Stuttgart

DER DICKE HUND: Ausgezeichnete Manipulation

Es gibt eine Redewendung, die besagt, dass es Menschen gibt, die „ein Krokodil füttern, in der Hoffnung, nicht gefressen zu werden.“ Es umschreibt Menschen, die sich gegenüber einer Bedrohungen devot verhalten, weil sie meinen, so könne ein Aggressor vom Angriff abgehalten werden. Hofft die DBK mit einer Preisverleihung zu "besänftigen"?

Katholischer Medienpreis
Veronika Wawatschek ist eine der Preisträgerinnen 2020, die unter anderem auch vom Vorsitzenden der Publizistischen Kommission der DBK und der Jury des Katholischen Medienpreises, Bischof Gebhard Fürst, laudatiert wurde. Wawatschek wurde wegen "handwerklicher Mängel" in einem Be... Foto: screenshot

Das saudische Königshaus hält sich Terroristen vom Leib, indem es sie bezahlt, egal wen sie wo meucheln. Die Deutsche Bischofskonferenz kann das aus begreiflichen Gründen nicht tun. Aber sie kann Preise vergeben an Journalisten. Natürlich tut sie das nicht, um sich auf diese Weise unangenehme Kollegen vom Hals zu halten. Die Auszeichnung des Katholischen Medienpreises vergibt sie auch nicht allein, sondern zusammen mit der Gesellschaft Katholischer Journalisten und dem Katholischen Medienverband. Deshalb darf man sich auch wundern und fragen, warum ausgerechnet die Hörfunkjournalistin Veronika Wawatschek in diesem Jahr den Sonderpreis erhält. Denn die Frage ist: Fühlt sich diese Kollegin tatsächlich der Wahrheit verpflichtet? Oder ist ihr Ziel nicht vielmehr die leichte Skandalisierung, was am einfachsten bei Kirchenthemen geht?

Preiswürdig? Vom Hörfunkrat des BR gerügt!

Der Vorsitzende der Publizistischen Kommission der DBK und der Jury des Katholischen Medienpreises, Bischof Gebhard Fürst, meinte bei der Vergabe, dass er in der gegenwärtigen Krise ein wieder erwachendes Interesse an rationaler, der Wahrheit verpflichteter, authentischer Information spüre. Mit Fake sei dieser Krise nicht beizukommen, sondern mit gründlicher und verantwortungsvoller Recherche mit Blick auf das, was Menschen diene. „Die heute ausgezeichneten Arbeiten leisten genau dies.“ Hat jemand mal die Arbeiten und Arbeitsweise der Preisträgerin hinterfragt? Dass sie vom Hörfunkrat des BR für „handwerkliche Mängel“ gerügt wurde?

Das bezog sich auf eine Sendung mit dem Titel „APO von christlich-rechts? Wie sich unter dem Deckmantel der Kirchen eine wertkonservative und demokratiefeindliche Opposition zusammenfindet – und die Gesellschaft beeinflusst“, in der sie zahlreichen christlichen Medien, Organisationen und Autoren eine Nähe zum Rechtsradikalismus vorwirft, ohne das zu belegen. Auch ihre Recherchemethoden sind manchmal zweifelhaft, um nicht zu sagen verlogen. Man könnte einwenden, sie habe sich später bewährt, eben mit dem jetzt preislich ausgezeichneten Stück „Kirche, was tust Du? 10 Jahre Missbrauchsskandal und kein Ende“, erschienen bei Bayern 2-Radio Revue am 3. Januar 2020. Darin zeichnet sie eine Chronik im Umgang der katholischen Kirche mit dem Missbrauchsskandal von Anfang 2010 bis 2019/2020.

In der Laudatio heißt es: „Mit dem Skandalösen geht die Autorin offen, ehrlich und ungeschminkt um. Falsches Pathos oder gar überbordende Empörung, kombiniert mit Schuldzuweisungen an einzelne Personen meidet sie. Die Fakten, die Schilderungen der Geschädigten sprechen für sich.“ Das ist ja das Problem, dass sie vorwiegend Geschädigte und Kritiker der Kirche zu Wort kommen lässt, Zitate von Freunden der Kirche in einen bestimmten Kontext stellt oder wichtige Daten aus dem Kontext unterschlägt.

So wird manipuliert, Ausgewogenheit sieht jedenfalls anders aus. Man könnte auch sagen, da sei doch eine Redaktion, die journalistisch prüfe. Fehlanzeige, was den öffentlich-rechtlichen Rundfunk angeht. Im Deutschlandfunk etwa, der seit Jahren in Sachen katholische Kirche mehr ätzt als informiert, findet sie zuverlässige Mitstreiter. Da unterlässt sie in einem langen Beitrag zum Missbrauch die wichtige Information, dass es seit 2002 Leitlinien der DBK und Präventionsrichtlinien gibt, dass viele Bischöfe bemüht sind um Aufklärung und dass auch schon viel Geld als Anerkennung für die Opfer geflossen ist. Das wird ignoriert, man könnte auch sagen vertuscht. Dass solche Arbeit noch prämiert wird, ist ein ebenso trauriger wie dicker Hund.

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