Am Amazonas kommt der Priester nur einmal im Jahr

Unterwegs mit Missionaren aus den „Favelas“ von Sao Paulo in die Dörfer am Rio Arari

Brasilia (DT/KAP) Zehn Stunden braucht man mit dem Boot, um von der Stadt Itacoatiara zu den Dörfern am Rio Arari, einem Nebenfluss des Amazonas, zu gelangen. Die Menschen dort hatten sechs Jahre keinen Priester gesehen, bis Pater Pedro Shekelton kam. Eigentlich arbeitet der aus England stammende Priester in den „Favelas“ von Sao Paulo, wo die Jugend keine Hoffnung hat und in einem Sumpf von Kriminalität, Prostitution und Drogensucht versinkt. Diesen Jugendlichen bringt er die Frohe Botschaft, dass auch sie von Gott geliebt werden. Von ihm hören sie zum ersten Mal, dass ihr Leben einen Sinn hat. Im Sommer jedoch macht der junge Priester sich auf nach Amazonien und besucht Dörfer, in denen jahrelang kein Priester war.

Ihn begleiten einige Jugendliche aus Sao Paulo, die sich Jesus Christus zugewandt haben. Fast dreitausend Kilometer legen sie zurück. Am Ufer des Arari-Flusses warten die Gläubigen in mehr als dreißig Dörfern sehnsüchtig auf den Priester und die jugendlichen Missionare. Wenigstens einmal im Jahr einen Priester zu sehen, die heilige Messe mitzufeiern, die Sakramente zu empfangen – für sie war es lange ein Traum. Jetzt kommt der Pater jedes Jahr zu ihnen. Der junge Priester erzählt: „Wenn ich ein Jahr später wieder in die Dörfer komme, erfahre ich, dass manche der Gläubigen, denen ich die Sakramente gespendet hatte, bereits tot sind. Manche sind buchstäblich einen Tag später gestorben. Es scheint, als hätten sie mit dem Sterben gewartet, bis sie die Sakramente empfangen konnten.“

Die jugendlichen Missionare, die den unermüdlichen Pater begleiten, sind ebenfalls sehr aktiv. Sie helfen dem Priester, wo immer es geht: Sie vermitteln mit ihren Katechesen Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen Grundkenntnisse des Glaubens, bereiten die heilige Messe vor und registrieren die Taufen und Trauungen. Außerdem geben sie den Menschen im Dschungel, die nahezu von der Außenwelt abgeschnitten sind, das Gefühl, dass man sie nicht verlassen und vergessen hat. Jugendliche aus der Hölle der „Favelas“ werden so zum Hoffnungszeichen für andere.

Die gute Saat geht auf, allerdings nur langsam

Leider muss Pater Pedro aber auch immer wieder erfahren, dass viele der Kinder, die er ein Jahr zuvor getauft hatte, gestorben sind. Die medizinische Versorgung ist miserabel, die Menschen leben in großem Elend. Ihre Dörfer sind nur per Boot zu erreichen, und niemand hilft ihnen. Fast niemand: Denn mittlerweile machen sich immer mehr Sekten auf den Weg, um die Gläubigen abzuwerben. Für die katholische Kirche gilt hier mehr als anderswo: „Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenige Arbeiter“ (Matthäus 9, 37). Es müsste Hunderte von Priestern wie Pater Pedro geben. Allerdings geht die Saat auf, die er mit seiner Arbeit legt. In den acht Jahren, die er bereits in Brasilien arbeitet, durfte er zwanzig junge Männer begleiten, die heute auf dem Weg sind, selbst Priester zu werden.

Pater Shekelton selbst fand zu seiner Berufung, als er 1991 in London in der Kathedrale von Westminster Pater Werenfried van Straaten, den Gründer von „Kirche in Not“, predigen hörte. Die Kathedrale war überfüllt. Pater Werenfried hielt eine seiner flammenden Predigten, die die Menschen dazu aufriefen, Helden der Nächstenliebe zu werden und über sich selbst hinauszuwachsen.

Natürlich gab es auch an diesem Tag eine Kollekte, aber Pater Werenfried rief aus: „Ich würde die ganze Kollekte hergeben, wenn ein junger Mann unter euch bereit wäre, sein Leben in den Dienst Gottes zu stellen“. Peter Shekelton dachte damals spontan: „Dieser junge Mann bin ich!“. An „Kirche in Not“ schrieb er jetzt: „Damals habe ich mich nicht getraut, Pater Werenfried um die Kollekte zu bitten, aber heute bitte ich euch um ein bisschen Geld aus dieser Kollekte von damals.“ „Kirche in Not“ hat ihm 6 000 Euro versprochen, damit er und die jugendlichen Missionare auch in diesem Jahr wieder die Menschen am Rio Arari in Amazonien besuchen können.