„Aus christlicher Verantwortung“

Österreichs Bischöfe unterstützen die Bürgerinitiative „One of us“. Von Stephan Baier

Wien/Mariazell (DT) Die Europäische Bürgerinitiative „One of us“, die den Schutz des menschlichen Embryos im Recht der Europäischen Union durchsetzen möchte, erhielt in der Vorwoche die Unterstützung der Österreichischen Bischofskonferenz. Nach Angaben der Veranstalter wurden EU-weit bisher bereits mehr als 602 000 Unterschriften gesammelt; notwendig ist eine Million. In Österreich hatten die Behörden nach Informationen dieser Zeitung zunächst bürokratische Hürden aufgebaut und zu enge Fristen gesetzt. Mittlerweile wurde die Eintragungsfrist aber bis 1. November ausgeweitet.

Österreichs Bischöfe zeigten sich bei ihrer Sommervollversammlung im steirischen Wallfahrtsort Mariazell in der Vorwoche erfreut darüber, dass viele Pfarreien und katholische Organisationen diese Bürgerinitiative unterstützen. Wörtlich heißt es in einer Presseerklärung der Bischofskonferenz:„Das Anliegen der Bürgerinitiative entspricht der bisherigen politischen Position Österreichs, wonach keine EU-Mittel für die Vernichtung von Embryonen verwendet werden sollen. Diese innerhalb der EU bislang nicht mehrheitsfähige österreichische Position erfährt durch ,One of us‘ neuen Rückenwind.“ Dies sei „ein starkes Zeichen politischen Engagements aus christlicher Verantwortung“. Der menschliche Embryo sei „kein Rohstoff für wirtschaftliche und andere Interessen“.

Zum Weltjugendtag in Rio Ende Juli werden nach Angaben der Bischofskonferenz rund 550 Jugendliche aus Österreich reisen, die vom Wiener Kardinal Christoph Schönborn und vom Grazer Weihbischof Franz Lackner begleitet werden. Parallel zum Weltjugendtag soll es unter dem Motto „Rio in Österreich“ Veranstaltungen in Wien, Linz und Kärnten geben. Kardinal Schönborn zeigte sich gegenüber Journalisten in Wien erfreut, dass der Weltjugendtag von den Protesten in Brasilien ausgenommen ist. „Er kostet ja auch weit weniger als die Fußball-Weltmeisterschaft“, so der Kardinal.

Als Erzbischof von Wien hat Kardinal Schönborn am Freitag auf Journalistenfragen hin klargestellt, dass bei der Neuordnung der Pfarreien im Laufe der kommenden zehn Jahre jede Pfarrei „immer einen Pfarrer – einen Priester – als Leiter haben“ wird, denn das entspreche dem „katholischen Grundverständnis“. Der Leitungsstil müsse aber ein kooperativer sein und Männer wie Frauen, Ehrenamtliche wie Hauptamtliche einschließen. Das Bilden größerer Einheiten werde zugleich mit einer größeren Differenzierung einhergehen. Von „Großpfarreien“ wollte Kardinal Schönborn trotzdem nicht sprechen. Im weltweiten Vergleich wie auch im Vergleich zu manchen Wiener Pfarreien vor einem Jahrhundert seien die neuen Pfarreien keine großen Seelsorgeeinheiten. Schönborn räumte ein, dass bei der Umsetzung der Reform „in manchen Bereichen Geschwindigkeit herausgenommen“ wurde.