Apostel der Seminaristen

Zum Gedenktag des seligen Emanuel Domingo y Sol am 25. Januar. Von Katrin Krips-Schmidt

„Das Priesteramt ist keine Karriere, es ist ein Stand, noch besser: ein Apostolat, es bedeutet, ein anderer Christus auf Erden zu sein.“ Der selige Emanuel Domingo y Sol fasste in wenigen Worten das Charisma des Priesters zusammen, dessen Aufgabe nicht das „Im-Rampenlicht-Stehen“, das „Auf-eigene-Vorteile-bedachte-Tun“, sondern das Wirken für die Kirche Christi als Mittler zwischen Himmel und Erde ist. Seiner eigenen Forderung ist der am 29. März 1987 von Johannes Paul II. Seliggesprochene stets vorbildlich nachgekommen.

Emanuel wurde am 1. April 1836 im katalanischen Tortosa in der Nähe von Barcelona als elftes von zwölf Kindern einer wohlhabenden Familie geboren. Im Juli 1860 wurde er zum Priester geweiht und war zunächst als Pfarrer tätig, bis sein Bischof ihn zum Weiterstudium an die Universität von Valencia schickte, wo er das Lizenziat in Theologie erwarb. Obwohl Don Emanuel 1865 Professor für Theologie wurde, fühlte er sich auch dem Jugendapostolat verpflichtet. Deshalb erteilte er weiterhin Religionsunterricht und setzte sich für gute Jugendliteratur ein.

Der im Volk beliebte Beichtvater war überzeugt, dass der „Schlüssel zum Erfolg“ – wie er es nannte – in der Ausbildung der künftigen Priester lag. Daher erkannte er seine Aufgabe darin, all seine Energie den Priesterberufungen zu widmen. 1873 errichtete er ein „Kolleg der kirchlichen Berufungen“ für mittellose Seminaristen, 1883 kam das „Werk für die Weltpriester des Herzens Jesu“ hinzu, die Kongregation für die Ausbildung von Diözesanseelsorger nach dem Herzen Jesu, das im Zentrum seiner Spiritualität stand: „Unsere Arbeit entspringt dem stillen, vergessenen, verkannten und geschmähten Herzen Jesu im Altarsakrament“, begründete er seinen Einsatz. 1892 schließlich initiierte er in Rom die Gründung des Päpstlichen Spanischen Kollegs Sankt Joseph für spanische Seminaristen und Priester. „Unter allen Werken, die Eifer brauchen“, so sagte Don Emanuel, „gibt es kein derartig großes und vor Gott herrliches Werk, als der Kirche viele und gute Priester zu schenken.“

Der „Apostel der Priesterberufungen” starb am 25. Januar 1909 in Tortosa.