„Begrabt die alten Vorurteile!“

Appell des Papstes an Lutheraner und Katholiken – Bedford-Strohm wieder bei Franziskus

Vatikanstadt (DT/KNA) Protestantische und katholische Teilnehmer einer Tagung über Martin Luther sind am Freitag von Papst Franziskus empfangen worden, unter ihnen auch der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm. Franziskus betonte, alle Christen seien aufgerufen, sich „von Vorurteilen gegenüber dem Glauben, den die anderen in unterschiedlicher Akzentuierung und Sprache bekennen, zu befreien“ und vergangene Schuld zu vergeben.

Das Studium der Reformationsgeschichte „frei von Vorurteilen und ideologischen Polemiken“ erlaube den Kirchen, „all das zu erkennen und anzunehmen, was in der Reformation positiv und berechtigt war“, und von Fehlern, Übertreibungen und Versagen Abstand zu nehmen, sagte Franziskus. „Ernsthafte vertiefte Auseinandersetzungen mit der Gestalt Luthers und seiner Kritik an der Kirche und dem Papsttum seiner Zeit tragen gewiss dazu bei, jenes Klima des gegenseitigen Misstrauens und der Rivalität zu überwinden, welches in der Vergangenheit allzu lange die Beziehungen zwischen Katholiken und Protestanten geprägt hat“, so der Papst laut Redemanuskript.

Eine solche gemeinsame Tagung, die vor nicht allzu langer Zeit „völlig undenkbar“ gewesen wäre, sei für ihn Anlass für Dankbarkeit und Erstaunen, sagte Franziskus. In der lutherisch-katholischen Konferenz auf Initiative einer vatikanischen Einrichtung seien „die Früchte des Wirkens des Heiligen Geistes“ mit Händen zu greifen. Als programmatisch verwies der Papst auch auf ein Dokument der lutherisch-katholischen Kommission für die Einheit mit dem Titel „Vom Konflikt zur Gemeinschaft“. Die von Mittwoch bis Freitag tagende Konferenz der päpstlichen Historikerkommission stand unter dem Thema „Luther 500 Jahre danach“.

Auf der Schlussveranstaltung am Nachmittag wollten EKD-Präses Bedford-Strohm und der frühere vatikanische Ökumene-Beauftragte Kardinal Walter Kasper über Perspektiven der Ökumene debattieren. Wie der Landesbischof am Donnerstagabend via Facebook mitteilte, ist auch eine Begegnung mit dem Präfekten der Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, geplant. „Ich bin gespannt auf den ökumenischen Austausch“, schrieb Bedford-Strohm auf seiner Facebook-Seite. Bereits Anfang Februar war Bedford-Strohm gemeinsam mit Kardinal Reinhard Marx, dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, von Franziskus aus Anlass des Reformationsgedenkens zu einer Audienz im Vatikan empfangen worden