Auf dem Weg nach Emmaus

Das Opus Dei baut ein Pilgerzentrum nahe Jerusalem – Zu Besuch auf der derzeit größten katholischen Baustelle des Heiligen Landes. Von Oliver Maksan

Monsignore Joaquin Paniello Regionalvikar, des Opus Dei im Heiligen Land, mit Fundraiser Antonio Jose Quintana auf der Baustelle in Abu Gosch, wo das neue Pastoralzentrum des Opus Dei gebaut wird. Foto: Maksan
Monsignore Joaquin Paniello Regionalvikar, des Opus Dei im Heiligen Land, mit Fundraiser Antonio Jose Quintana auf der B... Foto: Maksan

Abu Gosch (DT) „Obwohl der heilige Josemaria Escriva selbst nie im Heiligen Land war, wird jetzt sein Traum Wirklichkeit“, sagt Joaquin Paniello. Der spanische Monsignore ist Regionalvikar des Opus Dei für das Heilige Land. Mit einem Schutzhelm auf dem Kopf führt er durch die staubige Baustelle, die auf abschüssigem Gelände am Rande des Ortes Abu Gosch bei Jerusalem liegt. Viel Wald umgibt das Areal. Bei gutem Wetter sieht man bis zum Mittelmeer. Schon jetzt wird an den fertiggestellten Fundamenten und dem Erdgeschoss deutlich, dass es sich um ein Großprojekt handelt. „Unser Gründer wollte ein Zentrum im Heiligen Land, das Pilger beherbergen könnte und als Ort für Konferenzen und geistliche Einkehr dienen würde. Diese Idee gab sein Nachfolger Alvaro del Portillo weiter. Nach ihm ist das Projekt auch benannt.“ „Saxum“, Fels, nannte der Gründer des Opus Dei seinen engsten Mitarbeiter und brachte so seine Wertschätzung für dessen Treue und Verlässlichkeit zum Ausdruck. Aber erst der Nachfolger des kürzlich seliggesprochenen del Portillos als Prälat des Werkes, Bischof Javier Echevarria, verwirklichte die Idee schließlich. „Unmittelbar nach dem Tod des seligen Don Alvaro 1994 haben wir begonnen, das Saxum-Projekt ernsthaft zu realisieren.“

„Ein bei Arabern

wie Juden

gleichermaßen beliebtes Ausflugsziel“

Eine Menge Vorarbeit war nötig, ehe mit dem Bau begonnen werden konnte, erklärt Paniello. „Bevor wir uns für dieses Grundstück entschieden haben, haben wir hundert andere mögliche Terrains besucht. Aber irgendwie hat es nie gepasst. Oft waren die Besitzverhältnisse nicht klar oder die Eigentümer wollten, wie in Israel üblich, nur langfristig verpachten nicht aber verkaufen.“ Hinzu kamen religiöse Barrieren. „Es ist für Christen im Heiligen Land nicht leicht, Land zu erwerben. Die Religionsgemeinschaften verkaufen in der Regel nur untereinander.“ 2007 dann konnte mit einer Ordensgemeinschaft ein Kaufvertrag für das Grundstück in Abu Gosch abgeschlossen werden. Der arabische Ort – ein wegen seiner ausgezeichneten Restaurants bei Arabern wie Juden gleichermaßen beliebtes Ausflugsziel – liegt etwa fünfzehn Kilometer von Jerusalem entfernt. Die Autobahn nach Tel Aviv führt mehrspurig daran vorbei. Allerdings war das Areal nicht als Baugebiet ausgeschrieben. Langwierige bürokratische Prozesse waren nötig, ehe schließlich grünes Licht für den Baubeginn gegeben werden konnte. „Wir haben die israelischen Behörden als kooperativ empfunden. Vorbehalte, weil es sich um ein christliches Projekt handelt, haben wir keine erlebt. Man hat aber verlangt, dass der Bau keine weithin sichtbaren christlichen Symbole wie Kreuz oder Glockenturm haben sollte.“

