Bischöfe rufen zum „Lebensstil Marias“ auf

Graz/St.Pölten (DT/KAP) Weltweit und in Österreich haben Katholiken der letzten Erscheinung von Fatima am 13. Oktober 1917 gedacht. „Danken wir dem Herrn am 100. Jahrestag der Marienerscheinungen in Fatima für die zahllosen Segen, die er uns unter ihrem Schutz gewährt hat“, schrieb Papst Franziskus am Freitag in einer Botschaft auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. Auch in Österreich begingen Bischöfe den Jahrestag mit Fatima-Gottesdiensten. Das Zurückerinnern verpflichte Christen dazu, die Friedensbotschaft von 1917 auch heute zu leben, denn „Fatima ist überall“, sagte der steirische Bischof Wilhelm Krautwaschl am Freitagabend in der Kirche Graz-Mariatrost. Fatima stehe für die Hinkehr zu Gott und damit für einen „Lebensstil, der dem von Maria ähnelt und uns allen nottut“, erklärte Krautwaschl. Die heilige Maria, die sich in allen Stationen ihres Lebens „in Gott verankert“ habe, sei Hilfe und Ansporn dabei, „sich immer mehr in den Glauben zu vertiefen“. Nach ihrem Vorbild sollten Christen auch in der Gegenwart danach streben, sich täglich Gott zuzuwenden, „mit dem Wort Gottes schwanger zu gehen, Jesus also zur Welt zu bringen“, so der Bischof.

Konkret werde dies vor allem im Einsatz für die Schwächsten, wobei niemand ausgenommen werden dürfe: „Weil unser Gott ein lebensfreundlicher Gott ist, sind wir Christen Freunde des Lebens, Freunde des geborenen und des noch nicht geborenen, des entfalteten und des behinderten, des irdischen und des ewigen Lebens“, zitierte Krautwaschl seinen Amtsvorgänger Egon Kapellari. Jeder Mensch – „bekannt oder fremd, kirchlich gebunden oder nicht“ – trage das Antlitz Gottes und besitze Würde.

Heute bedeute ein Leben im Stil Marias auch, gegen Unrecht sowie Geringachtung oder Niedermachen von Menschen „in der virtuellen wie auch realen Welt“ aufzutreten, betonte der Grazer Bischof. Hellhörig sollten Christen dort sein, „wo mit einfachen Worten vermeintlich die Lösung aller Probleme dieser unserer Welt im Kleinen und im Großen versprochen wird“. Anderer Meinung sei mit Achtung und Ehrfurcht zu begegnen, denn „auch Worte unter Christen heute können töten und damit nicht das Leben aufbauen“, mahnte Krautwaschl.

Ein Auftrag für „Freunde des Lebens“ ist es nach den Worten des steirischen Oberhirten auch, den Planeten Erde als „das gemeinsame Haus aller im Sinn des Schöpfers zu bebauen und zu behüten“ und der Welt „jenes Antlitz einzuprägen, das Gott gefällt“. Bischof Krautwaschl wird ab 22. Oktober mit einer Gruppe von mehreren hundert Gläubigen aus der Diözese Graz-Seckau nach Fatima und Santiago de Compostela pilgern.

Über den Wert des Rosenkranzgebetes sprach der St. Pöltner Diözesanbischof Klaus Küng bei der Fatimafeier in Maria Laach. Maria habe in Fatima die Christen zu dem Gebet eingeladen, auf dass sie in der Betrachtung der einzelnen Geheimnisse des Rosenkranzes Jesus suchten, ihm auf diese einfache Art begegneten und bei Gott Ruhe fänden. Der Rosenkranz helfe auch dabei, von Gott verwandelt zu werden: Der regelmäßige Umgang mit ihm führe dazu, „dass wir uns ihm öffnen und ihn annehmen, und das hat Auswirkungen“, so der Bischof.

Eindringlich erinnerte Küng auch an die Friedensbotschaft von Fatima: Mitteleuropa dürfe einen langen Frieden erleben, „doch der Terror steht vor der Tür“. Die Menschen lebten in großem Wohlstand, viele jedoch so, als ob es Gott nicht gäbe. Viele seien dabei unglücklich und „in Gefahr zu scheitern“, beobachtete der St. Pöltner Bischof. In allen Menschen existiere jedoch eine innere Sehnsucht nach Erfüllung und Lebenssinn. Der Glaube sei hier inmitten der Dunkelheit ein Licht, das neu entzündet werden müsse.

Das Wochenende um den 13. Oktober bildete in den österreichischen Diözesen den Schlusspunkt im Fatima-Jubiläumsjahr. Im Wiener Stephansdom fand am Freitagabend eine Lichterprozession und Pontifikalmesse mit Abt Thomas Renner aus Stift Altenburg statt. In St. Pölten endet das Jubiläumsjahr am 12. November um 15 Uhr im Dom, wenn Bischof Klaus Küng die Diözese an die Gottesmutter Maria weihen wird.