Eucharistie als Lebensprogramm

Der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner feiert Goldenes Priesterjubiläum – Gratulation des Heiligen Vaters. Von Regina Einig

Der Jubilar (1. R., 6. v.l.) dankte Kardinal Kurt Koch nach der Ansprache launig: „Ich bin froh, dass ich dich eingeladen habe.“ Foto: R. Boecker
Der Jubilar (1. R., 6. v.l.) dankte Kardinal Kurt Koch nach der Ansprache launig: „Ich bin froh, dass ich dich eingelade... Foto: R. Boecker

Köln (DT) Papst Benedikt XVI. hat dem Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner zum Goldenen Priesterjubiläum gratuliert. Glaube und Frömmigkeit habe der gebürtige Breslauer von Kindheit an sorgsam bewahrt. Der Kölner Erzbischof sei „gütig wie ein Vater“, „stets treu zum kirchlichen Lehramt“ und standhaft in der Bewahrung der rechten Lehre, so der Papst. Das Glückwunschschreiben wurde am Montag bei einer Vesper im Kölner Dom verlesen. Meisner habe die Kirche stets mit kindlicher Zuneigung geliebt, schrieb Benedikt XVI. Ihm werde große Wertschätzung und Hochachtung entgegengebracht. Viele Länder Mittel- und Osteuropas seien ihm für sein Engagement zu Dank verpflichtet. Ausdrücklich erinnerte Benedikt XVI. auch an die Freundschaft des Kölner Erzbischofs mit dem seligen Johannes Paul II.

Meisner, der am 22. Dezember 1962 in Erfurt geweiht worden war und den eigentlichen Festtag mit einem Pontifikalamt begehen wird, hatte den Diözesanklerus mit Rücksicht auf dessen vorweihnachtliche Verpflichtungen am Montag zu einer Feierstunde nach Köln geladen.

Generalvikar Stefan Heße stellte die Inschrift von Meisners Brustkreuz „Amor extasim facit“ (Die Liebe geht in die Extase) in den Mittelpunkt seiner Predigt. Priestersein ohne verschwenderische Liebe sei undenkbar. „Gott will uns nicht zu Marionetten verzwecken, sondern uns auf die Höhe unserer Berufung führen“, so Heße. Am Vorabend seiner Priesterweihe habe der Kandidat Gott eine Blankovollmacht über sein Leben ausgestellt. Der Generalvikar unterstrich den Zusammenhang zwischen Priestertum und der Haltung der Ganzhingabe. Ausdrücklich hob er die Bedeutung der Eucharistie in Meisners Leben hervor. Im Tagesprogramm des Kardinals stehe die Zelebration stets an erster Stelle.

Die Eucharistie als Lebensform des Priesters beleuchtete der Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, Kurt Kardinal Koch, beim Festakt. Aus Sicht des Konzils bedeute Eucharistie feiern, die göttliche Opfergabe in der Messfeier Gott darzubringen und mit ihr die Hingabe des eigenen Lebens zu verbinden, so Koch. Der Kardinal hob den existenziellen Ernst der Eucharistie als Opfer Christi und der Kirche hervor. Sie sei dankbare Verherrlichung Gottes im Gedenken seiner großen Taten“. Auch wenn heute die Meinung vorherrsche, dass die Rede von der Eucharistie als Opfer ihren existenziellen Lebensbezug gerade nicht erhellen, sondern verdunkeln würde, sei die Eucharistie das Opfer der Kirche und der einzelnen Gläubigen. Das Geschenk der Eucharistie erschließe sich nur dem, der für dieses Opfer dankbar sei. „Von der Eucharistie her können wir deshalb immer wieder neu lernen, was es heißt, als Christen und vor allem als Priester zu leben, nämlich als Menschen, die sich in der Eucharistie so tief in den auferstandenen Christus hinein verwurzeln, dass sie im Alltag sich selbst den Menschen als lebendige Hostien zur Verfügung stellen.“

Unmissverständlich machte der Kardinal klar, dass das priesterliche Weiheamt und die Aufgabe der Gemeindeleitung nicht voneinander zu trennen sind. Sichtbar zu machen, dass die Kirche von der Eucharistie her komme und aus ihr immer wieder neu geboren werde, sei der besondere Dienst des Priesters. Wörtlich erklärte Kardinal Koch: „Damit er dies glaubwürdig tun kann, muss er sich als Repräsentanten und Garanten der Katholizität der Kirche verstehen und sich selbst dessen bewusst sein, dass der priesterliche Vorsitz in der Eucharistie und die Aufgabe der Gemeindeleitung steht, wenn er der Eucharistie vorsteht.“ Gemeindeleitung sei keine Verwaltung im weltlichen Sinne, sondern im sakramentalen Sinn eine „Rückführung des kirchlichen Lebens in der Gemeinde auf den Grund, der nicht mehr in der Gemeinde liegt“. Als Hirte der Gemeinde stelle er sichtbar dar, dass der eigentliche Leiter der Kirche und jeder Gemeinde der auferstandene Christus sei. Dass es zur Eucharistie des Priesters bedürfe, beruhe genau darauf, dass sich die Gemeinde die Eucharistie nicht selber geben könne. „Sie muss sie vom Herrn her durch die Vermittlung der einen Kirche empfangen.“

Als wesentlichen Aspekt eucharistischer Lebenskultur des Geistlichen nannte Kardinal Koch die Praxis der eucharistischen Anbetung. Schon in der frühen Kirche sei die Eucharistie als „Heilmittel der Unsterblichkeit“ bezeichnet worden. Daraus ergebe sich die „schönste Identitätsbestimmung“ des Priesters: Sein therapeutischer Dienst bestehe darin, Zeuge der Auferstehung zu sein, „Gottestherapie zu vollziehen“. Eucharistie bleibe ein Lebensprogramm jedes Priesters.