„Der Glaube wird relativiert“

Ein Gespräch mit Kardinal Gerhard Müller über den Beschluss der Bischöfe, konfessionsverschiedene Ehepartner zur Kommunion zuzulassen. Von Regina Einig

Gerhard Ludwig Müller
Warnt vor rhetorischen Tricks wie Seelsorgeregelungen für „Einzelfälle“: der frühere Präfekt der Glaubenskongregation Kardinal Gerhard Müller. Foto: dpa
Gerhard Ludwig Müller
Warnt vor rhetorischen Tricks wie Seelsorgeregelungen für „Einzelfälle“: der frühere Präfekt der Glaubenskongregation Ka... Foto: dpa

Eminenz, die deutschen Bischöfe wollen konfessionsverschiedene Ehepaare in Einzelfällen zur Kommunion zulassen: der nichtkatholische Ehepartner soll dies im Gewissen entscheiden können. Ist das ein ökumenischer Fortschritt?

Ein ökumenischer Fortschritt wäre nur dann gegeben, wenn wir dem großen Ziel der Einheit der Christen in der einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche Gottes näherkommen. Voraussetzung dafür wäre aber die Anerkenntnis der Sakramentalität der Kirche und der Tatsache, dass wir über die Sakramente keine Verfügungsgewalt haben. Hier müsste erst einmal geklärt werden, ob Bischofskonferenzen im Einzelfall ihre Kompetenzen nicht überschreiten. Sie haben keinerlei Vollmacht, Glaubensfragen so zu entscheiden, dass in der praktischen Konsequenz etwas herauskommt, das mit dem Glauben nicht vereinbar ist. Deshalb trat in Antiochien Paulus dem Petrus offen entgegen, weil dieser „sich ins Unrecht gesetzt hatte“ durch ein doppeldeutiges Verhalten, das die „Wahrheit des Evangeliums“ verdunkelte. (Galater 2, 11.14).

Aber manche erhoffen sich durch diesen Schritt eine Annäherung der Konfessionen. Was spricht dagegen?

Pastorale Praxis und kirchliche Lehre lassen sich nicht voneinander abkoppeln. Wenn wir von dem geoffenbarten Glauben abweichen um des Heils der Seelen willen, dann hieße dies, Gott zu korrigieren, der nach unserem Ermessen gar nicht in der Lage wäre, alle konkreten Einzelfälle in seinen Geboten vorauszusehen. Das wäre ein Aberwitz, in dessen Abgrund die Kirche versinken würde. Wir können nicht so tun, als ob die volle Gemeinschaft der Kirche, die sich in der Eucharistie darstellt, vollzogen werden könnte auch ohne „unsere Lehren für wahr zu halten“, wie schon Justin der Märtyrer in seiner I. Apologie (Art. 66, verfasst um 150 n. Chr. in Rom) sagte. Wenn nach der Liturgie-Konstitution des II. Vatikanums (SC 10; 47) die Eucharistie „Quelle und Höhepunkt“ des liturgischen Lebens der Kirche ist, wie kann man die Bedingungen ihrer vollen Mitfeier als eine den Glauben nicht berührende Frage bewerten? Die Kirche ist der mystische Leib Christi und die Eucharistie der sakramentale Leib Christi, den man nur empfangen kann, wenn man im Bekenntnis und im Gnadenstand ganz und ohne Hindernis eben der sichtbar einen Kirche angehört. Nur wo das Band zwischen der Kirche und den Sakramenten nicht wie im katholischen Glauben – so auch in der Orthodoxie – so eng gesehen wird oder wo das heilsindividualistische Denken vorherrscht, kann dieser Zusammenhang verloren gehen.

Die Kirche kennt aber doch Ausnahmen?

Aber hier geht es nicht um die Befriedigung seelischer Bedürfnisse oder die Rücksicht auf soziale Zwänge. Wenn ein evangelischer Christ in einer Notlage, in der es um sein ewiges Heils geht – in der Todesgefahr –, seinen Geistlichen nicht erreichen kann und er als individuelle Person den katholischen Glauben an die Eucharistie und das sakramentale Wesen der katholischen Kirche in diesem Augenblick mitvollziehen kann, darf er um seines Heiles willen die Sakramente empfangen: zuerst die Buße, dann die Kommunion. Aber die Ehe mit einem katholischen Partner, die Verwandtschaft oder gute Bekanntschaft mit nicht-katholischen Christen erfüllen nicht die Voraussetzungen für diese Notsituation, wo es um das ewige Heil geht. Wer den katholischen Eucharistie-Glauben teilt, muss überdies die ihm entgegenstehenden Lehren nicht-katholischer Gemeinschaften ablehnen.

