Das Misstrauen wächst

Bischöfe aus Europa und Amerika: Zur Lösung des Nahostkonflikts fehlt der politische Wille

Jerusalem (DT/KNA/KAP) Mit einem Aufruf zu mehr politischer Entschlossenheit zur Beendigung des Nahostkonflikts hat eine Gruppe amerikanischer und europäischer Bischöfe ihre fünftägige Informationsreise ins Heilige Land beendet. Die Lösungen seien den politischen Führern bekannt, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung vom Donnerstag. Allerdings fehlten Wille und Mut zu den notwendigen Schritten. Gewalt, Unsicherheit, Häuserzerstörungen, Visaprobleme, Landenteignungen, der Verlauf des israelischen Sperrwalls und andere Missstände bedrohten sowohl eine Zweistaatenlösung als auch die christliche Präsenz im Land. Frieden könne nur durch Gerechtigkeit erreicht werden. Eine gerechte Lösung des Konflikts sei jedoch auch acht Monate nach dem Papstbesuch im Heiligen Land nicht in Sicht, so die Bischöfe.

Stattdessen wachse das Misstrauen zwischen Israelis und Palästinensern aufgrund der zunehmenden Schwierigkeiten, einander zu begegnen. An der jährlich stattfindenden Begegnung mit Kirchenführern und Christen vor Ort hatten die Bischöfe Stephan Ackermann (Trier), Peter Bürcher (Rejkjavik), Michel Dubost (Evry bei Paris), Riccardo Fontana (Arezzo), William Kenney (EU-Bischofskommission ComECE), Gerald Kicanas (Tucson/Arizona), Pierre Morisette (Saint-Jerome/Quebec) sowie Joan-Enric Vives (Urgel und Andorra) teilgenommen. Der Vorsitzende der Deutschen Kommission Justitia et Pax (Gerechtigkeit und Frieden), der Trierer Bischof Stephan Ackermann, warnte mit Blick auf israelische Sperrmaßnahmen gegenüber der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) davor, in der „Sackgasse des Sicherheitsdenkens“ steckenzubleiben. „Auf israelischer Seite dreht sich alles um die Frage Sicherheit, auf palästinensischer Seite nennt man die Maßnahmen Besatzung.“ Wer immer die gleichen Argumente benutze, komme aber im Gespräch nicht weiter. „Die Sperrmaßnahmen entfremden die beiden Völker auch immer mehr voneinander, und das bringt auf Dauer weder Frieden noch Sicherheit.“

Kritische Punkte ansprechen

Aufgabe der Kirche im Friedensprozess sei, in den jeweiligen Heimatländern auf die Situation vor Ort aufmerksam zu machen und als Vertreter der Weltkirche zu einzelnen Punkten mit den jeweiligen Regierungen ins Gespräch zu kommen. Die Kirche habe durchaus gewisse Einflussmöglichkeiten, die sie nutzen sollte, so Ackermann. Dabei müsse es „trotz oder vielleicht gerade wegen der besonderen Beziehung, die wir als Deutsche und als deutsche Kirche zu Israel haben“, erlaubt sein, kritische Punkte anzusprechen.

Die Bischöfe hatten sich seit Sonntag in Gesprächen mit einheimischen Kirchenführern und israelischen wie palästinensischen Fachleuten über die Situation in der Region informiert. Weiter trafen sie sich mit einheimischen Christen. Bei einem Treffen mit dem israelischen Vize-Außenminister Daniel Ayalon sprach eine Delegation der Bischöfe unter anderem die andauernde Visa-Problematik für kirchliche Mitarbeiter an. Ein weiteres Thema der Reise war die Situation der Jerusalemer Altstadt, wie die Deutsche Bischofskonferenz mitteilte.

Die Bischöfe äußerten sich demnach besorgt über die fortgesetzten Bestrebungen der Stadtverwaltung und der Regierung des Staates Israels, der Altstadt von Jerusalem und den angrenzenden Gebieten eine einseitig jüdisch-israelische Prägung zu geben. Dies stelle den Charakter von Jerusalem als Stadt von drei Religionen in Frage und lege dem Friedensprozess weitere gravierende Hindernisse in den Weg.

Unterdessen teilte der Vatikan mit, seine Umfrage für die im Oktober bevorstehende Bischofssynode zum Nahen Osten zu starten. Kommenden Dienstag veröffentlicht das Synodensekretariat das erste Vorbereitungspapier, die „Lineamenta“, hieße es am am Mittwoch aus dem Vatikan. Neben thematischen Grundlinien enthält es einen an die Kirchen in Nahost sowie an die Weltkirche gerichteten Fragebogen, der die inhaltliche Planung und Akzentsetzung der Synode weiter klären soll. Die Lineamenta sollen, anders als die Dokumente der Libanonsynode 1995, nicht nur auf Französisch, Englisch und Italienisch, sondern auch auf Arabisch vorgelegt werden. Anhand der Lineamenta erstellt das Synodensekretariat anschließend das offizielle Arbeitspapier. Dieses soll dem Vernehmen nach von Benedikt XVI. persönlich bei seinem Pastoralbesuch Anfang Juni auf Zypern veröffentlicht werden. Die Nahostsynode tagt vom 10. bis 24. Oktober im Vatikan zum Thema „Die katholische Kirche im Nahen Osten – Gemeinschaft und Zeugnis“.