Das Scheitern der Ehe mit Gott bestehen

Was tut die katholische Kirche für Geschiedene und Wiederverheiratete? Einige Hilfsangebote im Überblick Von Franziska Pröll und Clemens Schlip

Würzburg (DT) Erzbischof Robert Zollitsch hat in einem Interview mit der Wochenzeitung „Die Zeit“ erklärt, die Kirche müsse sich mehr damit auseinandersetzen, wie sie mit Menschen umgehe, „deren Leben in wichtigen Dingen unglücklich verlaufen ist“. Dazu gehöre eine gescheiterte Ehe.

Die Überlegung, Geschiedenen seelsorglich beizustehen und dabei in ihrer Treue zur katholischen Eheauffassung und der Unauflöslichkeit der Ehe zu bestärken, hat Priester und Laien im deutschsprachigen Raum dazu gedrängt, Hilfsangebote zu schaffen. Im Folgenden soll eine Reihe von kirchlichen Projekten vorgestellt werden, die sich dieses Apostolats annehmen.

Schönstatt veranstaltet deutschlandweit Seminare

Bei der Schönstattbewegung existiert seit fast zehn Jahren ein „Kreis für Frauen nach Trennung oder Scheidung.“ Er ist von fünf selbst betroffenen Frauen ins Leben gerufen worden, die auf eigenen Wunsch von der Schönstattschwester Anne-Meike Brück begleitet werden. Anfangs beschränkten sich die Seminare auf die Ordenszentrale in Schönstatt. Inzwischen haben sie sich in ganz Deutschland verbreitet und werden von manchen Bistümern sogar finanziell unterstützt; gerne gesehen sind sie überall. Frauen, die einmal an einem Seminar teilgenommen haben, können bei regelmäßigen Frühstückstreffen oder durch erneute Kursbesuche die Kontakte vertiefen. Schwester Anne-Meike und die Initiatorinnen der Bewegung legen überaus großen Wert darauf, für alle mit Trennung und Scheidung konfrontierten Frauen da zu sein. „Die Frauen müssen keine Mitglieder der Schönstattbewegung sein, sondern wir möchten, ganz im Gegenteil, möglichst vielen Frauen in dieser Situation zur Seite stehen“, sagt Schwester Anne-Meike.

Auf den „Kreis für Frauen nach Trennung oder Scheidung“ werden einige Teilnehmerinnen über Bekannte aufmerksam, die sie mitnehmen, andere dagegen über das Internet, gelegentliche Radiointerviews und Informationsflyer, die in Kirchengemeinden ausliegen. „Unser Anliegen ist es, den Frauen zu helfen, neue Perspektiven für ihr Leben zu gewinnen“, erklärt die Marienschwester. Am wichtigsten sei es, dass die Frauen ein gesundes Selbstwertgefühl aufbauen – manche zum ersten Mal in ihrem Leben. Nur so könnten sie den Belastungen ihres Alltags standhalten und erfahren, dass es sich trotz Einsamkeit lohnt, den Lebensweg weiter zu gehen. Besonders kinderlose Frauen würden an diesem Punkt dazu neigen, ihr Dasein als nicht mehr lohnenswert zu empfinden. „Das Selbstwertgefühl kann nur an Gott festgemacht werden. Wir brauchen ihn, weil er treu, ewig und beständig in seiner Liebe ist“, betont sie. Außerdem habe der „Kreis für Frauen nach Trennung oder Scheidung“ die Intention, den Frauen über längere Zeit gezielt zur Seite zu stehen. „Die Treffen bieten den Frauen Raum, ihr Leid zu artikulieren, auch was gerichtliche, berufliche und erzieherische Probleme angeht“, unterstreicht Schwester Anne-Meike Brück. Sie gibt aber zu bedenken, dass zu viele belastende Gespräche, „die ganze Gruppe nach unten ziehen können“. Das richtige Maß zu finden, sei eine „Gratwanderung“. Wenn sie gelingt, können die Frauen an sich arbeiten und gestärkt in den Alltag zurückkehren.