Wenn das Pilgerzentrum im Mai 2016 den Betrieb aufnimmt, soll es 50 Einzelzimmer haben. Kapellen, Gemeinschaftsräume und ein Garten sollen mehreren Gruppen gleichzeitig dienen können. Seit vergangenem Jahr arbeiten ein Architekt und ein Baubüro aus Israel an der Verwirklichung des Traums des heiligen Josemaria. Monsignore Paniello gefällt das. „Die meisten der Arbeiter hier sind muslimische Palästinenser aus dem Westjordanland, die mit Juden ein Haus für Christen fertigstellen. Das Haus führt die Menschen schon jetzt zusammen.“

Und so soll es bleiben. Ein angegliedertes Ausbildungszentrum für Gastronomie und Hauswirtschaft will jungen Mädchen aus dem Heiligen Land künftig eine profunde Ausbildung ermöglichen. „Wir richten uns damit an arabische, aber auch an jüdische Mädchen. Das Haus soll ein Ort der Begegnung in diesem so zerstrittenen Land sein“, hofft Monsignore Paniello. Menschen zusammenführen will auch das Multimedia-Zentrum, wo moderne Technik christlichen Pilgern, aber auch interessierten Juden und Muslimen die biblische Geschichte nahebringen soll. „Unsere Idee ist, dass Besucher etwa die Mittagspause bei uns verbringen, in der Cafeteria eine kleine Stärkung einnehmen und das Multimedia-Zentrum besuchen. Es soll ihnen die Bibel und ihre Umwelt lebendig machen.“ Enge Kontakte gibt es deshalb zum israelischen Tourismusministerium. „Sie sind dort ganz begeistert von unserer Idee, den Emmausweg wenigstens zwischen Abu Gosch und Emmaus auszuweisen und unterstützen uns dabei. Außerdem finden sie die Idee gut, dass wir israelische Fremdenführer im Verständnis der christlichen Stätten des Heiligen Landes ausbilden wollen. Daran mangelt es bislang.“

Finanziert wird das Projekt durch Spenden. Trägerin des Baus ist die „Saxum Foundation“, eine in Rom ansässige Stiftung, die dem Opus Dei eng verbunden, mit der Personalprälatur aber nicht identisch ist. Der Spanier Antonio Quintana ist ihr Generalsekretär.

„In siebzig Ländern

werben

wir“

Unermüdlich reist er in Sachen „Saxum“ um die Welt. „In siebzig Ländern werben wir. Wir haben in kurzer Zeit schon dreißig Millionen Dollar an Spenden eingesammelt. Das wird für den Bau reichen. Wir wollen aber nochmal um soviel bitten, um die Stiftung mit einem finanziellen Puffer für schlechte Zeiten auszustatten. Die politische Lage im Heiligen Land kann sich ja jederzeit ändern, wie der Gaza-Krieg im Sommer gezeigt hat. Dann kommen keine Pilger und große Häuser stehen leer. Um solche Durststrecken zu überwinden, brauchen wir Rücklagen. Aus dem Stiftungsvermögen sollen aber auch Menschen unterstützt werden, die sich eine Reise ins Heilige Land nicht leisten können.“

Im Mittelpunkt der Einrichtung steht die Begegnung mit Christus, erklärt Monsignore Paniello. „Abu Gosch liegt auf dem Weg nach Emmaus Nicopolis, das mit guten Gründen vor allen anderen Kandidaten als historisches Emmaus gelten darf. Wir finden die Idee schön, auch heutigen Pilgern ein Emmauserlebnis zu ermöglichen. Auf halbem Wege zwischen Jerusalem und Emmaus können sie hier Christus begegnen“. Dies soll besonders durch den Empfang der Beichte geschehen. „Unser Haus will den Besuchern den Empfang des Bußsakramentes ermöglichen. Es gibt keinen besseren Ort zur Umkehr als das Heilige Land. Umgekehrt erfährt man mit einem bekehrten Herzen die heiligen Orte besser.“

www.saxum.org