Mainz

Der Dicke Hund: Totengedenken an Fronleichnam?

Laut einem Beitrag des ZDF gedenken an Fronleichnam viele ihrer Toten. Fehlt dem Sender die theologische Kompetenz oder zeigt sich hier einmal mehr eine tendenziöse Berichterstattung?

ZDF
Endeten Fronleichnamsprozessionen früher auf dem Friedhof? Oder hat das ZDF noch theologisch-geschichtlichen Aufholbedarf bei seiner Berichterstattung über kirchliche Themen? Foto: Fredrik von Erichsen (dpa)

Ein Tweet des ZDF an Fronleichnam begann mit den Worten: „Am Feiertag #Fronleichnam gedenken viele ihrer Toten.“ Es könnte jeder wissen: Fronleichnam leitet sich von „Vron“= Herr und „lichnam“ = lebendiger Leib her. Die Social Media-Redaktion lebt offensichtlich in einem kirchenfremden Paralleluniversum. Anders ist ein Tweet, der Fronleichnam mit Totengedenken in Verbindung bringt, nicht zu erklären. Der Spott ließ nicht lange auf sich warten. Die Redaktion beeilte sich, von einem Fehler bei der Formulierung des Tweets zu sprechen. Der Autor des verlinkten Beitrages, Wulf Schmiese, Leiter der Redaktion „heute-journal“, habe das Fest richtig dargestellt.

Auch das war knapp daneben. Prozessionen endeten schon früher nicht wie von Schmiese behauptet auf Friedhöfen, sondern mit einer Schlussandacht in der Kirche. Ferner gehört der im Beitrag behauptete Besuch nach der Prozession auf dem Friedhof nicht zu den bekannten katholischen Bräuchen. Mit dem Grabstein zu sprechen, wie der Autor behauptet, empfinden auch Katholiken als eher pathologisch. Der Verdacht liegt nahe, dass Schmiese in seinem Beitrag über das Sterben der Friedhöfe saisonal danebenliegt. Der traditionelle Totenmonat ist der November. Die zugehörigen Feiertage heißen Allerheiligen und Allerseelen.

Man kann es, wenn man will

Es ist keinesfalls so, als läge kirchliche und theologische Kompetenz im ZDF gar nicht vor. Ein Beitrag mit dem eher reißerischen Titel „Der Papst, der aus der Kälte kam“ erweist sich als gut, sieht man von einem kleinen Nachtritt am Ende ab. Ein Video für Mobilgeräte im Hochformat zu Christi Himmelfahrt ist sachlich richtig und ansprechend. Die allermeisten Übertragungen von Heiligen Messen sind angemessen und würdig. Man kann es, wenn man will, das zeigen diese und viele andere Beispiele.

„Der Qualität und Glaubwürdigkeit
des Nachrichtenbetriebes gäben Wahrheit und
sachliche Richtigkeit deutlichen Auftrieb“

Aber sobald es nachrichtlich wird, wird man den Eindruck tendenziöser Berichterstattung nicht los. Der einzige Laie, der in einem Bericht über die Neuwahl des DBK-Vorsitzenden die Wahl der Bischöfe kommentiert, ist der Sprecher von „Wir sind Kirche“. Ein Beitrag zum Synodalen Weg lässt nur Frau Wuckelt von der kfd und einen verheirateten Ex-Priester zu Wort kommen. Ein Bericht über das Weiheamt für Frauen bringt nur Stimmen „pro“. Das von Johannes Paul II. zu diesem Thema verfasste Dokument „Ordinatio sacerdotalis“ kommt mit keinem Wort vor. Diese Liste ließe sich fortsetzen. Auch wenn die Nachrichtenredaktionen des ZDF keine Verkündigungsprogramme sind und sein sollen, so gebietet es die Redlichkeit, objektiv zu berichten. Dazu gehört, Konflikte von allen Seiten zu beleuchten. Die vermittelte Einseitigkeit lässt Tendenzberichterstattung vermuten. Dies umso mehr, da ja an anderer Stelle im Hause durchaus Fachwissen vorhanden ist.

Sowohl „heute-journal“ als Social Media- Redaktionen wären gut beraten, künftig diejenigen über kirchliche Themen schreiben zu lassen, die etwas davon verstehen. Der Qualität und Glaubwürdigkeit des Nachrichtenbetriebes gäben Wahrheit und sachliche Richtigkeit deutlichen Auftrieb. Fachliches Wissen zu ignorieren, ist keine gute Idee. Katholiken stellen immer noch einen großen Teil der Kunden des Senders und kirchliche Vertreter sitzen in den Aufsichtsgremien der öffentlich- rechtlichen Sender. Katholische Zuschauer oder Nutzer sozialer Medien durch solche Falschinterpretationen ihrer Feste oder einseitige Berichterstattung zu verprellen, das wirkt wie Ignoranz. Schon allein diese Eindruck zu erwecken, ist ein Dicker Hund.

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