Christus im Blick der Seele

Die Wegweisungen der heiligen Teresa von Ávila zum inneren Gebet – Zum Gedenktag der Kirchenlehrerin am 15. Oktober. Von Marianne Schlosser

An Volkstümlichkeit ist diese Kirchenlehrerin kaum zu übertreffen: Teresas Gebetslehre fasziniert auch Menschen außerhalb des Karmel. Die Aufnahme zeigt eine Prozession in ?vila anlässlich ihres 500. Geburtstags im März. Das Jubiläumsjahr endet in dieser Woche. Foto: reg

Teresa, die große Mystikerin, Gründerin kontemplativer Klöster, die Lehrmeisterin des geistlichen Lebens, zur Kirchenlehrerin erhoben … kann sie uns im mühsamen Alltag des Gebetslebens helfen?

Es ist tröstlich: Teresa kannte die Schwierigkeit, sich zu „sammeln“, hatte erfahren, dass die Gedanken sich einfach nicht zur Ruhe bringen lassen; sie hatte (vor ihrer zweiten Bekehrung) Phasen durchlebt, in denen sie nicht gern betete und der Begegnung mit Gott lieber auswich. Als sie für ihre Schwestern im Kloster San José (gegründet 1562) eine Anleitung zum Gebet unter dem Titel „Weg der Vollkommenheit“* niederschrieb, hatten Selbstbeobachtung und Begleitung anderer Menschen sie bereits vieles gelehrt. Diesen reichen Schatz an Erfahrung kleidet sie in eine geradlinige, verständliche Sprache; sie setzt keine Kenntnisse mystischer Literatur oder spezieller Terminologie voraus, sondern nur das, was allen Christgläubigen vertraut ist: das Vaterunser, die Unterweisung, die Jesus selbst seinen Jüngern gab, als sie ihn baten: Herr lehre uns beten.

Damit steht Teresas Gebetsunterweisung in einer langen Tradition: Die Kirchenväter kommentierten das Gebet des Herrn, weil es Modell für alles christliche Beten ist, eine „Kurzfassung des Evangeliums“. Teresa selbst bekennt, dass sie von den Worten des Evangeliums stets tiefer ergriffen worden sei als von Büchern über das Gebet, selbst wenn diese hilfreich sein können (CV 21, 4). Zugleich reagiert sie mit ihrer Schrift auf eine im damaligen Spanien schwelende Auseinandersetzung um das Wesen „inneren Betens“ oder kontemplativer Erfahrungen: Die Verbreitung extremer Ansichten, die den „höheren Gebetsweisen“ mehr Wert und Rang als den Sakramenten zuschreiben wollten, hatte die Sehnsucht nach Vertiefung des Gebetslebens generell in Verruf gebracht; um derartige Verstiegenheiten, die dem Glauben der Kirche widersprachen, zu vermeiden, rieten offenbar viele Seelsorger zur Beschränkung auf „mündliche Gebete“ wie das Vaterunser.

Teresa erklärt daher zuerst, dass kein mündliches Gebet den Namen „Gebet“ überhaupt verdient, wenn es nicht zugleich „innerlich“ ist; ob mit Worten oder im Schweigen, es kommt darauf an, dass man mit dem Herzen dabei ist. Die Andacht bezieht sich nicht so sehr auf die zu sprechenden Worte, sondern auf die Person, zu der man spricht. Das ist der springende Punkt! Denn Gebet ist von seinem Wesen her weder Selbst-Gespräch noch konzentriertes Denken, sondern Sprechen zu Gott: „Es ist noch kein Zeichen inneren Gebets, wenn man den Mund schließt. Wenn ich mir beim Sprechen der Worte klar bewusst bin, dass ich mit Gott spreche, und meine Aufmerksamkeit mehr auf ihn richte als auf die Worte selbst, so bete ich innerlich und mündlich zugleich.“ (CV 22)

