Faszination des Verborgenen

Eine Einführung in die Feier der Messe im überlieferten Ritus. Von Sebastian Krockenberger

Was fasziniert viele Menschen an der alten Messe? Ihre Erscheinung entspricht nicht der Ästhetik, die im heutigen Alltag anzutreffen ist. Der Zugang zu ihr fällt nicht immer leicht. Sie ist etwas anderes. Viele Gläubige, die den Zugang gefunden haben, stehen zu dieser Messform und sind ihr eng verbunden. Der Aachener Diözesanpriester Guido Rodheudt und der Fotograf Maximilian Thallmair wollen einen Zugang zur alten Messe eröffnen. Zum zehnjährigen Jubiläum des Motu proprio „Summorum pontificum“ legen sie mit ihrem Buch „Von der Anwesenheit des Verborgenen – Der Schatz der römischen Messe“ eine reich bebilderte Einführung zur alten Messe vor. Mit „Summorum pontificum“ erleichterte Benedikt XVI. ab September 2007 die Feier der alten Messe. Rodheudt verfasste den kurz gehaltenen Text des Büchleins. Er vergleicht die alte Messe mit einer Ikone, die zeitlos ist und über die Subjektivität eines Künstlers hinausweist. Von Generation zu Generation wird sie weitergegeben. Ihre Formen sind gewachsen und können nicht auf einen einzigen menschlichen Urheber zurückverfolgt werden.

Thallmairs Fotografien zeigen Handlungen und Sakralgegenstände der Messe. Eine Kerze wird entzündet. Der Priester legt den Manipel an. Ein Messbuch steht auf dem Altar. Der Priester wäscht die Hände. Er erhebt den Kelch. Es erscheinen keine Gesichter. Denn der Priester selbst tritt ganz zurück in der alten Messe, um dem Geheimnis Raum zu geben.

Die Autoren wollen veranschaulichen, dass die Messe „Vergegenwärtigung eines Erlösungsgeschehen“ ist. Als Liturgie sei sie „Abbild des himmlischen Hofzeremoniells“, „Einbruch des Ewigen in die Zeit“, „sichtbare Hülle für die Anwesenheit des Verborgenen“. Programmatisch ist das Büchlein in dem Sinne, dass es die Grundintention von Benedikt XVI. für „Summorum pontificum“ aufgreift. Er wollte die alte Messe wieder zugänglich machen, um so zu einer Vertiefung des liturgischen Verständnisses in der gesamten Kirche anzuregen. In dem Zusammenhang beklagen die Autoren eine Verwahrlosung der Liturgie durch den Einfluss kulturrevolutionärer Vorstellungen seit den 1960er Jahren. Die „Einheit und Eindeutigkeit“ des Ritus sei durch das neue Messbuch damals zerstört worden.

Zusammenfassend kann gesagt werden: Den Autoren gelingt es, einen stimmungsvollen Zugang zur Liturgie zu vermitteln. „Von der Anwesenheit des Verborgenen“ kann eine gute Einführung sein für jemand, der die alte Messe noch nicht kennt. Und auch Gläubigen, die mit der alten Messe vertraut sind, vermag es so manchen Einblick zu gewähren.

Guido Rodheudt, Maximilian Thallmair: Von der Anwesenheit des Verborgenen – Der Schatz der römischen Messe. Dominus-Verlag, Augsburg 2017, 120 Seiten, zahlreiche farbige Abbildungen, Paperback, ISBN 978-3-940879-51-6, EUR 9,90