Erfrischend klar und kritisch

Christoph Haiders Band „Eucharistie erleben“ verdient, ein Volksbuch zu werden

Erklärungen der heiligen Messe gibt es in Mengen, dennoch lohnt es sich, das einschlägige Buch von Christoph Haider, Priester und geistlicher Programm-Verantwortlicher von Radio Maria Südtirol, aus der Fülle der Publikationen herauszuheben. Es ist eine gute, glaubenstreue und verständliche Katechese, die die Wissenschaftlichkeit nicht hervorkehrt, aber selbstverständlich mit heutigen theologischen Erkenntnissen in vollem Einklang steht. Haiders Darstellung bietet weitere Vorteile. Sie gliedert sich in kurze Kapitel, die in angemessener Sprache gefasst sind. Ihre Stärke liegt auch darin, dass sie die liturgische Realität unserer Zeit, die hier und da als eine leidvolle Wirklichkeit erfahren wird, einbezieht und kritisch beleuchtet.

Vollständigkeit in der Erklärung des heiligen Opfers kann bei der Kürze des Büchleins nicht gegeben sein, was Haider selbst auch in aller Bescheidenheit eingesteht. Sein Standpunkt, von dem aus er schreibt, ist der einer echten Treue zum Zweiten Vatikanum, an dessen Liturgiereform hier einmal dankenswerterweise nicht vordergründig herumgemäkelt wird. Gleichwohl betont der Autor, dass es ihm darauf ankomme, „die durch das Zweite Vatikanische Konzil eingeleitete Erneuerung der Liturgie zu vertiefen, ihren spirituellen Reichtum aufzuzeigen und anzuregen, die Eucharistie im Geist und in der großen Gemeinschaft der Kirche zu feiern“. Jedem einigermaßen wachen Christen ist klar, was hier gemeint ist: Die Probleme, die manche mit der nachkonziliaren Liturgie haben, resultieren in vielen Fällen daher, dass sie gerade nicht korrekt gefeiert wird, sondern sich zuweilen in einem veritablen Wildwuchs verliert.

Christoph Haider ist es zu danken, dass er sein Thema von dieser Warte angeht. Es gelingen ihm hierbei Darlegungen und Formulierungen, die von geradezu einzigartiger inhaltlicher Klarheit und sprachlicher Exzellenz sind. So sagt er etwa über die Bedeutung des Priesters, der in persona Christi die heiligen Mysterien feiert: „Der Priester ist in anderer Weise ,Geistlicher‘ als dies ein Getaufter ist. In der Taufe haben alle den Heiligen Geist empfangen zur persönlichen Heiligung, zum Heil. In der Priesterweihe empfängt man den Geist Gottes zur Heiligung der anderen, zum Heil für die Vielen (vgl. Mk 14, 24)“. Von daher wird die heutige Tendenz, priesterliche Aufgaben in der Liturgie doch im Sinne eines demokratischen Verständnisses auch anderen zu übertragen, klar als Glaubensmangel charakterisiert: „Es geht nicht um das Tun, sondern um das Sein. In dieser Hinsicht hat es unsere Gesellschaft schwerer, die den Priestern vorbehaltene Zelebration der Messe zu verstehen, denn funktional und vom modernen Rollenverständnis her lässt sich diese Exklusivität wirklich nicht erklären.“

Ausgezeichnet ist Haiders Erklärung, warum die Predigt in der heiligen Messe dem Geweihten vorbehalten ist: „Um den ,Tisch des Brotes‘ mit dem Leib Christi zu decken braucht es einen, der die Vollmacht zur Wandlung hat. Um den ,Tisch des Wortes‘ mit dem Wort Christi zu decken, bedarf es der geistlichen Vollmacht zur authentischen Verkündigung; so lehrt die Kirche.“ Völlig klar bleibt Haider bei allem, was hier über die Bedeutung des Priesters als Liturge und Verkündiger gesagt wird: „Der Vorsteherplatz am Altar ist kein Ehrenplatz. Er ist ein Platz im Schatten des Kreuzes.“ Um solcher gehaltvoller Formulierungen willen kann man das Büchlein des österreichischen Priesters geradezu liebgewinnen.

Wen wundert es, dass Haider aufgrund seines Bewusstseins von der Würde des heiligen Opfers gegen die Verwendung weltlicher Texte im Wortgottesdienst der heiligen Messe zu Felde zieht, dass er eine Lanze für qualitätvolle Messgewänder bricht, die die Bedeutung des heiligen Geschehens unterstreichen. Für die Mitfeier der heiligen Eucharistie, in der Christus sich uns in der heiligen Hostie schenkt, die „kein Ding, keine Sache, kein heiliges, kein geweihtes Brot“, sondern „Christus selbst“ ist, gibt Haider wertvolle Hilfen, etwa in Bezug auf die Aufopferung im Moment der Wandlung, oder auch indem er seinen Ausführungen das Gebet Newmans zum eucharistischen Christus beigibt und ein „Gebet für Gläubige, die die heilige Kommunion nicht empfangen können“. Hinter allem steht die gläubige Überzeugung, die Haider unnachahmlich so ausdrückt: „Am Altar schlägt das gottmenschliche Herz ununterbrochen. Sein Pulsschlag ist: für euch, für euch, für euch...“.

An Haiders eucharistischem Büchlein ist nicht nur nicht das Geringste auszusetzen. Es verdient, ein Volksbuch zu werden.