Ein Feuerwerk des Glaubens entzünden

3. Treffpunkt Weltkirche in Augsburg: „Kirche in Not“ erwartet vom 11. bis 13. April 2008 bis zu 3 000 Gäste in der Fuggerstadt

Augsburg (DT) „Höher, schneller, weiter“ könnte in Anlehnung an das olympische Streben nach Rekorden das Motto des diesjährigen Treffpunkts Weltkirche in Augsburg lauten. Die Zahlen, die Martin Ragg, Pressesprecher von „Kirche in Not“ am Dienstag im Augsburger Bischofshaus präsentierte, sprechen für sich: Geschätzte 500 bis tausend Kongressteilnehmer mehr als beim letzten Mal, ein Spendenplus im vergangenen Jahr von fünf Prozent und zudem 6 400 neue Wohltäter.

Wenn das Hilfswerk ruft, kommt die Prominenz

Die Entscheidung vor vielen Jahren, die kleineren Kongresse in Königstein einzustellen und etwas Großes auf die Beine zu stellen, trägt deutlich sichtbare Früchte. Dass sich die Verantwortlichen des Hilfswerks mit diesen Teilerfolgen allerdings nicht zufriedengeben, zeigt das tatsächliche Motto der Veranstaltung: „Zeit, vom Schlafe aufzustehen“ (Röm 13, 11).

Bereits zum dritten Mal lädt „Kirche in Not“ vom 11. bis 13. April zu einem internationalen Kongress in die Fuggerstadt ein. Und wenn das Hilfswerk ruft, kommt die Prominenz von Nah und Fern – und zwar nicht nur aus dem kirchlichen Milieu. Namen allein ziehen nicht, dessen ist sich der Veranstalter bewusst. Auch die Themen, die mit den bekannten Gesichtern in Verbindung gebracht werden, müssen stimmen. Nur dann gelingt es auch, die Blicke auf die Nöte der Welt zu richten, wie Ragg das Credo des Hilfswerks und somit des Kongresses auf den Punkt bringt. Dabei wird auf dem Wochenende eine doppelgleisige Strategie verfolgt: Zum einen wird dem Anliegen vieler Christen aus den Krisengebieten ein Forum geboten, zum anderen darf die Neuevangelisierung in den Geberländern nicht vernachlässigt werden.

Dicht gedrängt reihen sich die hochkarätig besetzten Podien über das Heilige Land, Kuba, die Türkei, und Europas Zukunft aneinander und lassen die Teilnehmer einen Hauch von Weltkirche atmen. Bei der Themenauswahl – die bereits vor einem Jahr stattfand – hatten die Kongress-Planer einmal mehr ihr Ohr am Puls der Zeit. Einige Themen werden aufgrund der aktuellen Entwicklungen wohl besondere Aufmerksamkeit erfahren. Dazu gehört sicherlich die Podiumsdiskussion zu „China – Olympische Spiele und christlicher Aufbruch“. Im Gespräch mit dem taiwanesischen Botschafter am Heiligen Stuhl, Chou Seng Tou, und einem der bekanntesten Dissidenten Chinas, Harry Wu, bekommt die Frage nach einem möglichen Olympia-Boykott gewiss neue Impulse.

Die Kirchenvertreter in China versprächen sich von den Spielen in Peking eine weitere Öffnung, äußerte Kirche in Not-Sprecher Ragg den Eindruck, den er bei einer Reise in das Land gewonnen hatte. Die Touristen sollten bei dieser Gelegenheit demonstrativ auch die Kirchen der chinesischen Hauptstadt besuchen. Zudem sei das Christentum unter chinesischen Intellektuellen geradezu „hip“ geworden.

Mit schätzungsweise zehn Prozent läge der Anteil der Christen unter Chinas Studenten inzwischen doppelt so hoch wie im Bevölkerungsdurchschnitt. Ungeachtet dieser positiven Einschätzung werden aber auch kritische Stimmen wie der Europaabgeordnete Thomas Mann zu Wort kommen, der sich vor allem mit Blick auf die Tibet-Frage bereits für einen möglichen Olympia-Boykott ausgesprochen hat. Der Dialog untereinander – nicht nur auf den Podien – ist schließlich eines der Wesensmerkmale des Kongresses.

Der Kongress bewahrt sich sein jugendliches Gesicht

Aber auch „Anregungen und Richtigstellungen“ erwartet sich der Augsburger Bischof Walter Mixa als Schirmherr der Veranstaltung. Dabei brennt ihm nach wie vor das Thema „Ehe und Familie“ auf den Nägeln. Und diese Steilvorlage wird aufgenommen. Nicht nur das „Tagespost“-Forum „SOS! Die Familie retten heißt Europa bewahren“, unter anderem mit Trigema-Chef Wolfgang Grupp, Schauspielerin Barbara Wussow und der langjährigen Tagesschau-Sprecherin und Buch-Autorin Eva Herman, bietet diesbezüglich genügend Zündstoff.

Spätestens bei der öffentlichen Veranstaltung „Spirit 2008“ am Samstagabend werden die vielen Jugendlichen und Erwachsenen gemeinsam mit den Künstlern durch Musik, persönliche Zeugnisse und Aufführungen ein Feuerwerk des Glaubens zünden – und zwar generationenübergreifend. Denn auch die 6-12-Jährigen, die am parallel stattfindenden NET-Kinderkongress teilnehmen, werden in das Abendprogramm einbezogen. Erst dadurch bewahrt sich der Kongress und die Kirche von heute das jugendliche Gesicht. Dass der gemeinsame Gottesdienst – an diesem Wochenende in Augsburg in verschiedenen Riten – und die Anbetung vor dem ausgesetzten Allerheiligsten für junge Menschen wieder eine Selbstverständlichkeit geworden ist, zeigt die aktive Teilnahme der vielen jungen geistlichen Bewegungen.

Katholisch sein, die Muttergottes verehren und den Papst klasse finden – vor einigen Jahren noch wurde man dafür nur müde belächelt. Ein Blick auf die Gästeliste und die angemeldeten Infostände im Foyer der Augsburger Kongresshalle offenbart mehr als nur wiedergewonnenes katholisches Selbstbewusstsein. Wenn es den verschiedenen Organisationen, Bewegungen, Initiativen und Medienvertretern über dieses Wochenende hinaus gelingt, ihre Glaubensfreude zu bewahren und sich untereinander weiter zu vernetzen, wird der Veranstalter beim nächsten Mal gezwungen sein, erneut mehr Räume anzumieten.