Den Geist des Gründers lebendig halten

Karin Fenbert, Geschäftsführerin von „Kirche in Not“ Deutschland, über das Charisma von Pater Werenfried und die Arbeit seines Hilfswerkes heute. Von Markus Reder

Karin Fenbert. Foto: KiN
Karin Fenbert. Foto: KiN
Frau Fenbert, Pater Werenfried van Straaten der Gründer des internationalen kirchlichen Hilfswerkes „Kirche in Not“ wäre heute 100 Jahre alt geworden. Wie begeht „Kirche in Not“ diesen Gedenktag?

Aus Anlass des 100. Geburtstages von Pater Werenfried wird es eine Reihe von Veranstaltungen geben. Den Anfang macht unsere Festveranstaltung am 19. Januar in Köln. Kardinal Meisner wird um 11.00 Uhr die heilige Messe im Kölner Dom zelebrieren. Anschließend gibt es im Maternushaus, das etwa zehn Minuten entfernt vom Kölner Dom liegt, ein Programm mit Gästen aus der Weltkirche. Wir haben Gäste aus Äthiopien, aus Brasilien, den Philippinen und der Ukraine. Diese Veranstaltung in Köln bildet den Auftakt für mehrere Begegnungstage, die in Marienfried, Königstein, Eichstätt, Vierzehnheiligen, Kloster Marienrode bei Hildesheim, in Kevelaer und in Helfta stattfinden werden. Am 3. November, quasi zum Abschluss, sind wir in der deutschen Heimatdiözese des Speckpaters in Limburg. Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst wird mit uns ein Pontifikalamt feiern. Mit dieser „Glaubenstournee“ möchten wir möglichst vielen Menschen im gesamten Bundesgebiet die Chance geben, „Kirche in Not“ kennenzulernen und Weltkirche zu erleben. Natürlich werden wir dabei auch an den Speckpater erinnern.

Worin bestand das besondere Charisma des Speckpaters?

Sein größtes Charisma war sicher seine Kunst zu betteln und seine Art zu predigen. Ihn zeichnete sein ungeheures Gottvertrauen aus. Er hat häufig Zusagen auch für große Projekte gemacht, ohne schon über das Geld dafür zu verfügen. Er hat immer darauf vertraut, dass dann, wenn die Not ihn anrührte, Gott auch für das Geld sorgen würde, um die nötigen Taten folgen zu lassen. Pater Werenfried war ein origineller Mensch: Trotz aller Not, die er gesehen und erlebt hat, war er nie verbittert, sondern blieb humorvoll und voller Ideen. Die Menschen haben seine Predigten geliebt, weil er deutliche und klare Worte fand. „Christus wird immer ein Zeichen des Widerspruchs bleiben“, war er überzeugt. „Es ist nicht möglich, sein Evangelium so zu verkünden, dass niemand sich darüber ärgert, es sei denn, dass bestimmte Wahrheiten verschwiegen werden. Das ist unzulässig und kann unserem Werk auch keinen Vorteil bringen“, hat Werenfried betont. Diese Einstellung ist gerade in Zeiten, in denen der Relativismus auch in der Kirche um sich greift, von großer Aktualität. Er war ein marianischer Mensch. Die Botschaft von Fatima war seine Triebfeder. Und er war ein Kämpfer für den Frieden, der stets die Feindesliebe gepredigt hat. Zweimal war er nominiert für den Friedensnobelpreis, 1993 und 1998. Wichtig ist auch seine besondere Nähe zum Heiligen Vater. Pater Werenfried gilt als „Vertrauter von vier Päpsten“. „Kirche in Not“ ist immer ganz nah beim Papst gewesen. Dieser ist der Garant für die Einheit der Kirche. Gerade in den letzten 100 Jahren war die Kirche mit ihren Päpsten ja ganz besonders gesegnet. Seit Ende 2011 sind wir päpstliche Stiftung. Denn umgekehrt sind wir auch dem Heiligen Vater wichtig.

Wie groß ist „Kirche in Not“ heute und wo liegen die Tätigkeitsschwerpunkte des Hilfswerkes?

„Kirche in Not“, das sind rund 600 000 aktive Freunde weltweit, die in 17 Ländern die Büros von „Kirche in Not“ unterstützen für die Seelsorge der verfolgten, notleidenden, bedrängten oder in ihrem Glauben schwach gewordenen Kirche in rund 140 Ländern der Welt. 2011 hatten wir Gesamteinnahmen von 82 Millionen Euro. Die größten Hilfsempfänger in der letzten Zeit waren die Ukraine, Indien, Brasilien, Russland, die Demokratische Republik zusammen mit der Republik Kongo, Haiti, Vietnam, Sudan, Myanmar (Birma) und Peru.

„Kirche in Not“ sucht nach Zeitzeugen des Speckpaters. Droht die Erinnerung an Pater Werenfried bereits zu verblassen?

Wenn jemand schon seit zehn Jahren tot ist und auch in seinen letzten Lebensjahren – Werenfried ist 90 geworden – nicht mehr ganz so aktiv sein konnte, werden natürlich die lebenden Zeitzeugen weniger. Doch „Kirche in Not“ ist vom Charisma von Pater Werenfried geprägt, das macht unsere Eigenart aus. Sicher nicht nur Ordensinstitute, sondern auch Institutionen wie wir haben die Aufgabe, uns am Geist und den Absichten des Gründers zu orientieren. Insofern wird die Erinnerung an ihn und sein Charisma lebendig bleiben.