Aufräumen vor dem Papstbesuch

In Madrid gehen Sicherheitskräfte gegen Protestcamps von Jugendlichen vor. Von Manuel Meyer

Madrid (DT/KNA) In zwei Wochen wird in Madrid Papst Benedikt XVI. zum Weltjugendtag erwartet. Doch derzeit sieht noch nichts nach friedlichem Singen und Beten aus. In der spanischen Hauptstadt liefern sich protestierende Jugendliche Auseinandersetzungen mit Sicherheitskräften. In der Nacht zum Donnerstag versuchten mehrere hundert Demonstranten der Initiative „Echte Demokratie Jetzt!“ teilweise gewaltsam den zentralen Platz Puerta del Sol zurückzuerobern. Die Polizei riegelte daraufhin alle Zugänge zur Puerta del Sol hermetisch ab.

Erst am Dienstag war der Platz von den Beamten geräumt worden. Seit Mitte Mai protestiert die Jugendbewegung im Herzen Madrids gegen die Sparpolitik der Regierung, die hohe Arbeitslosigkeit und das Fehlen beruflicher Perspektiven in Spanien.

Dass die Behörden jetzt so energisch gegen die improvisierten Camps vorgehen, sehen die Teilnehmer durch den Papstbesuch veranlasst. Das Kirchenoberhaupt ist die Hauptfigur bei dem Treffen junger Katholiken, das vom 16. bis 21. August in Madrid stattfindet. Bis zu 1, 5 Millionen Gäste aus der ganzen Welt werden dazu erwartet. „Man sieht uns als Störfaktor an, der dem Ansehen Spaniens schaden könnte, wenn weltweit Millionen von Zuschauern an ihren Fernsehern den Papstbesuch sehen werden“, sagt eine Sprecherin der Protestbewegung.

Tatsächlich würde das krisengeschüttelte Land international keinen guten Eindruck hinterlassen, wenn der Weltjugendtag und der Papst durch Proteste gestört würden. Madrid bewirbt sich als Austragungsort der Olympischen Spiele 2020. Das Mammuttreffen der Jugendlichen wäre eine gute Referenz für das Organisationsvermögen und die Gastlichkeit Spaniens. Der Regierung von Ministerpräsident Jose Luis Rodriguez Zapatero geht es bei der Räumung des Camps deshalb auch darum, die Kontrolle zurückzugewinnen. Eine Massenveranstaltung von der Dimension eines Weltjugendtags erfordert aufwendige Sicherheitsmaßnahmen.

Gut 10 000 Polizisten sollen während der Veranstaltung für Ruhe und Ordnung sorgen. Die Lager der Demonstranten auf der Puerta del Sol befinden sich jedoch nur wenige hundert Meter vom Rathausplatz entfernt, auf dem Papst Benedikt XVI. während einer Kreuzwegmeditation zu den Pilgern sprechen will. Das Risiko von Störungen wollte die Regierung offenbar nicht eingehen. Auch die Einzelhändler an der Puerta del Sol haben mit Blick auf den Weltjugendtag Interesse daran, dass die Protestcamps verschwinden. Der Platz mit der angrenzenden Fußgängerzone ist nicht nur ein touristischer Mittelpunkt Madrids, sondern zugleich das größte Einkaufsviertel der Drei-Millionen-Metropole. Hunderttausende Weltjugendtags-Flaneure sind eine willkommene Kundschaft. Dieses Geschäft wollen sich die Firmen nicht entgehen lassen. Bereits im Juni habe man Einnahmeverluste von 30 Millionen Euro hinnehmen müssen, weil wegen der Belagerung durch die unzufriedenen Jugendlichen die Touristen ferngeblieben seien, sagte der Vorsitzende der Geschäftsvereinigung Apreca, Ignacio Lario. „Der Weltjugendtag ist genauso bedeutend wie die Austragung Olympischer Spiele. Wir können unsere Plätze in einem solch wichtigen Moment nicht dreckig und von Protestcamps besetzt haben“, sagte Lario einem Radiosender. „Welchen Eindruck würden wir damit beim Rest der Welt machen?“