Würzburg

Der Papst und die Erforschung des Mondes

Vor 50 Jahren landeten erstmals Menschen auf dem Mond. Das bahnbrechende Ereignis hat auch Papst Paul VI. mit großem Interesse verfolgt und persönlichem Engagement begleitet.

Papst Paul VI. in der Päpstlichen Sternwarte
Papst Paul VI. verfolgte die Mondlandung 1969 in der Päpstlichen Sternwarte. Foto: IN

Als Papst Franziskus im Oktober 2017 in einer Video-Schalte mit den Astronauten der internationalen Raumstation ISS sprach, kommentierte die DPA ihre Berichterstattung mit der Bemerkung: „Generell ist der Vatikan mittlerweile auch der Astronomie gegenüber aufgeschlossen.“ Eine Fehleinschätzung par excellence. Die Präsenz der Päpste am Himmelsgewölbe besaß schon im Pontifikat Gregors XIII. (1572–1585) Bedeutung und hatte zur Festsetzung unseres heutigen Kalenders gedient. Seit damals ist die Beobachtung der Gestirne durch päpstliche Sternwarten zu einem Markenzeichen der wissenschaftlichen Forschungen des Vatikans geworden.

Das 1961 begonnene US-Raumfahrt-Projekt der „National Aeronautics and Space Administration (NASA)“ zur Erforschung des Erdtrabanten mit der Intention, einen Menschen auf dem Mond landen zu lassen und ihn wieder sicher zur Erde zurückzubringen, stieß im Vatikan auf großes Interesse. Zu Beginn des Jahres 1969 besuchte Frank Borman, der Kommandant von Apollo VIII, auf Einladung der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften Rom, wo er Vorlesungen über das Raumfahrtprogramm der USA hielt. Am 15. Februar hatten sich in der Aula der Bischofssynode rund zwanzig Kardinäle, das beim Heiligen Stuhl akkreditierte Diplomatische Korps sowie Persönlichkeiten der Römischen Kurie und des Vatikans eingefunden. Borman referierte über seinen Mondflug und zeigte einen an Bord von Apollo VIII gedrehten Farbfilm; die Erde als Ganzes zu sehen, bezeichnete der Astronaut als die großartigste Schau, die ihm auf seinen Flug ins Weltall zuteil geworden sei: „Von dort oben aus sind die Grenzen, die die Völker trennen, nicht zu sehen.“

"Wir bewundern auf das höchste den Mut,
den Sie und Ihre Kameraden
auf dem Flug bewiesen haben."
Papst Paul VI. im Jahr 1969 zum US-Astronauten Frank Borman

Anschließend wurde Borman zusammen mit seiner Frau Susan und seinen beiden Söhnen von Papst Paul VI. in Privataudienz empfangen. Zur Begrüßung sagte der Heilige Vater: „Wir sind glücklich, einen der unerschrockenen Raumfahrer zu grüßen, die dazu beigetragen haben, die Kenntnis der göttlichen Schöpfung bei den Menschen so zu vertiefen und damit die Bewunderung des Menschen für das Werk Gottes zu vermehren. Wir bewundern auf das höchste den Mut, den Sie und Ihre Kameraden auf dem Flug bewiesen haben.“ Während der Audienz überreichte ihm Papst Paul VI. eine kleine Flagge des Vatikanstaates. Frank Borman versprach, dass sie bei einer Landung auf dem Erdtrabanten mitgenommen würde.

Mondlandung Apollo 11
Im Juli 1969 setzte erstmals ein Mensch seinen Fuß auf den Mond. Foto: NASA/dpa

Nach der Mondlandung sprach der Papst zur Menschheit

1969 setzte der erste Mensch seinen Fuß auf den Mond. Der Papst begab sich am Abend des 20. Juli vom Apostolischen Palast seiner Sommerresidenz in Castel Gandolfo in die nahegelegene Sternwarte des Vatikans. Durch das Teleskop beobachtete er eine Weile das „Meer der Ruhe“; am Fernsehen verfolgte er dann die Übertragungen vom Landemanöver.

