„Caritas in veritate“ erscheint bald

Die Enzyklika zur Krise: Das dritte Lehrschreiben von Papst Benedikt XVI. befasst sich mit dem Wirtschafts- und Arbeitsleben

Rom (DT) Papst Benedikt XVI. hat am Samstag bestätigt, dass die Veröffentlichung seiner dritten Enzyklika unmittelbar bevorsteht. Das Rundschreiben werde „dem weiten Thema der Wirtschaft und Arbeit“ gewidmet sein. Gleichzeitig würden in dem Dokument die Werte umrissen werden, die es unermüdlich zu verteidigen gelte, um ein „menschliches, wahrhaft freies und solidarisches Zusammenleben zu verwirklichen“. Das aus Kreisen des Vatikans angegebene Datum der Unterzeichnung der Enzyklika, deren Titel „Caritas in veritate“ seit über einem Jahr bekannt ist, wird der 29. Juni sein, Fest der heiligen Apostel Petrus und Paulus und Patronatsfest der Stadt Rom.

Die aktuelle Wirtschaftskrise, von der die ganze Welt betroffen ist, beweise, dass die Werte und Regeln überwunden werden müssen, die in diesen letzten Jahren die Wirtschaft aufrechterhalten haben. Der Papst fordert, dass im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit andere Werte und Regeln stehen, „an die sich die Welt der Wirtschaft halten soll, um ein neues Entwicklungsmodell zu verwirklichen“. Dieses müsse gegenüber den Erfordernissen der Solidarität aufmerksamer sein und die Menschenwürde mehr respektieren.

Mit diesen Worten wandte sich Benedikt XVI. am vergangenen Samstag an die Mitglieder der Stiftung „Centesimus annus – Pro Pontifice“, die zu ihrer jährlichen Audienz empfangen wurden. Die Stiftung „Centesimus annus pro Pontifice“ ist eine gemeinnützige Einrichtung. Ihre Ziele sind religiöser und wohltätiger Natur. Ausdrückliche Absicht ist es, am Studium und an der Verbreitung der christlichen Soziallehre mitzuarbeiten, wie diese insbesondere in der Enzyklika Papst Johannes Pauls II. „Centesimus annus“ dargelegt ist.

Benedikt XVI. erläuterte, dass in dem neuen Dokument „das herausgestellt werden wird, was für uns Christen die zu verfolgenden Ziele und die zu fördernden und unermüdlich zu verteidigenden Werte sind“. Der Papst nutzte seine Ansprache dazu, sich erneut mit dem Thema der globalen Weltwirtschaftskrise und vor allem mit dem Entwicklungsmodell zu beschäftigen, durch das diese hervorgerufen worden ist.

Den Mitgliedern der Stiftung gegenüber machte der Papst deutlich, dass die Begegnung angesichts der Situation, in der sich die gesamte Menschheit im Moment befinde, eine besondere Bedeutung annehme. „Tatsächlich zeigt die Finanz- und Wirtschaftskrise, von der die Industrieländer, die Schwellenländer und die Entwicklungsländer betroffen sind, auf eindeutige Weise“, so der Papst, „dass gewisse ökonomische und finanzwirtschaftliche Paradigmen überdacht werden müssen, die in den letzten Jahren vorherrschend waren.“„Caritas in veritate“ wird es sich demnach vornehmen, einerseits die Gründe des Versagens der bisherigen Wirtschaftsmodelle zu analysieren, um dann für ein neues Paradigma in Wirtschaft, Handel und Finanzwirtschaft dessen grundlegende und unverzichtbare anthropologische und sozialethische Dimension herauszuarbeiten.

Die unmittelbare Veröffentlichung der dritten Enzyklika Benedikts XVI. wurde bereits mehrere Male angekündigt. So hatte Kardinalsstaatsekretär Tarcisio Bertone Anfang März 2008 nach Spekulationen über eine Veröffentlichung zu Ostern desselben Jahres erklärt, dass die Enzyklika nach dem Sommer 2008 zu erwarten sei. Die dramatische Weltwirtschaftskrise, deren erste Anzeichen bereits im Frühjahr 2008 zu verspüren waren und die dann im Herbst mit voller Wucht die Wirtschaftsstruktur des gesamten Welt betroffen hatte, ließ jedoch eine neue Ausarbeitung des Schreiben angebracht erscheinen, so dass auch in vertiefter Weise auf die dramatischen Konsequenzen dieser Krise eingegangen werden konnte. Kardinal Renato Raffaele Martino, Präsident des zuständigen Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden, sprach im Dezember 2008 die Hoffnung auf eine baldige Veröffentlichung von „Caritas in veritate“ aus.

Die sich zuspitzenden Ereignisse in der Weltwirtschaft ließen eine eingehende, von Experten unterstützte weitere Ausarbeitung angeraten erscheinen, die nun zu ihrem Abschluss gekommen ist. Die Übersetzung der Enzyklika in die verschiedenen Sprachen ist abgeschlossen. Auch eine Version auf Chinesisch ist vorgesehen. So konnte Papst Benedikt XVI. selbst die unmittelbar bevorstehende Veröffentlichung ankündigen.