein ist ein Fest mit viel Gebet, typisch spanisch eben.

Einen erfahreneren Gastgeber des Weltjugendtags als den Madrider Kardinal hätte Benedikt XVI. kaum finden können: Schon 1989 richtete der gebürtige Galicier in seiner damaligen Bischofsstadt Santiago de Compostela einen Weltjugendtag aus, der den jüngsten Boom des Jakobsweg mitbegründete. Im spanischen Katholizismus ist er seit Jahren der führende Kopf. Ein Kirchenfürst ohne Allüren, volksnah und hochgebildet, der sich seit 1994 strategisch klug auf dem spiegelglatten politischen Parkett der Hauptstadt bewegt.

Auch nördlich der Alpen hat der Kardinal Freunde: Sein Deutsch ist exzellent, München liebt er wie eine zweite Heimat: Von 1959 bis 1964 studierte der Schüler von Klaus Mörsdorf in der bayerischen Landeshauptstadt Kirchenrecht und promovierte 1964 über das Verhältnis von Kirche und Staat im Spanien des 16. Jahrhunderts. Seit dieser Zeit kennen und schätzen sich der Kardinal und Joseph Ratzinger. Dass Benedikt XVI. in den nunmehr sechs Jahren seines Pontifikats Spanien häufiger besucht hat als irgendein anderes Land dürfte neben der zunehmend prekären Lage der spanischen Katholiken auch auf den guten Draht der beiden Männer zurückzuführen sein.

Der missionarischen Tradition seiner Heimat weiß sich Kardinal Rouco Varela verpflichtet. Die „Mode des Agnostizismus“, so seine Einschätzung, untergrabe neben der „Relativisierung des Glaubens“ und der „tiefen intellektuellen Krise“ derzeit christliche Überzeugungen. Sorge bereitet ihm, dass Spanien ein Missionsland geworden ist und immer mehr seiner Landsleute meinen, ihr Leben ohne Christus gestalten zu können. In den geistlichen Bewegungen findet Kardinal Rouco Varela derzeit seine verlässlichsten Verbündeten im Ringen um Neuevangelisierung.

Politisch instinktsicher hat der langjährige Vorsitzende der spanischen Bischöfe die Eigendynamik der regionalen Bischofskonferenzen im Norden in den Griff bekommen. Dass Spaniens Episkopat am Terrorismuskonflikt nicht zerbrochen ist und die baskischen Hirten Zerreißproben innerhalb der eigenen Bistümer überstanden haben, ohne sich von den Mitbrüdern abzuspalten, ist in erster Linie dem politischen und menschlichen Geschick Rouco Varelas zu verdanken. Der XXVI. Weltjugendtag schreibt die Erfolgsgeschichte Rouco Varelas weiter. Sein schärfster Gegner, der sozialistische Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero steht vor dem politischen Aus. Rouco Varelas Prognosen haben sich bewahrheitet: Immer wieder hat er seinen Landsleuten eingeschärft, dass Spaniens Identität ohne Christentum nicht denkbar ist. Seit Monaten sehen die Spanier in den Abendnachrichten, dass Lebensmut und Lebensqualität der Nation proportional zur Glaubenspraxis schwinden. Der Rat des Kardinals an die Jugend, wie sie ihr Leben besser gestalten kann, könnte aus der Feder Benedikts XVI. stammen: Treue zur Kirche, vernünftiger intellektueller Diskurs, Freundschaft mit den Nächsten – vor allem aber Liebe zur Wahrheit.