Der „Synodale Weg“: Weg von der Einheit?

Ende des Jahres soll der von der Bischofskonferenz angestoßene "Synodale Weg" beginnen. Noch ist unklar, was auf ihm verhandelt werden soll und wer ihn mitgehen wird.

Der Synodale Weg nimmt Gestalt an
Die Bischöfe während des Eröffnungsgottesdienstes zu Beginn der Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Sankt Bonifatius in Lingen. Foto: Harald Oppitz (KNA)

Der „Synodale Weg“ der Kirche in Deutschland nimmt Gestalt an – langsam und in bürokratischer Behäbigkeit. Denn bevor Bischöfe und Laienvertreter darüber diskutieren können, welche Gespräche sie auf den synodalen Weg bringen möchten, braucht es ein Statut. Daran arbeitete am vergangenen Freitag die Gemeinsame Konferenz von Deutscher Bischofskonferenz (DBK) und Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) in Bonn. Das sei durchaus als Errungenschaft zu verstehen, erklärten die jeweiligen Vorsitzenden, Kardinal Reinhard Marx und Thomas Sternberg, am Rande der Beratungen. Dass es nun klare Regeln und Themenlisten geben würde, sei etwa eine erhebliche Verbesserung gegenüber dem vielfach gescholtenen Dialogprozess „Im Heute glauben“ (2011– 2015).

In Arbeitsgruppen wird nun auch an Themenkatalogen gearbeitet

Neben dem Statut wird nun in Arbeitsgruppen auch an den Themenkatalogen gearbeitet, die später in den eigentlichen Synodalforen behandelt werden sollen. Mitte September soll diese Arbeit in einer weiteren Sitzung der Gemeinsamen Konferenz abgeschlossen werden. Anschließend müssen DBK und ZdK dem noch formell zustimmen. Nach dem Willen der Beteiligten soll es dann am Ersten Advent tatsächlich mit den synodalen Beratungen losgehen. Geplant ist neben der Arbeit in den Foren jeweils ein Plenartreffen im Frühjahr und im Herbst. Angelegt ist der „Synodale Weg“ auf zwei Jahre.

Daneben konnten Sternberg und Marx am Freitag mitteilen, dass auch in einem eigenen Forum über die Rolle der Frau diskutiert werden soll. Ursprünglich hatten die Bischöfe Debatten über „Macht, Partizipation, Gewaltenteilung“, „Sexualmoral“ und „Priesterliche Lebensform“ avisiert. Osnabrücks Bischof Franz-Josef Bode soll nun das vierte Forum zu „Frauen in Diensten und Ämtern der Kirche“ leiten, das auf Drängen der Laien auf die Agenda gesetzt wurde. Das ZdK hatte noch im Mai deutlich forscher formuliert, eine Debatte über den „Zugang von Frauen zu Weiheämtern“ führen zu wollen. Dass es trotz des geänderten Titels um die Frage der Frauenweihe gehen dürfte, war am Freitag nicht zu überhören. So erklärte Präsident Sternberg, dass man einmal grundsätzlich überlegen müsse, „ob dieses festgefahrene Denken in drei Ämtern das Angemessene ist und ob das eigentlich nicht kirchengeschichtlich ein ganz überholtes Verständnis ist“.

Marx: Synodaler Weg kann Tradition der Kirche nicht übergehen

Noch wenige Tage zuvor hatte Papst Franziskus die deutschen Katholiken in seinem Brief daran erinnert, bei aller Synodalität nicht den Sensus Ecclesiae, den Sinn für die Weltkirche, zu verlieren. Auch Kardinal Marx betonte nun, der „Synodale Weg“ könne nicht an der Tradition der Kirche vorbei gehen. Auch könne er die Souveränität der Ortsbischöfe nicht aufheben. Auch der Vorsitzende der Bischofskonferenz gibt sich offenkundig nicht der Illusion hin, die zu erwartenden Beschlüsse des „Synodalen Wegs“ würden allerorten mitgetragen. Denkbar sei daher, die Möglichkeit eines Minderheitenvotums einzuräumen. Einstimmigkeit strebe man ohnehin nicht an, vielmehr größtmögliche Einmütigkeit, so Marx. Im Übrigen sei jeder frei, abweichende Auffassungen öffentlich kundzutun.

"Schwierig genug wird’s,
heftig genug wird’s.
Das sehe ich alles voraus"
Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz

Sehr deutlich hatte dies noch kurz vor seiner Emeritierung der bisherige Augsburger Bischof Konrad Zdarsa getan. Auch Regensburgs Generalvikar Michael Fuchs erklärte, dass der „Synodale Weg“ nach den Mahnungen des Papstbriefes nicht wie geplant werde ablaufen können. Wie man in Hintergrundgesprächen erfährt, denken manche Bistumsleitungen angesichts der aktuellen Entwicklungen nun sogar darüber nach, ob und unter welchen Bedingungen sie sich überhaupt an diesem Prozess beteiligen können. Während der Plan für die synodale Reform weiter Gestalt annimmt, wachsen die Vorbehalte und Widerstände. Es war weniger Prophetie als realistische Einschätzung, als Kardinal Marx am Freitag erklärte: „Schwierig genug wird’s, heftig genug wird’s. Das sehe ich alles voraus.“