Allerdings ist im Beschluss nur von Einzelfällen die Rede.

Die Formulierung „Einzelfälle“ ist ein rhetorischer Trick. Die meisten Gläubigen sind keine Theologen, die den Überblick über das Thema haben. Deswegen müssen päpstliche und bischöfliche Aussagen zum Sakramentenempfang so klar vorbereitet sein, dass sie dem Heil der Menschen dienen. Christus hat das Lehramt nicht gestiftet, um Prozesse anzustoßen, die in Verwirrung führen. Der Heilige Geist ist übrigens nicht der Lückenbüßer für mangelnde Kenntnis und theologische Reflexion der katholischen Glaubenslehre. Die Stiftung der Kirche durch den geschichtlichen Christus kann nicht gegen die lebendige Präsenz des erhöhten Herrn im Heiligen Geist ausgespielt werden. Das Lehramt ist den Hirten nicht übertragen worden, um Macht über andere auszuüben, sondern um die ihnen lediglich anvertraute Lehre Christi treu und unverkürzt allen Gläubigen weiterzugeben und keineswegs, um die Zugehörigen zur eigenen ideologischen Gruppe zufriedenzustellen. Bischöfe und Priester verursachen nicht die Gnade, sondern verwalten nur die Sakramente der Gnade, wie die katholische Tradition fein unterscheidet.

Die Bischöfe beziehen sich auf can. 844, § 4 CIC und das „schwerwiegende geistliche Bedürfnis, auf das sich der evangelische Ehepartner stützen könne. Wie bewerten Sie diese Auslegung des Rechts?

Es ist nicht richtig, can. 844, § 4 CIC auf konfessionsverschiedene Ehen in dieser grundsätzlichen Weise anzuwenden. Die konfessionsverschiedene Ehe ist keine Notsituation. Durch sie wird das Heil der Ehepartner nicht gefährdet. Sie ist hingegen eine große Herausforderung, die aber im Glauben gemeinsam gestaltet werden kann. Ein evangelischer Christ hat nicht die volle Gemeinschaft mit der katholischen Kirche, welche die Voraussetzung wäre für den Sakramentenempfang. Ein logischer Widerspruch kann nicht durch einen Machtspruch der Hierarchie überwunden werden. Weder der Papst noch wir Bischöfe können die Sakramente umdefinieren zu einem Mittel, um psychische Nöte zu lindern und spirituelle Bedürfnisse zu stillen. Sie sind wirksame Zeichen der Gnade Gottes. Wir respektieren den guten Willen und die Glaubensüberzeugung unserer Mitchristen in anderen Konfessionen, erwarten aber auch, dass unser Glaube als Ausdruck unserer Überzeugung anerkannt und nicht als Produkt der Sturheit oder einer „konservativen“ Gesinnung diffamiert wird.

Worauf kommt es im katholischen Verständnis in diesem Zusammenhang an?

Für das katholische Verständnis ist der Zusammenhang von Kirche und Sakrament entscheidend. Die Kirche ist keine Institution, die religiöse Riten anbietet, unter Umständen auch an Nichtmitglieder, sondern die Kirche vollzieht ihr Wesen und Leben in den Sakramenten. Für die Protestanten dienen die Sakramente hingegen der Vergewisserung der schon im Glauben allein geschehenen Rechtfertigung des Sünders. Diese Sicht teilen wir nicht beziehungsweise wir sagen noch mehr zu den Sakramenten. Wir glauben an die objektive Wirksamkeit der Sakramente.

Der reformierte evangelische Theologe Ulrich Körtner (Uni Wien) spricht im Zusammenhang mit dem Beschluss von „Murks“. Die Bischöfe gäben ihr Sanctus zur Praxis, während der katholische Ehepartner nach wie vor nicht zum Abendmahl zugelassen sei. Wie beurteilen sie Körtners These, solide Theologie sehe anders aus?

