„Auch Kirche kann Heimat bieten“

Bund Vertriebener bedauert Ende der Sonderseelsorge

Fulda (DT/KNA) Mehr als 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs stellt die katholische Deutsche Bischofskonferenz ihre überdiözesane Sonderseelsorge für die Vertriebenen und Aussiedler ein. Diese Ankündigung bedauert nun der Bund der Vertriebenen (BdV). „Auch Kirche kann Heimat bieten und sollte in diesen Bestrebungen nicht nachlassen“, erklärte BdV-Präsident Bernd Fabritius am Freitag in Berlin. Zugleich lobte er die bisherige Arbeit, denn durch sie hätten die katholischen deutschen Vertriebenen und Flüchtlinge nach dem Heimatverlust zumindest ihre religiöse Heimat bewahren können. „Gemeinsam konnten religiöse wie kulturelle Bräuche gesichert, Traumata bewältigt und der Schmerz der Entwurzelung gelindert werden“, so Fabritius.

Die katholischen Bischöfe hatten am Donnerstag in Fulda angekündigt (DT 24. September, Seite 4), das Engagement von katholischen Vertriebenenorganisationen bei der Pflege des geistigen und kulturellen Erbes weiter zu fördern. Bistümer und Gemeinden sollten auch weiterhin Gottesdienste oder Wallfahrten für die Heimatvertriebenen anbieten, unterstrich der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx.

Diesen Einsatz und dass der Erfurter Weihbischof Reinhard Hauke weiterhin Beauftragter der Bischöfe für Vertriebenen- und Aussiedlerseelsorge bleibe, begrüße der BdV-Präsident. „Dennoch wäre gegenüber den Zeitzeugen von Flucht, Vertreibung und Deportation nach dem Zweiten Weltkrieg an ihrem Lebensabend ein deutlicheres Zeichen seelsorgerischer Verbundenheit wünschenswert gewesen“, erklärte Fabritius, der für die CSU im Bundestag sitzt. Der Präsident wies darauf hin, dass es doch besonders die Vertriebenen und ihre Nachfahren seien, die aus eigener Schicksalserfahrung und aus christlicher Nächstenliebe heutigen Opfern von Flucht und Vertreibung mit Empathie begegnen und die nach Deutschland kommenden Flüchtlinge in ihren Integrationsanstrengungen unterstützen könnten.

Auch Marx hatte auf deren Bereitschaft hingewiesen, sich für „das Friedensprojekt Europa“ stark zu machen. Sie könnten aus der Erfahrung der Vertreibung Brücken nach Osteuropa bauen und Begegnung ermöglichen. Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs waren 12 bis 14 Millionen Deutsche aus den früheren Ostgebieten vertrieben worden, darunter rund die Hälfte Katholiken. Mit Unterstützung von Papst Pius XII. baute die Kirche seit 1946 eine Vertriebenenseelsorge in der Bundesrepublik auf. Als Papst Paul VI. 1972 im Zuge der neuen deutschen Ostpolitik die früher deutschen Bistümer im Osten in die polnische Kirche integrierte, ernannten der Vatikan und die Deutsche Bischofskonferenz für die von dort vertriebenen deutschen Katholiken drei Apostolische Visitatoren und zwei Kanonische Visitatoren mit besonderen pastoralen Befugnissen. Sie waren bis 1999 beratende Mitglieder der Bischofskonferenz. Jetzt werden diese Ämter komplett abgeschafft.