„Bildung für alle“

Die Grabesritter fördern die Menschen im Heiligen Land und die Neuorganisation des Lateinischen Patriarchats. Von Till Magnus Steiner

Kinder protestieren in Jerusalem
Lernen, der Schlüssel für die Zukunft: Eine Schülerin demonstriert in Jerusalem für den Erhalt ihrer Schule. Foto: dpa
Kinder protestieren in Jerusalem
Lernen, der Schlüssel für die Zukunft: Eine Schülerin demonstriert in Jerusalem für den Erhalt ihrer Schule. Foto: dpa

Der Großmeister des Ritterordens vom Heiligen Grab, Keith Michael Patrick Kardinal O'Brien, hat kürzlich eindringlich davor gewarnt, „dass sich das Heilige Land in ein Museum verwandelt“, wenn christlichen, jungen Menschen in Israel, Jordanien, Palästina und Zypern keine besseren Bildungschancen ermöglicht werden. Diese Warnung hatte in der Vergangenheit auch schon der deutsche Statthalter Detlef Brümmer geäußert. In seinem Amt wird ihm im Februar Michael Schnieders nachfolgen. Zurückblickend auf seine bisherige Amtszeit seit 2015 erklärte er gegenüber dieser Zeitung, es sei ihm ein Herzensanliegen gewesen, „mitzuhelfen, die 40 Schulen des Lateinischen Patriarchats im Zusammenwirken mit den insgesamt 112 katholischen und vielen anderen christlichen Schulen anderer Konfessionen so zu stärken, dass sie die Jugend der Gegenwart bilden und im Heiligen Land zukunftsfähig machen“.

Insgesamt betreibt der Orden 44 Schulen in Israel, Palästina und Jordanien und finanziert 80 Prozent des Etats des Lateinischen Patriarchats von Jerusalem. Auf den ordenseigenen Schulen werden über 19 000 Schüler unterrichtet. Die Schulen sind konfessions- und religionsübergreifend offen und 57 Prozent der Schüler sind Christen. „Wir wollen Bildung für alle zugänglich machen“, so Kardinal O'Brien über ein grundlegendes Ziel des Ritterordens. Dazu gehöre es auch, die Pfarrer und Bischöfe vor Ort zu unterstützen, „um mit dem Volk eins zu werden, sich mit ihrem Leiden und ihren Bedürfnissen zu identifizieren, ihnen etwas Hoffnung, etwas Freude zu geben … und das sind sehr wichtige Elemente für die Stabilität“, fügte er hinzu.

Die Grundlage hierfür wurde auf der Leitungsversammlung, der sogenannten Consulta gelegt, zu der sich 70 Statthalter, darunter auch 17 Statthalterinnen, aus insgesamt 40 Ländern Mitte November in Rom versammelt hatten. Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen stammten aus den traditionellen Ordens-Regionen Zentral- und Südeuropas, den mitgliederstarken Statthaltereien in Nordamerika und aus den sich entwickelnden neuen Ordensgemeinschaften in Nord-, Ost- und Südosteuropa sowie Australien, Asien, Lateinamerika und Südafrika. „Viele dieser Statthalter und Statthalterinnen haben ihr Amt erst seit der letzten Consulta 2013 übernommen und konnten diese Zusammenkunft daher nutzen, neue Kontakte zu knüpfen und den persönlichen und inhaltlichen Austausch mit der weltweiten Ordensgemeinschaft zu pflegen. Frohe persönliche Geschwisterlichkeit prägte daher diese Tage. Den Geist der Gespräche kennzeichnete dabei vor allem ein gemeinsames Verständnis von der Einheit des weltweiten Ordens in der Vielfältigkeit der regionalen Statthalterei-Kulturen“, schilderte der deutsche Statthalter seine Eindrücke von der Consulta. Ordensintern ging es bei der Zusammenkunft vor allem um einen gemeinsamen internen Gedankenaustausch über die Funktion, die Aufgaben und Befugnisse der Statthalter und Statthalterinnen im Blick auf die kommende neue Satzung.

Ein zweiter grundlegender Themenbereich der Leitungsversammlung war die konkrete Arbeit des Ritterordens im Heiligen Land: „Der apostolische Administrator Erzbischof Pizzaballa OFM wies in einer zusätzlich einberufenen Gesprächsrunde auf den erfreulich großen, aber kaum zu bewältigenden Pilgerstrom der letzten Jahre hin, beschrieb aber auch die kritische politisch-wirtschaftliche Situation in den Ländern der Region. In der Diskussion ging er besonders ein auf die Reformen der letzten Jahre: Er habe administrativ und finanziell manches neu organisiert. Viel bleibe noch zu tun. Vor allem die schweren finanziellen Belastungen des Patriarchats machten ihm große Sorge. Trotz der aus Investitionen stammenden Schuldenlast setzt er – im Vertrauen auf Gottes Beistand – auf eine gute Zukunft“, berichtete Brümmer. Der Ritterorden ist aktiv beteiligt an der Neuorganisation des Lateinischen Patriarchats.

Für den deutschen Statthalter war die Privataudienz in der Sala Clementina des päpstlichen Palastes, zu der Papst Franziskus einlud, ein bewegender Abschluss der Consulta: „In seiner umfassenden Ansprache erinnerte er zum einen daran, dass die Mitgliedschaft im Orden – auch für Geistliche – keine bloße Würde, sondern eine Verpflichtung sei. Darüber hinaus dankte er dem Ritterorden für seine wichtige Arbeit im Heiligen Land, seine caritative Tätigkeit im Geiste der Nächstenliebe – auch im Blick auf Migranten in Israel und Flüchtlinge in Jordanien – und erinnerte an die vorrangige Zielsetzung des Ordens: Jedes Ordensmitglied sei aufgerufen, im Besonderen seine eigenes persönliches religiöse Leben zu vertiefen und weiter zu entwickeln.“ Wörtlich rief Papst Franziskus die über 30 000 Ritter und Damen des Ordens dazu auf, nicht nur ihr Engagement an der Seite des Lateinischen Patriarchats fortzusetzen, sondern auch geistlich dieses auf die Nächstenliebe als Zeugnis für Jesus Christus auszurichten: „Was dann Ihren Auftrag in der Welt angeht, so dürfen Sie nicht vergessen, dass Sie keine philanthropische Hilfsorganisation zur Verbesserung der materiellen und sozialen Lage Ihrer Zielgruppen sind. Sie sind berufen, die im Evangelium grundgelegte Nächstenliebe in den Mittelpunkt zu stellen und sie zum letztendlichen Ziel Ihres Wirkens zu machen, um darin Gottes Güte und Sorge für alle Menschen zu bezeugen.“

Für die Zukunft sieht der deutsche Statthalter auch weiterhin die bleibenden Herausforderungen und Aufgaben im Heiligen Land, sodass „das finanzielle und spirituelle Engagement des Ritterordens gebraucht wird und es weiterhin für die Ziele des Ordens zu arbeiten gilt: Für das Heilige Land sorgen – den Glauben bekennen – Gesellschaft und Kirche dienen“.