„Die Liebe in der Wahrheit tun“

Franziskus eröffnet Vollversammlung der italienischen Bischöfe mit einer Grundsatzansprache. Von Guido Horst

Wies Medienberichte zurück: Der Heilige Vater in der Synodenaula des Vatikan vor den italienischen Bischöfen. Foto: Xpress
Wies Medienberichte zurück: Der Heilige Vater in der Synodenaula des Vatikan vor den italienischen Bischöfen. Foto: Xpress

Rom (DT) Mit einer sehr geistlich gehaltenen Ansprache hat Franziskus am Montagnachmittag die 66. Vollversammlung der unter Paul VI. gegründeten Italienischen Bischofskonferenz (CEI) eröffnet. Gewisse Medien hatten mit Spannung auf das Ereignis geblickt, da noch nie ein Papst zu Beginn dieser Versammlungen gesprochen hat, sondern immer dem jeweiligen Konferenzvorsitzenden, derzeit ist das Kardinal Angelo Bagnasco aus Genua, den Vortritt ließ und erst im Anschluss daran als Primas von Italien das Wort an die Bischöfe des Landes richtete. Vor einem Jahr hatte Franziskus angeregt, dass die CEI in Zukunft ihren Vorsitzenden selber wählt und dies nicht mehr dem Papst überlässt. Die italienischen Bischöfe waren aber dagegen mehrheitlich zu dem Schluss gekommen, dem Papst eine Liste von Kandidaten vorzulegen, diesem aber weiterhin die letzte Wahl zu überlassen. Somit sah es für einige Berichterstatter zunächst so aus, als würde Franziskus mit der ersten Eröffnungsansprache eines Papstes die Konferenz „unter die Fittiche“ nehmen. Etwas ironisch ging Franziskus zu Beginn auf die Medienspekulationen ein: „Eine Zeitung hat geschrieben, von den Mitgliedern des Präsidiums der Konferenz sei dieser ein Mann des Papstes, dieser sei kein Mann des Papstes, dieser sei wieder ein Mann des Papstes.... Aber von den fünf, sechs Mitgliedern sind alle Männer des Papstes! – um in dieser ,politischen‘ Sprache zu reden. Wir aber müssen die Sprache der Communio sprechen. Jedoch erfindet sich die Presse immer viele Dinge, nicht wahr?“

Er habe die Bischöfe sehen wollen, fuhr der Papst fort, um vor ihnen das Wort Jesu an Petrus zu entfalten: „Du, folge mir nach“ (Joh 21,19). Die erste Frage sei deshalb für den Hirten: „Wer ist für mich Jesus Christus? Wie hat er mir die Wahrheit meines Lebens gezeigt? Was sagt mein Leben über Ihn?“ Es ginge für die Bischöfe darum, so der erste Gedanke des Papstes, Hirten einer Kirche zu sein, die Gemeinschaft mit dem Auferstandenen ist.

Weiterhin gehe es darum, sagte Franziskus weiter, Hirten einer Kirche zu sein, die der Leib des Herrn ist. Paul VI., den er am 19. Oktober seligspreche, habe die Mitglieder der CEI zur Einheit aufgerufen. Der Dienst an der Einheit sei eine lebenswichtige Frage für die Kirche. Es gebe die Versuchung zu Spaltungen, Gerede, Eifersucht, übertriebener Härte und Laxismus. Das Gegengift dagegen käme von der Eucharistie, die zur Brüderlichkeit, zum gemeinsamen Gehen und zum gegenseitigen Vergeben führe.

Der dritte Aspekt in der Ansprache des Papstes war die Aufgabe der Bischöfe, Hirten einer Kirche zu sein, die das Reich Gottes vorwegnehme und verheiße. Die Liebe in der Wahrheit tun, wie es Benedikt XVI. in „Caritas in veritate“ ausgedrückt habe, sei die hauptsächliche Antriebskraft für die wahre Entwicklung jeder Person und der gesamten Menschheit, sagte Franziskus. Ohne die Wahrheit löse sich die Liebe in eine leere Schachtel auf, die jeder nach eigener Maßgabe anfülle. Franziskus zitierte nochmals Papst Benedikt aus „Caritas in veritate“: „Ein Christentum der Liebe ohne Wahrheit kann leicht mit einem Vorrat an guten, für das gesellschaftliche Zusammenleben nützlichen, aber nebensächlichen Gefühlen verwechselt werden. Auf diese Weise gäbe es keinen eigentlichen Platz mehr für Gott in der Welt“ (4).

Von dieser Klarheit ausgehend, sagte Franziskus weiter, müsse die Verkündigung der Bischöfe „durch die Eloquenz der Gesten getaktet“ werden. Sie sollten als Hirten einen einfachen Lebensstil pflegen und die Anwesenheit in den Umfeldern pflegen, wo die Kirche besonders notwendig sei: Das seien die Familien und die Arbeitslosen, diejenigen, die nicht wüssten, wie sie etwas zum Essen nach Hause bringen könnten. Franziskus wies in diesem Zusammenhang ebenfalls auf das Schicksal der Flüchtlinge und Migranten hin. Zum Abschluss bat er die italienischen Bischöfe um ihr Gebet für seine Pilgerreise ins Heilige Land.