Die Gruppe „Magnificat“ wurde am Fest der Unbefleckten Empfängnis, 8. Dezember 2004, in der bayerischen Gebetsstätte Wigratzbad durch drei geschiedene Frauen gegründet. Vorbild war die Gruppe „Solitude“, eine in Kanada gegründete Organisation, die seit mehr als 20 Jahren besteht und auch in der Schweiz vertreten ist. Gefördert wurde die Entstehung der Gruppe durch den österreichischen Familienbischof Klaus Küng (St. Pölten) und den damaligen Leiter der Gebetsstätte Wigratzbad. Die Gruppe hat sich der Muttergottes geweiht. Ihre Zielgruppe sind „Geschiedene, die bewusst alleine leben“, überzeugte Katholiken, die in ihrer schwierigen Lebenssituation „diesen Weg mit der Kirche und mit Gott gehen“ wollen, wie Maria Rundel, eine der Mitbegründerinnen, betont.

Die Gruppe veranstaltet ein- oder zweimal im Jahr Seminare in der Gebetsstätte Wigratzbad, die der Churer Domherr Christoph Casetti leitet; daneben finden auch noch andere Treffen in der Gebetsstätte statt. Zu jeder Veranstaltung kommen zwischen 10 bis 20 Teilnehmer, die teilweise weite Anfahrtswege auf sich nehmen. Das geistliche Programm steht im Vordergrund: Erst wird eine Messe gefeiert, dann folgt das Seminar. Lobpreis und Anbetung sind ein wichtiger Bestandteil der Veranstaltungen.

„Familiaris consortio“ bietet Orientierung

Aber auch gemeinsames Studium findet statt. So sind die Teilnehmer schon mehrmals das apostolische Schreiben „Familiaris consortio“ des seligen Johannes Pauls II. durchgegangen und haben daraus Kraft und Bestätigung gezogen. Anders als bei Schönstatt sind unter den Teilnehmern auch immer einige Männer. Die Veranstaltungen werden in Radio Horeb angekündigt. Neuerdings nimmt auch ein Priester aus Wigratzbad bisweilen an den Treffen teil. Die Organisation expandiert: In Augsburg hat sich eine neue Gruppe gebildet. Einer dort ansässigen Frau war der Anfahrtsweg nach Wigratzbad zu lang geworden.

Aus der Fülle der weiteren existierenden Beratungs- und Hilfsangebote seien beispielhaft zwei herausgegriffen. Regelmäßige nachmittägliche Treffen unter dem Titel „Oasen der Barmherzigkeit“ bietet das Hagiotherapeutische Zentrum im Kloster der Redemptoristinnen in Lauterach an. Geleitet werden sie von der ausgebildeten Hagiotherapeutin Schwester Agatha Kocher und Domherr Christoph Casetti, dem Ehebeauftragten des Bistums Chur. Auch der Gemeindepfarrer von Mautern in Österreich, Benediktinerpater Clemens Maria Reischl, hält regelmäßig Seminare für Geschiedene ab.

Es gibt sie also: Angebote der Kirche für Menschen, deren Entwurf einer lebenslangen Ehe gescheitert ist, die in vollem Einklang mit der unveränderlichen Lehre der Kirche stehen.

An diese erinnert das Ehepaar Norbert Martin, Mitautoren des nachsynodalen Apostolischen Schreibens „Familiaris consortio“, mit Hinblick auf die wiederverheiraten Geschiedenen: „Die Kirche weiß sich an die Lehre Christi gebunden und kann sie nicht aufheben, ohne den Erlöser zu verraten.“ Menschliches Mitgefühl könne nichts an den Äußerungen Christi ändern. Wer gegen das Gebot der Unauflöslichkeit der Ehe verstoße, könne nicht zur Kommunion zugelassen werden, denn „Ehe und Eucharistie sind zwei innerlich miteinander verbundene Sakramente der unaufgebbaren Liebe und Treue mit, in und zu Christus. Wer in der Frage der Unauflöslichkeit der Ehe und der eng damit zusammenhängenden Zulassung zur Eucharistie aus Barmherzigkeit Hoffnungen auf eine baldige Änderung der kirchlichen Lehre weckt, muss wissen, dass damit Christus – und in seiner Nachfolge der Kirche – Unbarmherzigkeit unterschoben und die Unauflöslichkeit der Ehe aufgehoben wird.“