Beschwerde eingelegt

Münster weist Bericht über frühere Schwester in Ruanda zurück

Münster (DT/KNA) Die Clemensschwestern in Münster und das Bistum Münster haben beim Deutschen Presserat Beschwerde gegen einen Bericht der Wochenzeitung „Die Zeit“ eingelegt. Der am Donnerstag erschienene Artikel über den Konflikt zwischen dem Orden und der ehemaligen Ordensschwester Paula Kösser, die viele Jahre für den Orden in Ruanda tätig war, weise weder die notwendige journalistische Distanz noch Sorgfaltspflicht auf, erklärte das Bistum am Montag in Münster. Über die Beschwerde seien auch die Autorin Andrea Jeska und „Zeit“-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo informiert worden.

Laut „Zeit“ rettete die inzwischen 79-Jährige rund 100 Waisenkinder, die den Völkermord in Ruanda vor 20 Jahren überlebten. Sie leitete jahrzehntelang ein von ihr gegründetes Gesundheitszentrum in Kaduha. Gegen ihren Willen habe sie aber die Leitung an eine indische Ordensgemeinschaft abgeben sollen. Münsters Bischof Felix Genn habe ihr den Ausschluss aus dem Orden und den Verlust von Pensionsansprüchen angedroht, sollte sie nicht im Gehorsam nach Münster zurückkehren. Vor Ablauf der gesetzten Frist habe sie selber um Entlassung aus dem Orden gebeten und wohne jetzt in Kigali. Dagegen erklärte das Bistum Münster jetzt in seiner Beschwerde: „Die Recherche zu diesem Artikel lässt jede Wahrnehmung einer journalistischen Sorgfaltspflicht vermissen.“ Die Autorin lasse jede journalistische Distanz vermissen und mache sich völlig die Perspektive der damaligen Schwester Milgitha (Paula Kösser) zu eigen. „Eine wahrhaftige Unterrichtung der Öffentlichkeit – oberstes Gebot der Presse – findet nicht statt“, heißt es in dem Schreiben. Offenbar habe das Ergebnis der Recherche schon festgestanden, als sich die Autorin auch an den Orden wandte. Es sei die Frage, warum Jeska nicht beim Gesundheitsministerium in Kigali, bei ehemaligen Mitarbeitern von Schwester Milgitha, der Polizei vor Ort oder den indischen Schwestern nachgefragt habe. Das Ergebnis der mangelhaften Recherche schade dem Bild des Ordens und dem des Bischofs von Münster massiv, kritisieren Bistum und Orden. Zudem verletze die Autorin mit einigen Formulierungen die Würde und das Ansehen der Clemensschwestern.

Wenn die Autorin sogar implizit einen Zusammenhang herstelle zwischen einem möglichen Wissen Kössers über den Völkermord in Ruanda und ihrem Konflikt mit dem Orden, sei das eine Unterstellung „ohne auch nur den Ansatz eines Belegs“, die nicht hinnehmbar sei. Der Orden hatte in einer am Freitag vom Bistum verbreiteten Darstellung die „großen Verdienste“ Kössers gewürdigt und die Entwicklung bedauert. Das ruandische Gesundheitsministerium habe bereits 2009 gefordert, eine Nachfolgerin für Kösser zu finden, da die Arbeit im Zentrum nicht mehr den aktuellen Gesundheitsstandards entsprochen habe. Unter anderem deshalb habe es keine andere Wahl gegeben, als sie im September 2010 mit polizeilichen Mitteln zum Verlassen des Gesundheitszentrums zu bewegen, so der Orden. Genn habe Kösser dann aus dem Orden entlassen. Überdies gebe es den Verdacht, dass sie Spenden unterschlagen habe. Der Orden hat nach eigenen Angaben für die frühere Schwester rund 52 500 Euro entsprechend den gesetzlichen Bestimmungen in die Rentenversicherung nachbezahlt. Dadurch erhalte sie eine Rente, „die nach unserer Einschätzung für das Leben in Ruanda sehr gut ausreichen sollte“.