In Antwort auf die offenbar verbreitete Ansicht, für die Schwestern ohne theologische Bildung genügten die Grundgebete, hält Teresa fest (CV 21): Richtig, das Gebet des Herrn genügt in der Tat – für Menschen, die schon weit fortgeschritten sind! Diese brauchen keine weiteren Anleitungen mehr. Sie selbst wolle aber nun Ratschläge geben für Menschen, die unkonzentriert, „schwach und lau“, oder deren Verstand hyperaktiv ist. Das Herrengebet ist also ein Gebet für die Anfänger im Beten, und für die „Starken“, die schon hohe Gebetsgnaden empfangen (CV 37, 1). Dieses Gebet wächst gewissermaßen mit dem Betenden: In den wenigen Worten des Herrengebets „ist die ganze Kontemplation und Vollkommenheit eingefangen“. Folgerichtig führt Teresa ihre Unterweisung über das Gebet am „Vaterunser“ durch (CV 27–42). Zuvor gibt sie einige grundsätzliche Hinweise.

Echte Sehnsucht nach Gottesbegegnung ist mit Demut verbunden – und nicht zu verwechseln mit maßlosem Verlangen nach mystischen Erfahrungen (CV 16–18). Zum kontemplativen Beten erhebt Gott allein, es ist reine Gnade (CV 25, 2). Im Unterschied dazu bedeutet „inneres Gebet“, sich bewusst zu sein, wer Gott ist und wer man selbst ist. Hier liegt viel auch am Willen des Menschen, freilich getragen von der Gnade. Teresa erinnert ihre Schwestern daran, dass niemand ein Recht darauf habe, im Gebet „Tröstungen“, freudvolle Empfindungen zu erhalten, auch wenn man sich alle Mühe in Gebetspraxis und täglichem Leben gibt. Demut ist verbunden mit froher Dankbarkeit für Gottes Gaben, ohne kleinmütige Enttäuschung, ohne bitteres Sich-Vergleichen mit anderen oder verstecktes Aufbegehren. Teresa vergleicht die Haltung der echten Demut (die Haltung Mariens) mit der Dame im Schachspiel: Sie setzt den König schachmatt (CV 16, 2).

Zum Gebet gehört, zweitens, „dem Herrn entschlossen ein wenig Zeit zu widmen“ und treu darin zu sein; denn „mangelnder Umgang bewirkt, dass man sich entfremdet und mit dem anderen nicht mehr zu reden weiß; es ist dann so, als kenne man ihn nicht, selbst wenn er mit uns verwandt ist“ (CV 26, 9). Ganz abgesehen davon, dass es kein Zeichen echter Freundschaft ist, wenn man jemandem etwas Zeit verspricht – und dann einen Rückzieher macht. Zeit zu schenken ist nicht selten ein Kampf gegen innere und äußere Widerstände. Man wird aber wachsen in der Stärke, wenn man jeweils den Schritt geht, der einem möglich ist. Beten heißt beten wollen.

Das Wesentliche des inneren Gebetes besteht darin, den Blick der Seele auf Christus zu richten (CV 26, 3): „Nicht über ihn nachdenken, sondern ihn anschauen.“ Er ist nicht eine Vorstellung menschlicher Gedanken, sondern Jemand, der den betenden Menschen erwartet. Daher besteht die Beziehung zu ihm nicht so sehr im „Nachdenken“, sondern im „Anschauen“. Teresa verspricht: Gewöhne man sich daran, ihm immer wieder die Augen zuzuwenden, dann bleibe Christus so sehr gegenwärtig, dass man „ihn gar nicht mehr vertreiben kann“ (CV 26, 1).

Auch das Vaterunser spricht Teresa in der Gegenwart Jesu. Die „Vater-“Anrede enthält ja in sich den Gedanken an den Sohn: Wir sprechen zu demjenigen, den Jesus „Abba – lieber Vater“ nennt, und von dem er versichert: „Euer Vater im Himmel weiß, was ihr braucht.“ Das Vaterunser ist Gebet „in Christus“. Ohne darauf einzugehen, dass nirgends im Neuen Testament gesagt wird, Jesus habe dieses Gebet auch selbst gesprochen, ist Teresa überzeugt: Jesus spreche uns dieses Gebet gewissermaßen vor; er spreche es in unserem Namen. Wir stimmen in das Gebet Jesu ein und vereinen uns dadurch mit ihm.