Unmittelbar nach dem Aufsetzen der Mondfähre richtete Paul VI. eine Radiobotschaft an die Welt und die Astronauten: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede den Menschen auf Erden, die guten Willens sind! Wir, demütiger Stellvertreter jenes Christus, der aus der Tiefe der Göttlichkeit zu uns kommend diese selige Stimme am Firmament hat erschallen lassen, machen Uns heute zum Echo dieser Stimme und wiederholen sie als festlichen Hymnus unserer ganzen Weltkugel, die nicht mehr unüberschreitbare Grenze der menschlichen Existenz, sondern offene Schwelle zur Weite des grenzenlosen Raumes und zu neuen Bestimmungen ist. Ehre sei Gott! Und Ehre den Menschen, die dieses große Raumfahrtunternehmen bewerkstelligt haben! Ehre allen, die diesen so kühnen Flug ermöglicht haben! Ehre allen, die vor ihren wunderbaren Apparaten sitzend das Unternehmen leiten, und allen, die der Welt das Werk und die Stunde bekannt geben, die die wissende und mutige Herrschaft des Menschen auf die himmlischen Tiefen ausdehnt.“

An die Astronauten gewandt sagte der Heilige Vater mit bewegter Stimme: „Hier spricht zu Euch, von seiner Sternwarte in Castel Gandolfo in der Nähe von Rom aus, Papst Paul VI. Ehre, Gruß und Segen Euch, die ihr den Mond erobert habt, das bleiche Licht unserer Nächte und unserer Träume. Bringt dem Mond mit unserer lebhaften Teilnahme die Stimme des Geistes, den Hymnus für Gott, unseren Schöpfer und Vater. Wir sind Euch nahe mit Unseren Wünschen und mit Unseren Gebeten. Mit der ganzen katholischen Kirche grüßt Euch Papst Paul VI.“.

Dankgottesdienst statt Behördenbetrieb im Vatikan

Gegen 23.00 Uhr verließ der Pontifex das Observatorium und begab sich wieder in seine Gemächer im Apostolischen Palast. Gegen 4.00 Uhr wurde er vom Direktor der päpstlichen Sternwarte telefonisch geweckt. Der Papst sah sich dann bis 5.30 Uhr am Fernsehen die Direktübertragung vom Mond an. Dieses bedeutende Ereignis in der Geschichte der Menschheit war nicht nur beim Papst auf großes Interesse gestoßen. Eine katholische Nachrichtenagentur berichtete: „In der historischen Nacht der Mondlandung vom 20. zum 21. Juli blieben im Vatikan viele Fenster erleuchtet. Zahlreiche Kurienkardinäle und -prälaten verbrachten die ganze Nacht vor dem Bildschirm, um das große Ereignis auf diese Weise mitzuerleben. Besonders festlich ging es dabei in der Wohnung des US-amerikanischen Kurienkardinals John Joseph Wright, des Präfekten der Kongregation für den Klerus, zu. Zusammen mit einigen Gästen verfolgte der Kardinal die ganze Nacht hindurch die Übertragungen. Dafür blieb die von ihm geleitete Kongregation am Montag geschlossen – ein noch nie dagewesenes Faktum im Vatikan. Am Montagvormittag, dem 21. Juli, zelebrierte Kardinal Wright dann eine heilige Messe für die Astronauten und alle, die am Gelingen des Mondlande-Unternehmens mitgewirkt hatten.“

Papst Paul VI. verfolgt die Mondlandung
Wie Millionen Menschen auf der ganzen Welt verfolgte auch Papst Paul VI. die Mondlandung 1969 live im Fernsehen. Foto: IN

In den Tagen vor und nach der Mondlandung hatte Papst Paul VI. zu dem historischen Geschehen mehrfach Stellung genommen. Am 20. Juli lobte er vor dem mittaglichen Angelusgebet das Unternehmen, ließ jedoch auch warnende Worte vernehmen: „Im Taumel dieses prophetischen Tages, dieses wahren Triumphs der vom Menschen zur Beherrschung des Kosmos geschaffenen Mittel, dürfen wir nicht vergessen, wie notwendig und pflichtgemäß es ist, dass sich der Mensch selbst zu beherrschen vermag. Auf dem Antlitz der Erde, wir wissen es alle, sind immer noch Kriege im Gange. Und dann der Hunger, der immer noch ganze Völker bedrängt. Wo ist die wahre Menschlichkeit? Wo ist die Brüderlichkeit? Wo ist der Friede? Wo bliebe der wahre Fortschritt des Menschen, wenn dieses Unglück weiterbestünde und sich verschlimmerte? Heute feiern wir einen erhabenen Sieg dieses Fortschrittes. Möge er sich doch dem wahren zeitlichen und sittlichen Wohl der Menschheit zuwenden.“

Nach der bisher letzten Mondlandung am 7. Dezember 1972 besuchte der Kommandant von Apollo XVII, Eugen Cernan, Paul VI. Er dankte dem Papst dafür, dass er die Mondlandungen mit seinem Gebet begleitet habe und gab ihm die auf den Erdtrabanten mitgenommene Vatikanflagge zurück, zusammen mit einem Stück Mondgestein als Geschenk des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika.