Erste Bischöfe legen Finanzen offen

Debatte um den Fall Limburg: Politiker fordern Transparenz für Finanzstrukturen der Kirche – Diskussion um Berichterstattung über Tebartz-van Elst

Im Gegenwind: Der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst. Foto: dpa
Im Gegenwind: Der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst. Foto: dpa

Berlin/Bonn (DT/KNA) Die Debatte um Konsequenzen aus den Vorgängen im Bistum Limburg geht weiter. Die Beauftragte der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für Kirchen, Maria Flachsbarth, forderte am Dienstag mehr Transparenz für die Finanzstrukturen der Kirchen. „Im Umgang mit ihrem eigenen Geld dürfen die Religionsgemeinschaften die normalen Standards nicht außer Acht lassen, die überall in der Gesellschaft gelten“, so Flachsbarth in Berlin. Flachsbarth warnte aber auch davor, „sämtliche staatlichen Mittel für die Kirchen infrage“ zu stellen. Die Kirchen engagierten sich auf vielfältige Art und Weise.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) forderte den Limburger Bischof zum Rückzug auf. „Ich wünsche mir, dass der Bischof zurücktritt“, sagte Kretschmann, der auch Mitglied des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken ist, nach Angaben des Nachrichtensenders N24 in Stuttgart.

Mehrere deutsche Diözesen gingen in dieser Woche in die Offensive und legten die Finanzen des Bischöflichen Stuhls offen. Der Erzbischöfliche Stuhl in Köln umfasste Ende 2012 ein Vermögen von 166, 2 Millionen Euro. Davon sind nach Angaben der Erzdiözese 15, 4 Millionen Euro Beteiligungen im Bereich der Wohnungswirtschaft, der übrige Teil Immobilien. Aus diesem Vermögen wurden im Jahr 2012 knapp 9, 6 Millionen Erträge erzielt. Die Erträge seien wie in den Vorjahren in den Bistumshaushalt eingeflossen und dort ausgewiesen, teilte die Pressestelle mit. Der Münsteraner Generalvikar Norbert Kleyboldt teilte am Montag mit, dass sich das Geldvermögen des Bischöflichen Stuhls von Münster auf gut 2, 37 Millionen Euro belaufe. Daneben sei der Bischöfliche Stuhl Eigentümer von Immobilien, die aber nicht als Geldanlage gesehen werden könnten. Vielmehr befänden sich darauf Gebäude, die für dienstliche Zwecke des Bistums verwendet würden. Das Vermögen des Bischöflichen Stuhls sei so gering, dass damit keine großen Investitionen möglich seien.

Der Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann teilte am Montag mit, der Bischöfliche Stuhl im Bistum Speyer habe ein Vermögen in Höhe von gut 46, 5 Millionen Euro. Es handelt es sich um ein langfristig angelegtes Stammvermögen, das nicht angetastet werde. „Nur die Erträge werden verwendet, und zwar für kirchliche, mildtätige und caritative Zwecke“, so das Bistum. Der Bischöfliche Stuhl habe einen Verwaltungsrat unter dem Vorsitz des Bischofs. Ihm gehörten der Generalvikar, der Kanzleidirektor und der Leiter des Bischöflichen Rechtsamtes an.

Auch das Erzbistum München-Freising machte Angaben. Die Bilanzsumme des Erzbischöflichen Stuhls habe zum 31. Dezember 2012 insgesamt 27, 6 Millionen Euro betragen, sagte der Sprecher des Erzbistums, Bernhard Kellner, am Dienstag auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur. Darin seien alle Werte wie Immobilien und Geldvermögen enthalten. Die Bilanz werde einmal im Jahr von einem externen Wirtschaftsprüfer testiert, so Kellner. Das Erzbistum Hamburg legte ebenfalls Zahlen offen. Dessen Gesamtrücklagen betragen 35 Millionen Euro, wie der Sprecher des Erzbistums, Manfred Nielen, am Dienstag in der Hansestadt bekannt gab. Darin enthalten seien Beteiligungen an drei katholischen Krankenhäusern sowie zweckgebundene Rücklagen für fünf Einrichtungen, deren Träger die Erzdiözese Hamburg ist. Es bleibe eine frei verfügbare Rücklage von 7, 5 Millionen Euro, sagte der Sprecher. Ihr aber stünden wiederum Kreditverbindlichkeiten in Höhe von 8, 2 Millionen Euro für die genannten fünf Einrichtungen gegenüber. Somit sei und bleibe die oberste Priorität eine solide Haushaltsführung.

Im Bistum Aachen verfügt der Bischöfliche Stuhl über ein Eigenkapital von 8, 2 Millionen Euro. Der Bischof von Aachen sei an die Entscheidung des Vermögensverwaltungsrates gebunden, heißt es in einer Pressemitteilung der Diözese. Dieser setze sich zusammen aus Generalvikar, Dompropst, Justitiar, Finanzdirektor und Leiter der Hauptabteilung Bistumspersonal des Bischöflichen Generalvikariats.