Aus der Anrede „Vater-unser“ entfaltet Teresa zunächst eine Betrachtung der Güte des Vaters, welche unter den Gläubigen eigentlich alle Überheblichkeit aufgrund irdischer Vorzüge (Stammbaum, Schönheit, Begabung, Besitz) auslöschen müsste (CV 27, 6). Der höchste Adel ist es, zu den Brüdern und Schwestern Jesu gehören zu dürfen. Im Zusatz „in den Himmeln“ sieht sie einen ausgezeichneten Weg zur inneren Sammlung. Wo soll man denn Gott suchen, wo ihn sich vorstellen, was heißt „Himmel“? Teresa könnte den Gedanken von Augustinus haben, er findet sich bei vielen geistlichen Meistern: Der Himmel ist das Innere des Menschen, wo der Gott wohnen will. „… Mir war das eine Zeitlang nicht klar gewesen. […]. Hätte ich damals in der gleichen Tiefe wie heute erkannt, dass in diesem kleinen Palast meiner Seele ein so großer König wohnt, hätte ich ihn meiner Meinung nach nicht so häufig allein gelassen …“ (CV 28, 11)

Die beiden ersten Bitten: „Geheiligt werde dein Name, dein Reich komme“ werden von Teresa zusammenfassend erklärt (cap. 30; 31). Wenn sie erfüllt werden – was in diesem Leben nur anfanghaft geschieht –, dann lässt Gott seine Herrschaft im Inneren verspüren: Er schenkt das „Gebet der Ruhe“, den Anfang der Kontemplation: „Der Herr versetzt die Seele durch seine Gegenwart in Frieden; denn alle Seelenkräfte werden still.“

Die folgende Bitte, „dein Wille geschehe“, ersehnt darüber hinaus die vollkommene Vereinigung mit Gott, die eine Einung der Liebe und daher Einung des eigenen Willens mit dem Gottes ist. Diese Bitte auszusprechen erfordert großen Mut: es ist die Bitte Jesu am Ölberg. In diesen Worten ist also die Bereitschaft zur Kreuzesnachfolge eingeschlossen. Teresa gibt zu, dass einem Menschen dabei die Knie zittern können. Man kann sie nur aussprechen, indem man sie mitspricht mit Jesus. Wer das wagt, bringt sein Verlangen zum Ausdruck, sich dem Vater in vollkommenem Vertrauen ganz zu überlassen – selbst wenn diese vollkommene Zustimmung zum Willen Gottes Leiden mit sich bringt, wie es bei Jesus der Fall war. Ohne diese ganze Hingabe wird man nicht zur Gotteinung gelangen (cap. 32, 9); denn diese setzt die Einheit im Wollen voraus. Wenn sich aber jemand auf diese Weise Gott überlässt, so Teresa, dann beginne „der Herr ihr eine solche Freundschaft zu bezeugen, dass er ihr nicht nur ihren Willen zurückgibt, sondern ihr auch noch den Seinen dazu schenkt […] Er unterwirft sich ihren Bitten, so wie sie den seinen“. (cap. 32, 12) Um derartigen Mut aufzubringen, bedarf der Mensch einer außergewöhnlichen Stärkung. Diese wird in der folgenden vierten Bitte um „das tägliche Brot heute“ (cap. 33–35) erbeten – und zugesagt: Das „Brot“ ist die eucharistische Gegenwart, die Jesus selbst, in unbegreiflicher Liebe zu den Seinen, vom Vater erbittet. Im „Heute“ dieser Weltzeit verbindet er sich mit den Gläubigen, sodass sie in Vereinigung mit ihm den Weg der Kreuzesnachfolge gehen können.

