Aufruf zum Frieden

Patriarch Sako: „Fasten von Ninive“ im Zeichen einer Rückkehr zum friedlichen Zusammenleben

Rom/Bagdad (DT/KAP) Anlässlich des bevorstehenden „Fastens von Ninive“ hat der chaldäisch-katholische Patriarch Mar Louis Raphael I. Sako die Gemeinden eingeladen, dieses Fasten und Beten im Zeichen der Rückkehr zur Einheit und zum friedlichen Zusammenleben im Irak und im ganzen Nahen Osten zu begehen. Die chaldäischen Katholiken halten – ebenso wie die Gläubigen der Apostolischen Kirche des Ostens – bereits drei Wochen vor Beginn der eigentlichen Fastenzeit das sogenannte „Bautha d'Ninwaye“ (Fasten von Ninive): An drei Terminen enthalten sie sich von Mitternacht bis zum Mittag des kommenden Tages von jeder festen und flüssigen Nahrung, sogar von Wasser.

Das „Fasten von Ninive“ geht auf den Propheten Jona zurück, der laut Altem Testament die glanzvolle Hauptstadt des Assyrischen Reiches und ihre Einwohner aufforderte, Buße zu tun, um die Stadt vor dem drohenden Unheil zu retten. In seiner Verlautbarung erinnerte der chaldäische Patriarch daran, dass der Irak sich heute mit einem „tödlichen Konflikt“ konfrontiert sehe, der durch religiösen Fanatismus geschürt wird, weshalb alle aufgerufen seien, das Beten und Fasten der Umkehr zur Gewaltlosigkeit zu widmen.

Shlemon Warduni, einer der Weihbischöfe des in Bagdad residierenden chaldäischen Patriarchen, hat das jüngste Attentat der IS-Terroristen auf ein Einkaufszentrum im Stadtteil Al-Jadida, das 18 Tote forderte, scharf verurteilt. Wörtlich sagte Warduni im Gespräch mit der katholischen Nachrichtenagentur „AsiaNews“: „Das sind Gewalttaten gegen Gott und den Menschen, die durch nichts gerechtfertigt werden können. Es sind sadistische Aktionen, wenn ein Einkaufszentrum angegriffen wird, in dem sich Frauen, Kinder, junge Leute aufhalten.“ Trotz aller guten Absichten gelinge es der irakischen Regierung nicht, die Sicherheit zu garantieren. Es werde viel geredet, aber wenig gehandelt, die Anschläge, die Entführungen, die Gewalttaten seien wieder im Zunehmen.

Der Westen müsse endlich aufwachen und handeln, „nicht um Krieg zu führen, sondern um einen wahrhaften Frieden herbeizuführen“, sagte der Weihbischof und fügte hinzu: „Sie sollen keine Waffen verkaufen, sondern sich gemeinsam mit uns für den Wiederaufbau engagieren.“ Schon vor zwei Jahren habe er gesagt, dass die Terroristen und Jihadisten an die Tore Europas klopfen werden, wenn nicht entschlossen gehandelt werde, erinnerte Warduni.

Für den chaldäischen Bischof gibt es in den Untaten der IS-Terroristen keine Verbindung zu Religion. Es handle sich um schreckliche Verbrechen, die „Tränen und Trauer“ auslösten. Um der Gewaltspirale entgegenzutreten, fördere die chaldäische Kirche Taten der Nächstenliebe zu Gunsten der Bevölkerung, „ohne zwischen Christen und Muslimen zu unterscheiden“.

Warduni berichtete, er sei gerade erst mit Freiwilligen der Caritas in einem Flüchtlingslager in der Nähe der Hauptstadt gewesen, in dem 1 600 Familien aus Ramadi Zuflucht gefunden haben. Sie seien wegen der schweren Kämpfe zwischen der Armee und den IS-Terroristen geflüchtet. Die meisten Flüchtlinge seien Muslime. Die Caritas habe Essen, Hygieneartikel und Hilfen aller Art verteilt. Die Menschen seien tief bewegt gewesen und hätten gesagt, „so wie die Christen sollten alle handeln“.