Regensburg

Glaube versus Wissenschaft?

„Big Bang oder Genesis“: Der Auftakt zur Reihe „Kaum zu glauben?“ des Fernsehsenders TVA und des Bistums Regensburg brachte Bedenkenswertes zur Sprache.

Kaum zu glauben?
In der ersten Folge der Sendereihe "Kaum zu glauben?", die der regionale Fernsehsender TVA und das Bistum Regensburg gestartet haben, ging es unter dem Titel "Big Bang oder Genesis" um das Verhältnis von Glauben und Wissenschaft. Foto: bistumregensburg/YouTube

Der Big Bang ist ein Szenario, das wir nicht unter Laborbedingungen reproduzieren können. Der Stand der Wissenschaft ist, dass es sich dabei um einen Indizienbeweis handelt.“ Ferdinand Evers, Professor für Theoretische Physik an der Universität Regensburg, stellt in Frage, dass der „Urknall“ – die Entstehung des Universums, von Materie, Zeit und Raum, als eine „Explosion“ aus dem Nichts – ein wissenschaftlich absolut gesicherter Tatbestand ist, vor allem aber, dass dieses „Szenario“ einen völligen Gegensatz zur Schöpfungsgeschichte, wie sie die Bibel im Buch „Genesis“ schildert, darstellt. Denn „das Leben ist viel größer“ als die Wissenschaft.

„Big Bang oder Genesis. Glaube und Naturwissenschaft – das passt!“, hieß die erste Folge einer neuen Sendereihe, die der regionale Fernsehsender TVA und das Bistum Regensburg am vergangenen Samstagabend starteten. Dabei sprach Ferdinand Evers mit der Psychologiestudentin Marie von Kinsky, die sich als „Anwältin des Publikums“ verstand, und an Evers Fragen zur Vereinbarkeit von Wissenschaft und Glauben stellte.

„Warum soll ich glauben, wenn ich wissen kann?“

Warum Big Bang und Genesis kein Gegensatz sein muss, erklärte der Professor für Theoretische Physik aus seinem Fachgebiet mit Schwerpunkt Theorie der Kondensierten Materie heraus: Eine wissenschaftliche Argumentation im Bereich der Physik oder auch der Mathematik sei nur möglich, „weil wir uns beschränken“ auf eben diese Gebiete. In der Genesis komme vielmehr „eine bestimmte Glaubenserfahrung früherer Generationen“ zum Ausdruck, „die wir nur in dieser Form weitergeben können, weil sich diese Glaubenserfahrung schlecht in mathematischen Formeln ausdrücken lässt“. Die Frage, die Marie von Kinsky stellte: „Warum soll ich glauben, wenn ich wissen kann?“ wird so ad absurdum geführt: Es handelt sich ja um zwei verschiedene Lebensbereiche.

Dies verdeutlichte Ferdinand Evers, Vater von vier Töchtern, mit zwei Beispielen: Zum einen: die Partnersuche, die ja eine entscheidende Lebensfrage sei. Dafür, dass eine bestimmte Frau oder ein bestimmter Mann der oder die Richtige sei, gebe es keine wissenschaftlichen Beweise. Zum zweiten: Beim Kampf gegen COVID-19 habe sich die Regierung zwar von Wissenschaftlern beraten lassen. Aber: Obwohl die richtige Strategie keineswegs wissenschaftlich gesichert sei, habe die Regierung Entscheidungen treffen müssen.

Missverständnisse werden zurechtgerückt

Hier klingt auch etwas an, was den Begriff der „wissenschaftlichen Beweise“ entmythologisiert. In der Physik herrsche Konsens darüber, dass die Newtonschen Gesetze wissenschaftlich fundiert seien. Dennoch: „Wie sicher sind wir uns, dass künftige Generationen das gleich oder ähnlich sehen?“, fragt Evers.

Auf den Einwand Marie von Kinskys, welcher Gott lasse zu, dass er sich nicht wissenschaftlich finde, sagte Evers, vielleicht liege es daran, „dass wir vor lauter Bäumen den Wald nicht sehen“. Denn es sei nicht so schwer, in der Welt Indizien für die Existenz Gottes zu finden.

So gehören für Ferdinand Evers Glaube und Naturwissenschaft eng zusammen. Leicht verständlich rückte die gut 20-minütige Sendung einige Missverständnisse über den angeblichen Gegensatz von Wissenschaft und Glauben zurecht.

Die Sendung „Big Bang oder Genesis“ kann auf www.bistum-regensburg.de abgerufen werden.

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