Mit der Deutung „unseren täglichen Brotes“ auf die Eucharistie steht Teresa nicht allein. Im Gegenteil, bis einschließlich des frühen Martin Luther war die Auslegung der Brotbitte als Bitte um die „Seelenspeise“ die vorherrschende Deutung, schon deswegen, weil das Vaterunser in der Messfeier unmittelbar vor der Kommunion seinen Platz hat. Auch haben die besten Kenner der biblischen Sprachen, Origenes, Hieronymus und Erasmus von Rotterdam, all ihr Können aufgewandt, um die Bedeutung des geheimnisvollen griechischen Adjektivs „epioysion“ („täglich“?) zu erhellen: „notwendig“, „wesenhaft“ oder „zukünftig“? Auch wenn Teresa philologische Erwägungen nicht vertraut waren, so fiel ihr auf, dass mit „täglich“ und „heute“ scheinbar zweimal das Gleiche gesagt werde (CV 33, 4; 34, 1.2). Auch spielt sie auf das sechste Kapitel des Johannes-Evangeliums an, wo Jesus von sich sagt, er sei das „Brot, vom Himmel herabgekommen“, und „sein Fleisch eine wahre Speise“, die das täglich zu sammelnde Manna der Wüstenwanderung überbietet; denn das Manna bewirke nicht das ewige Leben, anders als „das wahre Brot vom Himmel“, das „mein Vater (!) gibt“.

Die Auslegung der Brot-Bitte fällt außergewöhnlich umfangreich aus, man spürt in jeder Zeile sozusagen Teresas Ergriffenheit: Die Gegenwart Christi im Sakrament ist das Zeichen seiner maßlosen Liebe, der allertreuesten Freundschaft, die selbst Missachtung und Gleichgültigkeit in Kauf nimmt. Die Zeit nach dem Kommunionempfang empfiehlt sie als eine außerordentlich kostbare Zeit, die für den innigen Austausch genützt, nicht mit anderen Gebetsübungen gefüllt werden soll.

„Vergib uns … wie auch wir vergeben“ – klar in der Bedeutung, schwieriger in der Umsetzung. Teresa sieht auch diese Bitte im Gesamtzusammenhang des geistlichen Lebens. Vergebungsbereitschaft ist eine „Frucht“ und klares Merkmal für die Echtheit mutmaßlicher kontemplativer Gnaden: Gottes überwältigende Güte erfahren und die Vorläufigkeit der Welt erkannt zu haben, macht frei von Groll und Unversöhnlichkeit. Man könne zwar noch manche Fehler haben, aber diese „habe ich bei keinem Kontemplativen gefunden. […] Wer also größere Gnaden empfängt, der schaue in sein Inneres und prüfe sich, wie stark diese Wirkungen zunehmen!“

Diffiziler wieder scheint die Bitte um Bewahrung vor Versuchung. Für Teresa ist klar, dass Gott nicht „in Versuchung führt“. Wohl aber müssen sich Menschen, die Gott mit ganzem Herzen dienen wollen, auf geistliche Kämpfe gefasst machen. Am gefährlichsten sind dabei die Versuchungen unter falscher Flagge. Die Bitte um Bewahrung davor bezieht Teresa vor allem auf zwei Täuschungen, die gerade im geistlichen Leben bereits Fortgeschrittene befallen können.

Die eine besteht in der Gefahr der Selbstüberschätzung: Weil einem manches mit der Zeit schon leichter fällt, bildet man sich ein, die entsprechenden Tugenden – die ein Geschenk Gottes sind – sicher zu besitzen (CV 38). Nun sind Tapferkeit, Geduld, Erbarmen etc. zwar per definitionem dauerhafte Haltungen, aber kein Mensch kennt sich selbst so gut, dass er sicher wüsste, wie tief eine gute Eigenschaft tatsächlich in ihm verwurzelt ist. Das lehrt oft erst die Prüfung, die einen überkommt. Teresa spricht von ihrer eigenen Erfahrung: Oft habe sie wirklich Großes vollbracht und ertragen, und am nächsten Tag sei sie über Kleinigkeiten gestolpert. Das habe ihr vor Augen geführt, dass die Kraft von Gott kommt; sich selbst überlassen ist der Mensch schwach. Wer „sich in einer gewissen Sicherheit wiegt, auf keinen Fall mehr in frühere Sünden zurückzufallen“, riskiert nachlassende Wachsamkeit, die einen schweren Sturz verursachen kann (CV 39, 6).

