Würzburg

DER DICKE HUND: Die Realität ist ein rotes Tuch für Aktivisten

Wenn Homosexuelle ein Problem mit ihrer sexuellen Präferenz haben und daher eine Gesprächs-Therapie machen wollen, ist das inzwischen verboten. Wollen aber Kinder und Jugendliche Ihre Körper chemisch-hormonell belasten und plastisch-chirurgisch verändert haben, dann soll das gefördert werden? Birgit Kelle spricht offen über diesen Bruch der Logik - und wird prompt von einer „linksintensiven Feministin“ der Volksverhetzung geziehen.

Geschlechtsidentität unsicher
Der Jugendliche ist nicht ausgereift, will aber dennoch „das Geschlecht wechseln“. Die Zahl junger Menschen, die diesen Wunsch äußern, hat zugenommen. Viele sind sich der Folgen nicht bewusst. Wer diese Problematik anspricht, wird angezeigt Foto: Tania Cervian via imago-images

Der Wunsch, die eigene Geschlechtszugehörigkeit zu ändern, hat gerade bei Jugendlichen explosionsartig zugenommen. In der vierteiligen, auf YouTube eingestellten Dokumentation „Dysphoric – Fleeing womanhood like a house of fire“ stellt Regisseurin Vaishnavi Sundar anhand einer Grafik fest: Hätten in den Vereinigten Staaten 2009 weniger als 100 Minderjährige den Wunsch geäußert, das Geschlecht zu wechseln, so seien es 2016 fast 1 000 gewesen, die sich als Transgender identifizieren.

Schwere Identitätsfindung

Mit der Frage beschäftigte sich ebenfalls Birgit Kelle kürzlich in einem Beitrag für die „Neue Zürcher Zeitung“ (28. Januar): „Die Zahl angeblicher Transkinder explodiert weltweit. Auch Kliniken in München oder Hamburg, wo noch vor Jahren ein Dutzend Kinder vorstellig wurden, verzeichnen inzwischen die Verfünffachung der Zahlen.“ Kelle lässt es nicht bei der Feststellung bewenden. Sie legt auch die Kehrseite des im Mai 2020 im Bundestag verabschiedeten „Homoheiler-Verbots“ bloß. Denn nun mache sich nicht ein Arzt strafbar, der „ein Kind in eine frühe Behandlung mit Pubertätsblockern führt und damit massive körperliche Schäden am Kind und auch eine dauerhafte Unfruchtbarkeit riskiert“. Denn Pubertätsblocker „sind keine Heilung, sondern eher eine Körperverletzung, Schäden an Knochenwachstum, Gehirnentwicklung, psychische Störungen und Unfruchtbarkeit inklusive“.

Strafbar mache sich nun der Mediziner, der das Kind davon abzuhalten versuche: „Jeder Arzt, der ,nichtaffirmativ‘ behandelt, der also den Wunsch nach Geschlechterwechsel gerade bei Kindern auf Ernsthaftigkeit hinterfragt, steht jetzt mit einem Bein auf der Anklagebank.“

Auf NZZ-Online erschienen neben einer überwältigenden Mehrheit an zustimmenden Kommentaren auch die eine oder andere Ablehnung, in der Kelle vorgeworfen wurde, „Trans-Kinder und ihre Eltern zu diffamieren“. Dies ist kaum verwunderlich, und bewegt sich im Bereich des Normalen, ja des Erwartbaren.

Nun soll die Meinungsäußerung unterbunden werden

Eine „linksintensive Feminist*In“ kündigte jedoch auf Twitter eine Anzeige an: „Ich habe jetzt Birgit Kelle wegen Volksverhetzung angezeigt und eine Beschwerde beim Presserat gegen NZZ eingereicht wegen Verstöße gegen Pressekodex Ziffer 1: Wahrhaftigkeit und Achtung der Menschenwürde, Ziffer 2: Sorgfalt und Ziffer 12: Diskriminierung.“ Das „Zentralorgan der Homo-Lobby“ „queer.de“ legte noch eine Schippe drauf, nachdem es die Linksaktivistin mit den Worten zitiert: Kelles „Text ist eine Verschwörungserzählung, relativiert jegliche Diskriminierungen, pathologisiert Menschen, fordert ihre Bevormundung und macht Rechtsverletzungen unsichtbar.“ Der „queer.de“-Artikel endet mit einem Selbstzitat: „,Birgit Kelle sagt nicht einfach ihre Meinung, sondern macht aus Homophobie und dem Schüren von Vorurteilen, teilweise von purer Hetze, ein Geschäftsmodell?, schrieb queer.de-Chefredakteur Norbert Blech bereits 2015.“

Dass der Hinweis auf die Kehrseiten einer bedenklichen Entwicklung einige wenige so sehr in Rage versetzt, dass sie sofort mit der „Volksverhetzungs-Keule“ und mit Diffamierungen antworten, ist ein dicker Hund.

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