Erzbischof Franz Lackner: Bodenständiger Hirte

Erzbischof Franz Lackner ist neuer österreichischer Familienbischof. Von Stephan Baier

Lackner, Predigt
Keine klassische Bischofsbiografie, aber viel Lebenserfahrung bringt Erzbischof Franz Lackner mit. Foto: Kathbild/Rupprecht

In einer Zeit gesellschaftspolitischer Konfusion war Bischof Klaus Küng in Österreich jahrzehntelang ein Leuchtturm: unbeirrbar, unbestechlich, unmanipulierbar. Von der glasklaren Verkündigung der Kirche zu Ehe und Familie war er um keinen Preis abzubringen – weder von der Hoffnung auf Popularität und Applaus noch von der Furcht vor Gegenwind oder Hohn. Bischof Küng emeritierte, die Konfusion blieb. In Zeiten von „Ehe für alle“, multimedial idealisierter Patchwork-Situationen und unkontrollierter Massenabtreibung ist die widersprechende Stimme der Kirche unverzichtbar. Welchen anderen Anwalt hätten christliche Brautleute und Ehepaare, „traditionelle“ und vielleicht gar kinderreiche Familien und schließlich die gesetzlich für vogelfrei erklärten ungeborenen Kinder? Bischof Küngs Agenden für Ehe, Familie und Lebensschutz hat die Österreichische Bischofskonferenz in der Vorwoche Salzburgs Erzbischof Franz Lackner in die Hand gegeben. Ein Glücksgriff: Selbst aus armen Verhältnissen stammend, weiß Erzbischof Lackner um die Nöte von Alleinerziehenden und kinderreichen Familien, kennt die sozialen Schieflagen der Wohlstandsgesellschaft, fühlt solidarisch mit den Kleinen und Armen. Der Franziskaner ist zudem frei von jener Menschenfurcht, die für viele Kirchenvertreter im Ringen mit Zeitgeist und Politik ein gravierender Wettbewerbsnachteil ist.

Das mag an seiner Lebenserfahrung liegen: Als Schulabbrecher machte er zunächst eine Elektrikerlehre, war arbeitslos, ließ sich gehen. Die Sinnsuche führte ihn zu den UNO-Blauhelmsoldaten nach Zypern, dort zur Lektüre der Bibel – und endlich zurück zum tiefen Glauben seiner Mutter. Mit der Glaubenswende kam die Lebenswende: Lackner wurde Franziskaner, promovierte „summa cum laude“, wurde Professor in Rom, Provinzial seines Ordens in Österreich, Weihbischof in Graz, Erzbischof in Salzburg und damit „Primas Germaniae“. Der Sohn eines steirischen Knechts auf dem Stuhl der Fürstbischöfe von Salzburg, der Schulabbrecher als Professor einer päpstlichen Universität und schließlich als Erzbischof – eine solche Biografie schenkt Lebenserfahrung und geistige Unabhängigkeit. Über alledem hat Franz Lackner seine Wurzeln nie vergessen. Die Menschen mit ihren Sorgen und Nöten sind ihm vielleicht gerade deshalb näher als die ideologischen Konstrukte, denen so mancher sich pastoral wähnende Theologe heute Tür und Tor öffnet. Intellektuell wie charakterlich bringt Salzburgs Erzbischof vieles mit, um ein Anwalt von Ehe, Familie und Lebensschutz zu sein.