Körtner spricht aus der Perspektive der wechselseitigen Zulassung, die aber nur gerechtfertigt wäre, wenn das evangelische Abendmahl und die katholische Eucharistie identisch wären und das Beziehungsgefüge von Kirche–Rechtfertigung–Sakrament in der katholischen Kirche und den verschiedenen Gemeinschaften protestantischer Prägung gleich wäre. Ich habe gehört, dass katholische Theologen die Qualität des bisherigen Entwurfs in Bezug auf seine biblische Fundierung und Übereinstimmung mit der authentischen Lehre der katholischen Kirche sehr kritisch bewerten, aber noch liegt der definitive Text der Handreichung nicht vor. Wenn man allerdings zu locker mit den Prinzipien umgeht, darf man sich nicht wundern, wenn andere unerwünschte Schlussfolgerungen gezogen werden.

Welche zum Beispiel?

Im Grunde wird der katholische Glaube relativiert. Fortschritte in der Ökumene sind wünschenswert und notwendig. Aber aus katholischer Sicht können sie nicht in Richtung einer Protestantisierung der katholischen Kirche gehen, die nur „Rückkehrökumene“ im Umkehrschluss wäre. Man stelle sich nur vor, ein evangelischer Jugendlicher, der einem katholischen Freund eng verbunden ist, erbäte nun die Firmung, will aber gleichzeitig evangelisch bleiben. Anhand der neu formulierten Prinzipien könnte man das eigentlich nicht ablehnen. Oder was ist mit einem guten, praktizierenden Katholiken, die aus Enttäuschung über die zunehmende Politisierung der Kirche in Deutschland – wie er sie empfindet – standesamtlich aus ihr als Körperschaft des öffentlichen Rechtes austreten würde – mit welchem Grund dürfte man ausgerechnet ihm die heilige Kommunion verweigern?

Befürworter der neuen Regelung berufen sich aber auf die vagen Aussagen des Papstes in der lutherischen Gemeinde in Rom.

Aber diese Aussagen und Gesten ziehen in diesem Zusammenhang nicht. Sie haben kein lehramtliches Gewicht. Viele sprechen derzeit von einer Krise im römischen Lehramt, das widersprüchliche dogmatische Behauptungen von Bischofskonferenzen zulässt und nicht strikt unterbindet, wie es die Aufgabe der Glaubenskongregation wäre. Keine kirchliche Lehrautorität kann den Bischofskonferenzen, die nur kraft kirchlichen Rechtes existieren, eine Lehrkompetenz zuschreiben, die sie nicht haben und haben können. Die Aufgabe des Papstes mit Unterstützung der Glaubenskongregation ist es, die Einheit der Kirche in der geoffenbarten Wahrheit zu wahren. Eine Pluralität in der Theologie ist legitim, ein Pluralismus im Glauben ist falsch. Denn es gibt nur einen Glauben und eine Kirche. Der Papst meint seiner persönlichen Befindlichkeit nach, seine Aufgabe bestehe nicht darin, Verbote zu verhängen und er müsse Formulierungen finden, in denen sich auch Außenstehende angesprochen fühlen. Dieser pastorale Impetus ist gut. Sendung und Aufgabe des Papstes ist es auch, die Menschen vom Glauben zu überzeugen und sie in die Tiefe des Evangeliums zu führen gemäß dem Auftrag Jesu, dass Petrus immer und überall seine Brüder in eben dem geoffenbarten Glauben bestärken soll (Lukas 22, 32).

Wie sieht der Weg der Ökumene aus Ihrer Sicht aus?

Natürlich leben wir nicht mehr im kontroverstheologischen Zeitalter, aber jeder ist dennoch gehalten, den Glauben seiner Gemeinschaft, der er angehört, immer tiefer zu verstehen. Das ist meines Erachtens der Weg der Ökumene: sich in einer ehrlichen Weise annähern und Missverständnisse überwinden. Wir Katholiken wollen die Sakramentalität der Kirche nicht aufgeben. Das wäre der größte Verrat an unserem Glaubensbekenntnis. Was ist für die Einheit der Kirche gewonnen, wenn man in den eigenen Reihen Unfrieden stiftet und Wunden schlägt? Es wird viel die Kollegialität beschworen und von der Synodalität als dem gemeinsamen Weg geredet und geredet. Was hindert in den viel gerühmten Einzelfällen, sie zu praktizieren?

Der Begriff Rückkehrökumene ist verschrien. Aber wenn ein evangelischer Christ, der mit einem Katholiken verheiratet ist, den katholischen Glauben teilt - was spricht dann gegen die Konversion?

