„Anomale Situation“

Kardinal Koch: Ärgernis der Kirchenspaltung nicht kleinreden

Trier (DT/KAP) Die Kirchenspaltung muss nach Einschätzung des Präsidenten des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, Kardinal Kurt Koch, stärker als „Skandal“ und „Ärgernis“ wahrgenommen werden, damit es zu neuen Impulsen in der Ökumene kommt. Er „leide“ am meisten daran, „dass heute so viele Christen an dieser zutiefst anomalen Situation nicht mehr so leiden, wie es sich geziemen würde“, sagte der Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen am Mittwoch in Trier.

Der Kardinal kritisierte eine einseitige Betonung der „positiven Seiten der Kirchenspaltung im 16. Jahrhundert“, auch wenn diese „keineswegs geleugnet“ werden sollten. Er äußerte sich bei einem internationalen ökumenischen Forum im Vorfeld der für dieses Jahrhundert ersten Trierer „Heilig-Rock-Wallfahrt“.

Der Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK/WCC), Olav Fykse Tveit, wandte sich gegen den Eindruck eines ökumenischen Stillstands. Seit der Übernahme seines Amtes habe er bei zahlreichen Besuchen und Gesprächen die ökumenische Bewegung bei der Arbeit erlebt und die hohen Erwartungen an den Weltkirchenrat erfahren. Er hoffe, dass der ÖRK ein wirksames Instrument für die Weggemeinschaft der Kirchen und ihre „Gemeinschaft im Glauben, Leben und Zeugnis“ werden könne.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Präses Nikolaus Schneider, sprach sich für eine „Ökumene der Gaben“ aus. Die verschiedenen konfessionellen Profile dürften nicht als Abgrenzung, sondern sollten als Ergänzung und Bereicherung verstanden werden. In diesem Sinn verstehe er die „Heilig-Rock-Wallfahrt“ als „Geschenk“ der Diözese Trier an die Evangelische Kirche im Rheinland. An den Trierer Bischof Stephan Ackermann gewandt fügte Schneider hinzu, mit einem solchen Geschenk sei ein „Risiko“ verbunden: Er müsse damit rechnen, „dass wir diese Gabe annehmen und weiterentwickeln“.

Die evangelisch-methodistische Bischöfin Rosemarie Wenner zitierte – ebenso wie der griechisch-orthodoxe Metropolit Augoustinos, dessen Statement von Erzpriester Constantin Miron vorgetragen wurde – eine Selbstverpflichtung aus der 2001 von den europäischen Kirchen verabschiedeten „Charta Oecumenica“: „Wir verpflichten uns, auf allen Ebenen des kirchlichen Lebens gemeinsam zu handeln, wo die Voraussetzungen dafür gegeben sind und nicht Gründe des Glaubens oder größere Zweckmäßigkeit dem entgegenstehen." Von einer praktischen Umsetzung seien die Kirchen noch weit entfernt.