Flüchtlinge: Aufnahme hängt von der Lage jedes Landes ab

Das Gespräch von Papst Franziskus mit den polnischen Bischöfe in Krakau. Von Stefan Meetschen

World Youth Day 2016
Die Begegnung in der Wawel-Kathedrale in Krakau am 27. Juli. Foto: dpa
World Youth Day 2016
Die Begegnung in der Wawel-Kathedrale in Krakau am 27. Juli. Foto: dpa

Warschau (DT) Unmittelbar nach seiner Ankunft in Polen aus Anlass des Weltjugendtages 2016 in Krakau war Papst Franziskus in der Wawel-Kathedrale mit den polnischen Bischöfen zusammengekommen. Der Vatikan hat nun die Fragen und Antworten des Gesprächsverlaufs auf Italienisch und Polnisch veröffentlicht. Dieser Gesprächsverlauf zeigt, wie eng der Papst aus Argentinien und die Bischöfe Polens bei den aktuellen Themen und Problemen der Gegenwart beisammenstehen. So betont der Papst auf die Frage eines Bischofs, was man tun könne, um in der zeitgenössischen liberal-atheistischen Kultur angemessen das Evangelium zu verkünden, den Aspekt der „Nähe“. Die „Bischöfe, Priester, Ordensleute, Gläubigen, Laien“ sollten aus Sicht von Franziskus „nah zum Volk Gottes“ sein, denn ohne Nähe habe man „nur das Wort ohne den Leib“.

Franziskus erinnerte in diesem Zusammenhang an Märtyrer und Missionare, die alles verlassen hätten, um ihr Leben den Kranken und Kindern in weit entfernten Ländern zu widmen. Er sprach auch über die Nähe der Bischöfe zu den Priestern. Der Bischof, so der Papst, müsse für seine Priester erreichbar sein, wie ein „Vater“. Die Priester hingegen sollten nah zu jungen Leuten sein. Franziskus erinnerte an den polnischen Papst: „Denkt an Johannes Paul II., was hat er mit den Studenten gemacht? Er hat sie unterrichtet und dann ist er mit ihnen in die Berge gegangen!“ Allerdings gab Franziskus zu, dass es „keine Rezepte“ gebe, man müsse „auf das Spielfeld gehen“.

Papst Franziskus sprach mit den polnischen Bischöfen auch über die Ideologien der Gegenwart. Die aus seiner Sicht schlimmste sei die „Vergötterung des Geldes“. „Achtzig Prozent der Ressourcen (...) gehören weniger als zwanzig Prozent der Menschheit.“ Dabei griff der Heilige Vater auf die Rhetorik des Rollenspiels zurück, wie er es gern tut, um seine Situation zu erklären. Einem imaginären Ratgeber schob er die Worte in den Mund: „Vater, sag nicht so etwas, als wenn Du Kommunist wärest.“ Um darauf zu antworten: „Nein, das sind Statistiken! Und wer bezahlt dafür? Die Menschen, das Volk Gottes bezahlt dafür: ausgebeutete Mädchen, junge Leute ohne Arbeit.“ Man müsse, so Franziskus, sich noch mehr für die „menschliche Würde“ einsetzen.

Beim Thema Pfarrei und Pastoral setzte Papst Franziskus konventionelle Akzente, indem er sich für den Erhalt der klassischen Pfarrei einsetzte. „Manche sagen, die Pfarrei hat sich überholt, denn heute sei eine Zeit der Bewegungen. Das ist nicht wahr! Die kirchlichen Bewegungen helfen, aber sie sollen keine Alternative für die Pfarrei sein.“ Dabei unterstrich Franziskus jedoch, dass die Pfarreien „offene Türen“ haben und „gastfreundlich“ sein sollten.

Außerdem warnte Franziskus in scharfen Worten vor Pastoralmitarbeiterinnen, die den Dienstcharakter ihrer Arbeit missverstehen würden. „Es gibt Pfarreien mit Pastoralreferentinnen, die ,Schülerinnen des Teufels‘ zu sein scheinen, welche die Menschen erschrecken!“ Von den Pfarrern erwartet der Papst, dass sie bis zur Erschöpfung arbeiteten, ohne Rast zu machen. „Pfarrer sein, muss mühsam sein.“ Bescheiden fügte der Papst hinzu: „Ich weiß nicht, ob dies nicht eine zu vereinfachende Antwort ist, aber ich habe keine andere. Ich bin kein berühmter Professor für Pastoraltheologie. Ich sage das, was mir in meine Gedanken kommt.“

Schließlich das Thema Flüchtlingskrise, das innerhalb von Europa zu großen Spannungen geführt hat. Auf die Frage eines polnischen Bischofs, wie man Flüchtlingen helfen könne, da es doch so viele seien, antwortete Franziskus: „Was ist zu tun? Ich denke, jedes Land muss sehen, auf welche Weise und wann. Nicht alle Länder sind gleich; nicht alle Länder haben die gleichen Möglichkeiten. Sie haben aber die Möglichkeit, nobel zu sein! Großzügig als Christen. (...) Wie viele und wie? Man kann keine universale Antwort geben, weil die Gastfreundschaft von der Situation jedes Landes abhängt und auch von der Kultur.“

Man könne, so Franziskus, aber für Flüchtlinge beten – zum Beispiel, indem man in den Pfarreien während der Woche eine Stunde der Anbetung einführe. Dazu hob der Papst hervor, dass hinter dem Problem der Flüchtlingskrise auch „Ideologien“ stünden; eine davon sei die „Gender“-Ideologie. „Das ist eine ideologische Kolonisierung, die auch von sehr einflussreichen Ländern gestützt wird. Und das ist schrecklich. Als ich mit Papst Benedikt XVI. gesprochen habe, der sich gut fühlt und klare Gedanken hat, sagte er mir: ,Eure Heiligkeit, das ist die Epoche der Sünde gegen Gott, den Schöpfer.‘ Das ist weise! Gott schuf Mann und Frau. Die Worte, ausgesprochen von Benedikt XVI., sollten uns zum Nachdenken bringen.“