Da gibt es für den guten Seelsorger Ermessensspielräume – je nachdem, aus welcher Familientradition der evangelische Partner kommt und welche Rücksichten er zu nehmen hat. Aber im Normalfall wäre das der konsequente Schritt, denn es gibt nur die eine Wahrheit. Dass mehrere Bekenntnisgemeinschaften nebeneinander bestehen, deren Glaubenslehre sich inhaltlich widersprechen, kann nicht der Wille Gottes sein. Wir mögen in einem sogenannten nachkonfessionellen Zeitalter leben. Das ist eine sozialpsychologische oder ideengeschichtliche Analyse. Aber die katholische Kirche war nie eine Konfession, so wie die Protestanten sich in ihren Konfessionen gemäß Luther, Zwingli, Calvin und andere zusammengeschlossen haben. Sie versteht sich in ihrem Glaubensbekenntnis, das jeden Katholiken in seinem Gewissen bindet, als die von Christus gegründete Kirche, die vom Papst und den Bischöfen in Gemeinschaft mit ihm geleitet wird (Lumen gentium 8). Jeder hat das Recht, dies zu bestreiten. Aber dann ist er nicht katholisch.

Die „Gewissensentscheidung im Einzelfall“ soll aus Sicht mancher Theologen auch homosexuellen Paaren den Weg zur Segnung in der katholischen Kirche ebnen. Wie bewerten Sie das?

Hinter den unaufhörlich „geöffneten Türen“ steht nicht notwendig ein solide gebautes Haus, es könnte auch ein Attrappe sein. Durch die „geöffneten Fenster“ tritt nur dann frische Luft ein, wenn sie draußen auch weht. Statt mantraartig diese vergilbten Sprachbilder umzublättern, sollte man theologisch exakt formulieren. Das ist der beste Beitrag für Pastoral und Ökumene. Der Ausdruck „Gewissensentscheidung im Einzelfall“ ist ein „weißer Schimmel“, weil Gewissensentscheidungen immer nur im Einzelfall getroffen werden können. Es geht um meine freie Stellungnahme zu den geoffenbarten Wahrheiten und sittlichen Geboten Gottes. Von den Geboten Gottes gibt es keine Ausnahme, weil sie immer das Heil des Menschen im Sinne haben. Die Umstände können aber den Anteil meiner Schuld vergrößern oder vermindern. Hier ist Gott allein der Richter über jeden Menschen. Ich kann ebenso wenig einzelne Wahrheiten des Glaubens bei Gelegenheit verleugnen, wie ich im Einzelfall gegen die Gebote Gottes verstoßen kann, der mir darin den Weg zu meinem Heil und Wohl weist.

Was spricht gegen die Segnung homosexueller Verbindungen?

Segnen heißt gutheißen gemäß dem Sinn, den Gott in die Einrichtungen seiner Schöpfung und an allererster Stelle in die Personen selbst gelegt hat. Niemand verurteilt einen Menschen mit homosexuellen Neigungen als Person. Das wäre eine gotteslästerliche Anmaßung, das wesensmäßige Gutsein der Existenz eines von Gott geschaffenen Menschen in Frage zu stellen. Im übrigen gibt es keine Homosexuellen wie eine besondere Gattung von Menschen. Dies wäre die schlimmste Form von Diskriminierung. Denn Gott erschafft Menschen nach seinem Bild und Gleichnis und er schuf sie als Mann und Frau. Doch wenn homosexuelle Handlungen dem Willen Gottes widersprechen, kann niemand dafür den Segen Gottes erbitten. Pastorale Hilfe sieht anders aus und dient dem Frieden der Seele nur dann, wenn sie auf dem Boden der Wahrheit bleibt. Eine echte Pastoral, der es um die Menschen und nicht um das eigene Bild in der veröffentlichten Meinung geht, hilft den Betroffenen, ihren Weg zum Heil trotz aller Schwierigkeiten zu finden und sich ihres Lebens als einer Gabe Gottes zu freuen und so auch die Berufung zum ewigen Leben zu erkennen.

Aber auch in solchen Beziehungen gäbe es positive Elemente und Werte, heißt es. Überzeugt Sie dieses Argument?