Auch die gegenteilige Versuchung, die verkehrte Demut, kennt Teresa aus eigener Erfahrung (CV 39, 2): Die Erkenntnis der eigenen Armseligkeit und Sünde nimmt dem Menschen allen Mut, bis er sich nicht mehr traut, Gott unter die Augen zu treten – das heißt das innere Beten zu meiden beginnt. „Die größte Täuschung“, so wiederholt Teresa mehrfach, die ihr der Widersacher zugefügt habe. Es handelt sich nur dem Schein nach um Demut; unter der Hülle steckt die Versuchung zur Verzagtheit, zum Misstrauen gegenüber Gott (CV 39, 3). Die echte Demut dagegen: „… so groß sie auch sein mag, beunruhigt, verängstigt und verwirrt die Seele nicht, sondern bringt ihr Frieden, innere Freude und Ruhe. Auch wenn jemand beim Anblick seiner Armseligkeit klar erkennt, dass er die Hölle verdient hat, wenn er traurig wird und meint, alle müssten ihn zurecht verabscheuen, wenn er fast nicht um Erbarmen zu bitten wagt: Liegt echte Demut zugrunde, dann ist dieser Schmerz so mild und mit solcher Freude verbunden, dass man ihn nicht mehr missen möchte […] er macht die Seele weit und befähigt sie, Gott mehr zu dienen.“ (CV 39, 3) Teresa fügt hinzu, es könne vorkommen, dass jemand von solchen Gedanken der eigenen Erbärmlichkeit niedergedrückt werde, ohne ihrer Herr zu werden. „Aber es ist schon sehr viel, wenn ihr die Versuchung als solche erkennt“, das bedeutet nämlich, von den bedrängenden Gedanken bewusst Abstand zu nehmen – und somit frei zu werden. So gut man könne, rät Teresa, soll man an die Barmherzigkeit Gottes, die Größe seiner Liebe und an das Leiden Christi für uns denken (CV 39, 4).

Die Bitte um die endgültige Befreiung von allem Bösen schließlich beinhaltet die Bitte um das Eingehen-Dürfen ins ewige Leben (CV 42). Sie wächst nicht aus Müdigkeit oder Verzagtheit, sondern aus großer Sehnsucht. In vollkommener Weise wird sie, so Teresa, von denjenigen Menschen ausgesprochen, denen Gott durch das Geschenk der Kontemplation schon einen Vorgeschmack gegeben hat auf die Fülle des Himmels, sodass sie an diesem Leben nicht mehr hängen. Wie die Bereitschaft zu vergeben, so gilt ihr auch die Sehnsucht nach dem ewigen Leben als ein deutliches Zeichen für die Echtheit kontemplativer Gnaden (CV 42, 3).

Das Vaterunser beginnt, unter der Führung der Worte Jesu, mit der Hinwendung zu Gott, der den Menschen „im kleinen Himmel der Seele“ schon erwartet, und schließt mit der sicheren Hoffnung auf die Fülle des ewigen Lebens. Dazwischen liegt der Weg wachsenden Vertrauens und tiefer werdender Liebe zu Gott. So schließt Teresa den „Weg der Vollkommenheit“ mit den Worten: „Seht, Schwestern, wie der Herr mir zu Hilfe kam, da er euch und mich den Weg lehrte, den zu erklären ich begonnen habe! Und er hat mich erkennen lassen, welche Fülle wir mit diesem Gebet des Evangeliums erbitten. Gepriesen sei er in Ewigkeit! Denn mir wäre es gewiss nie in den Sinn gekommen, dass dieses Gebet so tiefe Geheimnisse enthalten könnte. Wie ihr gesehen habt, beinhaltet es ja den gesamten Weg des geistlichen Lebens von seinen Anfängen bis zu dem Punkt, da Gott die Seele in sich versenkt und ihr überreich aus der Quelle lebendigen Wassers zu trinken gibt …“ (CV 42, 5)

*CV = Camino de perfección (Codex Valladolid). Es gibt mehrere deutsche Übersetzungen, auch Auswahl-Ausgaben, des „Weges der Vollkommenheit“, die Zitation bezieht sich hier auf: Teresa von Ávila, Der Weg der Vollkommenheit, hrsg. vom Karmel St. Josef-Hauenstein, 1992.