Bode mahnt bessere Vorbeugung an

Missbrauchsdebatte: Jugendbischof kritisiert leichtfertigen Umgang mit Tätern in der Vergangenheit

Augsburg/Berlin/Hildesheim/Bonn (DT/KNA) Der Osnabrücker katholische Bischof Franz-Josef Bode hat angesichts der Missbrauchsfälle Fehler der katholischen Kirche eingeräumt. Die Kirche sei in der Vergangenheit offenbar zu leichtfertig mit den Tätern umgegangen, sagte Bode, der auch Vorsitzender der Jugendkommission der Deutschen Bischofskonferenz ist, am Mittwoch im Deutschlandfunk. Nun komme es darauf an, durch verbesserte Vorbeugung und Kommunikation künftig Missbrauch zu verhindern. Nach Einschätzung des Bischofs wurden Täter in den siebziger und achtziger Jahren teilweise einfach in andere Bistümer und Gemeinden versetzt oder zu Exerzitien gedrängt. Dabei sei nicht berücksichtigt worden, dass es sich um teilweise lebenslange Prägungen handele. Zurückhaltend äußerte sich der Bischof zur Frage finanzieller Entschädigungen: Die Kirche könne in erster Linie ein Netzwerk von Hilfen anbieten, um die Opfer zu begleiten und die Erlebnisse aufzuarbeiten.

Skeptisch äußerte sich Bode zu Äußerungen von Bischof Walter Mixa. Der Augsburger Bischof hatte am Dienstag erklärt, an den Übergriffen sei die zunehmende Sexualisierung der Öffentlichkeit in den vergangenen Jahren nicht ganz unschuldig. Bode sagte dazu, richtig sei, dass die Gesellschaft in den vergangenen Jahrzehnten viel sexualisierter geworden sei. Allerdings habe auch die Kirche mit ihrer Sexualmoral nicht immer differenziert genug reagiert. Der Bischof wies zugleich jeden Zusammenhang zwischen der Ehelosigkeit der Priester und den Missbrauchsfällen zurück.

Zugleich hatte Mixa davor gewarnt, Kindesmissbrauch zu einem vornehmlich kirchlichen Problem zu machen. In Deutschland habe es seit 1995 insgesamt mehr als 210 000 polizeilich registrierte Fälle gegeben, sagte der Bischof der „Augsburger Allgemeinen“ vom Dienstag. Der Anteil der Vorkommnisse in kirchlichen Einrichtungen liege dabei in einem „verschwindend geringen“ Promille-Bereich. Das solle aber keinen einzigen Fall verharmlosen, unterstrich der Augsburger Bischof, rücke jedoch die Verhältnisse ins rechte Licht.

Die Grünen kritisierten Mixas Äußerungen scharf. Die Thesen des Augsburger Bischofs seien „historisch absurd“, sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der Bundestagsfraktion, Volker Beck, dem Berliner „Tagesspiegel“.

Die Ansprechpartnerin der Jesuiten für Missbrauchsfälle, Ursula Raue, kündigte unterdessen an, an diesem Donnerstag in Berlin einen Zwischenbericht zu den Fällen vorzulegen. Nach Angaben der Rechtsanwältin meldeten sich bislang bei ihr mehr als hundert Opfer aus ganz Deutschland.

Unterdessen hat das Bistum Hildesheim neue Hinweise auf sexuellen Missbrauch durch Geistliche erhalten. Bis auf einen liegen alle neu gemeldeten Fälle 35 bis 50 Jahre zurück, wie die Diözese am Montag in Hildesheim mitteilte.

Die Seelsorger des Dekanates Bad Godesberg erklärten am Mittwoch in einer Stellungnahme: „Besonders bedrückt uns alle, dass auch gegenüber Patres des Aloisiuskollegs in Bad Godesberg Missbrauchsvorwürfe erhoben werden. Wir hoffen, dass sich viele dieser Vorwürfe nicht bewahrheiten werden.“ In der Erklärung verweisen sie auf ein kostenfreies Seelsorgetelefon unter der Nummer 0800/3303050.