Erzbischof Georg Gänswein: Die Identität der Priester stärken

Erzbischof Georg Gänswein hat die Schirmherrschaft der „Priesterausbildungshilfe“ übernommen. Im Gespräch mit der „Tagespost“ erläutert er seine Gründe und spricht über eine Krise des Priesterbildes. Von Sebastian Sasse

Erzbischof Georg Gänswein
Der neue Schirmherr: Erzbischof Georg Gänswein erläuterte den Gästen der Festveranstaltung, warum er dieses Amt gerne übernommen hat. Foto: Priesterausbildungshilfe e.V.
Erzbischof Georg Gänswein
Der neue Schirmherr: Erzbischof Georg Gänswein erläuterte den Gästen der Festveranstaltung, warum er dieses Amt gerne üb... Foto: Priesterausbildungshilfe e.V.

Bildung speist sich auch aus Bildungserlebnissen. Erzbischof Georg Gänswein kann sich noch gut an solche Momente in seinem eigenen Leben erinnern, die seine Entwicklung als Priester geprägt haben. „Während meines Studiums ist mir die Theologie sehr ans Herz gewachsen. Ich habe fruchtbar studiert und hatte gute Lehrer. Und dann war da noch etwas anderes: Ich hatte einen guten Beichtvater, der mir bei allen Schwierigkeiten, die auch auf meinem Weg gelegen haben, dabei geholfen hat, das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren.“ Wenn er zurückblicke, dann erfülle ihn große Dankbarkeit, so der 62-Jährige, der einst in Freiburg Theologie studiert hat, dort im Priesterseminar war und heute als Präfekt dem Päpstlichen Haus im Vatikan vorsteht. Und nicht zuletzt auch aus diesem Gefühl heraus habe er gerne die Schirmherrschaft für die „Priesterausbildungshilfe“ übernommen, erklärt er gegenüber dieser Zeitung. „Für die Priesterausbildung geben ich gerne mein Gesicht und meine Zeit. Hier geht es nämlich um etwas Wesentliches für die Kirche und den Glauben.“

Die Aufgabe, der sich der Verein seit 1991 stellt, sei gerade in der Gegenwart von besonderer Bedeutung. „Es gibt eine Atmosphäre, die nicht unbedingt förderlich für diejenigen ist, die Priester sind oder es werden möchten.“ Dies hänge etwa mit der Missbrauchskrise zusammen. Aber Gänswein betont noch einen anderen Aspekt gegenüber der „Tagespost“: Es gebe auch eine Krise des Priesterbildes. Vielfach sei unklar geworden, was das priesterliche Amt eigentlich ausmache. Oft würden Kandidaten hören: „Fangt an. Und dann schauen wir schon.“ Dies sei aber der falsche Weg, so Gänswein. Priesteramtsanwärtern müsse vielmehr klar gesagt werden: „Das sind die Herausforderungen, das sind die Bedingungen, dem wollen wir uns stellen.“ Das Wesen des Priestertums, die Wichtigkeit seiner Lebensweise, kurz die Identität des Priesters müsse deutlich werden, hebt der Erzbischof hervor. Ohne eine Klärung dieser Frage „werden wir aus der gegenwärtigen Krise nicht herauskommen“. Das Zentrale sei: „dass der Priester Christus repräsentieren soll und wir in ihm unser Ziel haben“.

Ein Bildungserlebnis der speziellen Art war auch der Festakt, in dessen Rahmen Erzbischof Gänswein am vergangenen Samstag auf der Godesburg in Bonn-Bad Godesberg die Schirmherrschaft übernommen hat. Und zwar für die drei Stipendiaten der Ausbildungshilfe, die anwesend waren, um den versammelten Förderern und Unterstützern des Vereins für ihre Hilfe zu danken. Frater Eric Boateng Asare aus Ghana legte in einer persönlich gehaltenen Ansprache ein Zeugnis darüber ab, was es für ihn bedeutet, Priester zu sein und wie ihm die Unterstützung des Vereins bei seinem Studium in Rom an der Päpstlichen Universität Santa Croce in Rom geholfen hat. Er zitierte den Heiligen Paulus: „Als ich ein Kind war, redete ich wie Kind, dachte wie ein Kind und urteilte wie ein Kind.“ Als Junge sei es ihm erstrebenswert erschienen, reich zu werden. „Auch das, was mich zum Priestertum zog, war das Auto meines Onkels, der auch Priester ist“, bekannte er freimütig. Doch dann, nach seinem Eintritt in das Priesterseminar, hätten sich seine Perspektiven grundlegend geändert. „Ich habe das Ziel des Lebens nicht länger darin gesehen, Reichtum zu erwerben, sondern darin, vielen Menschen zu helfen. Anstatt zu fragen, was ich dafür bekomme, habe ich von da an bei allem, was ich tat, eher gefragt: Was kann ich damit anbieten?“ Frater Eric lernte, seine spezifischen Talente in den Dienst seines priesterlichen Amtes zu stellen. Die besondere Begabung des Ghanaers, der zurzeit an seiner Dissertation über die anthropologischen Vorstellungen des deutschen Philosophen Max Scheler arbeitet, ist es, selbst Bildung zu vermitteln. In Ghana arbeitet er neben seiner Arbeit als Kaplan als Dozent im Priesterseminar. Dies führte schließlich auch dazu, dass sein Bischof ihn zur Weiterbildung nach Rom schickte. Ohne die Unterstützung der Ausbildungshilfe sei dies nicht möglich gewesen. Nun hat Frater Eric auch ein klares Ziel für die Arbeit nach seiner Rückkehr: „Mit meinen Kenntnissen in der Anthropologie plane ich, Ausbildungskurse für Jugendliche in meiner Stadt anzubieten. Das Ziel dieses Programms ist es, Jugendlichen zu helfen, ihre Möglichkeiten und Grenzen und die Beziehung zwischen Mensch, Gott und dem Kosmos zu erkennen.“ Dank einer guten Ausbildung wird er dann selbst bilden.

 

 

Der Verein

Die Priesterausbildungshilfe ist 1991 als Verein gegründet worden. Der Verein unterstützt Seminaristen und Priester aus aller Welt, besonders solche, die an der Päpstlichen Universität Santa Croce in Rom studieren. Sie stammen vor allem aus verschiedenen Diözesen Afrikas, Asiens oder Lateinamerikas, aber auch aus mittel- und osteuropäischen Ländern.

Viele der Studenten erhalten zwar von ihren Diözesen oder von kirchlichen Institutionen finanzielle Unterstützung. Häufig sind diese Mittel aber nicht ausreichend, um das Studium zu finanzieren. Der Verein finanziert sich durch Spenden. Vorsitzender ist Prof. Dr. Stefan Mückl, den Ehrenvorsitz hat Prälat Dr. Klaus M. Becker. Bis zu seinem Tod war Joachim Kardinal Meisner Schirmherr des Vereins.