Benedikt XVI. lobt „vibrierende Demokratie“

Harmonischer Amtsantritt des Botschafters Obamas beim Vatikan

Rom (gho) Beim ersten Empfang des von Präsident Barak Obama nach Rom entsandten Botschafters beim Heiligen Stuhl hat Benedikt XVI. eher die Verantwortung, die Führungsrolle und die traditionellen Werte der Vereinigten Staaten herausgestellt, als das Trennende – vor allem in Fragen des Lebensschutzes – zwischen der Kirche und der derzeitigen Regierung des Landes zu betonen. Am vergangenen Freitag überreichte der gebürtige Kubaner und Theologieprofessor Miguel Humberto Díaz, der die Nachfolge der bisherigen Botschafterin Mary Ann Glendon antritt, in Castel Gandolfo sein Beglaubigungsschreiben – eine Gelegenheit, die der Papst dazu nutzte, die großen Herausforderungen der Weltgemeinschaft in Zeiten der Globalisierung und der internationalen Wirtschaftskrise darzustellen.

Dabei bezeichnete Benedikt XVI. die Heimat des neuen Botschafter als eine „vibrierende Demokratie“, die sich für den Dienst am Gemeinwohl engagiere und „von einer Sicht der Gleichheit und der Gleichberechtigung“ geformt sei, die auf der von Gott geschenkten Würde und der Freiheit jedes Menschen basiere. „Diese in den Gründer-Dokumenten der Nation festgehaltene Vision inspiriert weiterhin das Wachstum der Vereinigten Staaten als eine einheitliche und gleichzeitig pluralistische Gesellschaft, die von den neuen Generationen bereichert wird, einschließlich der vielen Einwanderer, die fortfahren, die amerikanische Gesellschaft zu verbessern und zu verjüngen.“ Viele Völker, so der Papst weiter, würden deshalb bei ihrer Suche nach Demokratie und Entwicklung auf die Erfahrung Amerikas und seinen Gründergeist schauen.

Papst Benedikt hob auch die Verantwortung der Vereinigten Staaten in der Zeit der Globalisierung und des Zusammenwachsens der Welt hervor. Dabei dürfe dieser Prozess nicht auf politische und wirtschaftliche Fragen beschränkt werden, sondern er sollte genutzt werden, um alle mit der Zukunft der Menschheit und der Förderung der Menschenwürde verbundenen Fragestellungen anzugehen. Papst Benedikt nannte den sicheren Zugang zu Wasser und Nahrung, eine gerechte Handels- und Einwanderungspolitik – vor allem, wenn sie die Familien beträfe –, den Schutz des Klimas und der Umwelt sowie die Beseitigung der Bedrohung durch Atomwaffen. In diesem Zusammenhang brachte der Papst seine Zufriedenheit über die jüngste Versammlung des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen zum Ausdruck, die unter dem Vorsitz Präsident Obamas die weltweite nukleare Abrüstung beschlossen habe.

Bei der Diskussion über die ethischen und sozialen Weichenstellungen in den Vereinigten Staaten, so bekräftigte Benedikt XVI., wolle die katholische Kirche des Landes mitwirken. Die Religionen bereicherten die ethische und politische Diskussion, da sie sich der letzten Bestimmung eines jeden Menschen annähmen und dazu berufen seien, eine „prophetische Kraft der Befreiung“ zu sein. Der Papst rief dabei seine Reise in das Heilige Land in Erinnerung, bei der er den Akzent auf das gegenseitige Verständnis und die Zusammenarbeit unter den verschiedenen Religionen im Dienst des Friedens gesetzt habe. Dieses Ziel einer Kooperation als Teil eines umfassenden Dialogs zwischen den Kulturen und Völkern werde auch von der aktuellen amerikanischen Regierung gefördert, lobte der Papst. Erst gegen Ende seiner Ansprache ging Benedikt XVI. auf die größte Belastung zwischen den Bischöfe in den Vereinigten Staaten und der Washington ein: Die Wahrung der Freiheit sei untrennbar mit der Achtung der Wahrheit verbunden, weswegen eine gerechte und weise Politik die Natur des Menschen und seine Würde achten müsse. „Hier denke ich besonders an die Notwendigkeit eines klaren Blicks auf die Themen, die auf der einen Seite den Schutz der Menschenwürde und auf der anderen Seite die Achtung des unveräußerlichen Rechts auf Leben vom Augenblick der Empfängnis an bis zum natürlichen Tod wie auch den Schutz des Rechts der im Gesundheitsbereich tätigen Menschen auf Verweigerung aus Gewissensgründen betreffen, was natürlich für alle Bürger gilt.“ Der Papst erinnerte an Johannes Paul II., der in seiner Enzyklika „Evangelium vitae“ geschrieben hatte, dass keine Gesellschaft auf gesicherten Grundlagen stehe, „die – während sie Werte wie Würde der Person, Gerechtigkeit und Frieden geltend macht – sich von Grund auf widerspricht, wenn sie die verschiedensten Formen von Missachtung und Verletzung des menschlichen Lebens akzeptiert oder duldet, vor allem, wenn es sich um schwaches oder ausgegrenztes Leben handelt“.

Der Papst hat den Katholiken Díaz, der jetzt die Vereinigten Staaten beim Vatikan vertritt, nicht ins Gebet genommen. Anders als ein guter Teil der amerikanischen Bischöfe setzt die vatikanische Diplomatie auf Kooperation und reicht auch der Regierung Obamas die Hand, wie dies bereits beim ersten Besuch des amerikanischen Präsidenten bei Benedikt XVI. im vergangenen Juli zum Ausdruck kam. Damals nahm der Papst Barack Obama das Versprechen ab, dafür einzutreten, dass in den Vereinigten Staaten die Zahl der Abtreibungen sinkt.