Ja, positive Elemente gibt es in nahezu allen Beziehungen. Doch das rechtfertigt nicht Handlungen gegen die Gebote Gottes. Wenn Geschwister treu füreinander sorgen, legitimiert sie das auch nicht, dass sie sich in Einzelfällen bei der Erbschaft übervorteilen. Liebe und Wahrheit gehören untrennbar zusammen. Alle Gebote Gottes gelten für alle Menschen, denen er sich in Jesus Christus als Wahrheit und Leben mitgeteilt hat. „Wenn wir seine Gebote halten, erkennen wir, dass wir ihn erkannt haben. Wer sagt, ich habe ihn erkannt, aber seine Gebote nicht hält, ist ein Lügner, und die Wahrheit ist nicht in ihm.“ (1 Joh 2, 3f)

 

 

Hintergrund

Die große Mehrheit der katholischen Bischöfe will konfessionsverschiedenen Ehepartnern die gemeinsame Teilnahme an der Eucharistie ermöglichen. Eine Handreichung für Seelsorger soll in einigen Wochen veröffentlicht werden.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, erklärte zum Abschluss der Frühjahrsvollversammlung der Bischöfe in Ingolstadt, es handele sich um eine Orientierungshilfe. Unabdingbar sei es, dass Seelsorger vor der Zulassung der nichtkatholischen Ehepartner zur Kommunion mit den Betroffenen über deren Glauben sprächen und sicherstellten, dass beide die katholische Eucharistielehre teilten. Die Bischöfe gehen davon aus, „dass in konfessionsverschiedenen Ehen im Einzelfall der geistliche Hunger nach dem gemeinsamen Empfang der Kommunion so drängend sein kann, dass es eine Gefährdung der Ehe und des Glaubens der Ehepartner nach sich ziehen könnte, ihn nicht stillen zu dürfen". Hier könne ein „schwerwiegendes geistliches Bedürfnis“ entstehen, das es nach dem Kirchenrecht möglich mache, dass der evangelische Ehepartner zum Tisch des Herrn hinzutrete, wenn er den katholischen Eucharistieglauben bejahe.

Der katholische Ökumene-Bischof Gerhard Feige lobte den Beschluss als „glücklichen Moment für die Ökumene“. Er sei „nach dem Reformationsgedenkjahr ein eminent wichtiger Schritt und ein erfreuliches Zeichen dafür, dass wir in der Ökumene weiterkommen“, sagte Feige am Wochenende in Bückeburg.

Für den Freiburger Dogmatiker Helmut Hoping bleiben offene Fragen. Dem Kölner „domradio“ sagte er, es gebe im Verständnis der Eucharistie durchaus noch einige Differenzen „weniger in der Frage der Realpräsenz, sondern was das eucharistische Hochgebet und den darin zum Ausdruck kommenden Glauben betrifft“. Denn dort, so Hoping, „wird ja die Gemeinschaft mit den Bischöfen und die Gemeinschaft mit dem Papst bekannt und am Ende sagen die Gläubigen, die an der Eucharistiefeier teilnehmen, Ja und Amen zu diesem Glauben.“ Nach Ansicht Hopings müsse eine andere Bejahung des katholischen Glaubens vorliegen als nur die der Realpräsenz. Auch der Kölner Offizial Domkapitular Prälat Günter Assenmacher gab im „domradio“ zu bedenken, dass ihm die Situation eines „ungestillten geistlichen Hungers“, der zu einer Gefährdung der Ehe geworden wäre, „sehr, sehr selten begegnet“ sei. Er befürchtet, das Echo auf diese Verlautbarung werde „vermutlich weitgehend plakativ sein. Viele werden sich, wenn dieses Thema überhaupt ihre Aufmerksamkeit findet, weder für die Differenzierungen noch für die fundamentalen Glaubensfragen ernsthaft interessieren.“

Deutliche Kritik äußerte der evangelische Theologe Ulrich Körtner (Wien): „Die Deutsche Bischofskonferenz läuft der in den Gemeinden schon längst verbreiteten Praxis hinterher, wo sich viele längst nicht mehr um dogmatische Feinheiten scheren“, sagte Körtner dem Evangelischen Pressedienst (epd). „Die angekündigte neue Praxis – die schriftlichen Details stehen ja noch aus – sollen es den Bischöfen erlauben, ohne Gesichtsverlust ihren Sanctus zur Praxis zu geben.“

Nach wie vor werde es aber, soweit er verstanden habe, dem katholischen Ehepartner untersagt sein, am evangelischen Abendmahl teilzunehmen. „In meinen Augen ist das alles ein Murks. Aber die EKD-Spitze ist ja auch nicht unbedingt an solider Theologie interessiert, sondern nur an guter Stimmung und ökumenischer Beziehungsarbeit.“ DT/KNA/domradio