Am Freitag hatte bereits das Ruhrbistum Essen die Vermögenswerte des Bischöflichen Stuhls zu Essen offengelegt. Darüber hinaus kündigte Bischof Franz-Josef Overbeck an, dies künftig jährlich analog zum Haushalt des Ruhrbistums tun zu wollen. Weitere Bistümer ziehen eine Veröffentlichung der Finanzen des Bischöflichen Stuhls derzeit in Betracht.

Der Vorsitzende des Zusammenschlusses papsttreuer Vereinigungen, Reinhard Dörner, wies die Kritik am Limburger Bischof als „Kampagne“ und „personenbezogene Attacke“ zurück. Mit Hilfe von Priestern und Laien betrieben die Medien „ein konzertiertes Mobbing gegen den Bischof“, erklärte der Verband am Montag in Bonn. Für Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst gelte bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung die Unschuldsvermutung. Der Vorwurf der „Verschwendungssucht“ sei eine rein personenbezogene Attacke, hieß es weiter. Mit anderen deutschen Kardinälen und Bischöfen und ihren Baumaßnahmen gingen die Medien zurückhaltender um.

Auch der Vorsitzende des Landeskomitees der Katholiken in Bayern, Albert Schmid, nahm den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst in Schutz. „Natürlich ist er noch tragbar“, sagte Schmid am Montag im Bayerischen Rundfunk mit Blick auf Rücktrittsforderungen gegen den Bischof. Über Baufragen könne man sich streiten, erklärte Schmid. Die derzeitige öffentliche Diskussion sei aber „völlig unangemessen“. Hier „wird ein moralischer Vorwurf erhoben, den kann ich nicht nachvollziehen“, sagte der frühere SPD-Spitzenpolitiker. Es handle sich um eine „Medienkampagne“, so Schmid wörtlich.

Die Vorgänge im Bistum Limburg könnten sich nach den Worten des Generalsekretärs des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Stefan Vesper, auf den Katholikentag 2014 in Regensburg auswirken. Zum Glück sei die Großveranstaltung „noch weit entfernt“, sagte Vesper am Dienstag im Bayerischen Rundfunk (BR). „Ich hoffe, dass es in Limburg sehr kurzfristig eine Lösung gibt.“

Unterdessen wurden in der Öffentlichkeit kontroverse Stimmen zur Berichterstattung über den Fall Limburg laut. Der Kommunikationsberater Hasso Mansfeld bezeichnete die Debatte als „hysterisch und auf Krawall gebürstet“. Die vermeintliche Debatte, so Mansfeld, sei nicht zuletzt von jenen befeuert worden, die lange Teil des bischöflichen Wesens in Limburg gewesen seien und „nun durch laute Anklage gegen Bischof Tebartz-van Elst, durch die Forderung nach brutalstmöglicher Aufklärung, ihre eigenen Haut retten wollen“. Der Bischof sei „Opfer einer unangemessenen Debattenführung“. Er habe zu spät reagiert und nicht bemerkt, wie seine Kritiker die Grundsteinlegung für den Bau des diözesanen Zentrums im Mai 2010 „langsam als geeigneten Vorwand aufnahmen, gegen den als konservativ empfundenen Tebartz-van Elst selbst vorzugehen – insbesondere jene, die Petrus' Kirche schon immer nicht mochten“. Die eigentliche Problematik des Bischofs sei sein Umgang mit den Fakten dieses Projektes.

Der Journalist Alan Posener wandte sich in einem Beitrag für „Die Welt“ gegen „die Kampagne“ gegen den Bischof und „eine Intoleranz, eine Lust am Fertigmachen eines schwachen Menschen, die ganz und gar unchristlich ist. Überdies schienen manche der Vorwürfe gegen den Bischof „kleinlich und von fragwürdiger Stichhaltigkeit“, schrieb Posener.

Der Deutsche Journalisten-Verband bezeichnete die ausführliche Berichterstattung vieler Medien über das Finanzgebaren des Limburger Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst als „notwendig und im Sinne des Informationsauftrags der Medien gerechtfertigt“. Der DJV-Bundesvorsitzende Michael Konken wies am Mittwoch in Berlin zugleich den vereinzelt laut gewordenen Vorwurf einer medialen Hetzjagd auf den Geistlichen zurück. „Ein Bischof der katholischen Kirche ist Repräsentant des gesellschaftlichen Lebens in Deutschland. Wenn die Baukosten der bischöflichen Residenz in Limburg aus dem Ruder laufen, sind Fragen nicht nur erlaubt, sondern Pflicht der Journalisten“, sagte Konken.