Entscheidende Weichenstellung

Zollitsch und Fürst gegen Gentests an Embryonen – Bischofs-Brief an Bundestagsabgeordnete

Erzbischof Robert Zollitsch. Foto: dpa
Erzbischof Robert Zollitsch. Foto: dpa

Stuttgart (DT/KNA) Gegen die Zulassung der Präimplantationsdiagnostik (PID) haben sich die katholischen Bischöfe Baden-Württembergs ausgesprochen. In einem am Freitag veröffentlichten Brief des Freiburger Erzbischofs Robert Zollitsch und des Rottenburg-Stuttgarter Bischofs Gebhard Fürst an die Bundestagsabgeordneten des Landes bezeichnen sie die im Parlament anstehende PID-Entscheidung als „Weichenstellung für die Zukunft einer humanen Gesellschaft“. Auf der bedingungslosen Annahme und Achtung eines jeden Menschen beruhe die Humanität der Gesellschaft, so Zollitsch und Fürst.

Sie äußerten zugleich Verständnis für die Angst von Eltern vor einer schweren Behinderung eines Kindes. Allerdings hätten die bei der PID erzeugten Embryonen Anspruch auf einen vollen Lebensschutz; sie seien „Träger der unbedingten Menschenwürde“. PID diene der Selektion kranker Embryonen, und eine Beurteilung nach den Kriterien „lebenswert“ und „lebensunwert“ sei nach dem Rechtssystem der Bundesrepublik nicht zulässig. Zudem stelle sich die Frage, was mit den bei jeder PID erzeugten überzähligen Embryonen geschehe, die für eine spätere Implantation nicht benötigt würden. Zollitsch und Fürst warnen vor einer Logik, nach der die Menschenwürde nur unter bestimmten Bedingungen zu schützen sei. Es lasse sich absehen, was dies auch für das Ende des Lebens sowie für Gebrechliche und Alte bedeuten könne. Zollitsch ist Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, Fürst Vorsitzender der Unterkommission Bioethik der deutschen Oberhirten.

Bei der PID werden im Reagenzglas erzeugte befruchtete Eizellen außerhalb des Mutterleibs auf genetische Fehler untersucht und geschädigte Embryonen vernichtet. In Deutschland galt PID bis zum Sommer 2010 nach gängiger Rechtsinterpretation als verboten. Anfang Juli entschied der Bundesgerichtshof (BGH), dass Gentests an Embryonen nach dem Wortlaut dieses Gesetzes nicht untersagt sind. Der Bundestag will in diesem Sommer ein Gesetz zur PID verabschieden. Es liegen drei Gesetzentwürfe vor: einer sieht ein vollständiges Verbot vor, die übrigen zwei wollen die Methode in unterschiedlichen Grenzen zulassen.