Würzburg

Medien: Q wie Qualitätsmedien

Wer eine gute Politik will für eine gute Gesellschaft, braucht eine gute Medienlandschaft – einen Journalismus, der nicht nur Eigenschaften, sondern gute Eigenschaften hat.

Tageszeitungen
Ein Stapel mit verschiedenen Tageszeitungen liegt auf einem Tisch. (zu dpa Umfrage zur Zukunft von Zeitungen: Bevölkerung uneins vom 09.08.2018). Foto: Sven Hoppe (dpa)

Der Qualitätsbegriff ist ambivalent. Er kann einerseits neutral auf die objektive Beschaffenheit hinweisen und dabei die Eigenschaften einer Person oder einer Sache nennen, ohne diese zu werten. Andererseits kann er wertend oder gar urteilend gebraucht werden und damit die gute Beschaffenheit, die besonderen Eigenschaften einer Person oder einer Sache hervorheben.

An der Spitze der Vertrauesnwürdigkeit liegen die Zeitungen

Wird der Begriff der Qualität auf die Medien angewandt, steht die zweite Bedeutung im Vordergrund: Medien, die sich durch einen besonders guten, seriösen, hochwertigen Journalismus verdient gemacht haben.

„regionale und überregionale Tageszeitungen genießen nach wie vor ein hohes Ansehen“

„Qualitätsmedien schaffen Vertrauen.“ Und: „Das Vertrauen in Qualitätsmedien besteht.“ – Das war die Schlussfolgerung einer Umfrage der „Forschungsgruppe Wahlen“ für das ZDF im Sommer 2015, umfangreich thematisiert in eben diesen Qualitätsmedien wie etwa der FAZ. Dort hieß es, die Umfrage zeige, „regionale und überregionale Tageszeitungen genießen nach wie vor ein hohes Ansehen“. Thomas Bellut, Intendant des ZDF, schrieb in einem Gastbeitrag über die Ergebnisse der Umfrage: „An der Spitze liegen die Zeitungen. Ihre allgemeine Vertrauenswürdigkeit wird bei den regionalen mit plus 2,5 und bei den überregionalen Tageszeitungen wie dieser Zeitung mit plus 2,4 besonders hoch bewertet. Dichtauf folgen die wöchentlichen Nachrichtenmagazine (+2,2) sowie die öffentlich-rechtlichen Sender (+2,0). Wenig überraschend das schwache Abschneiden der Boulevardmedien wie ,Bild‘ (-2, 0). Die Führungsposition der Tageszeitungen ist beeindruckend. Sinkende Auflagen haben nichts mit einem Vertrauensverlust zu tun, sondern offenbar mit einem veränderten Nutzungsverhalten.“

Qualität in den Medien ist entscheidend für unsere Demokratie

Dann kamen die Flüchtlinge und immer mehr Menschen fühlten sich von den Qualitätsmedien hintergangen. Das Wort von der „Lügenpresse“ beziehungsweise „Lückenpresse“ machte vermehrt die Runde. Zu einseitig sei die Berichterstattung, lautete die Kritik an den Leitmedien, deren Leitfunktion als Gängelung im Sinne einer ideologischen „Rechtleitung“ betrachtet wurde. Tatsächlich zeichneten sich die Qualitätsmedien nicht immer durch auffällig differenzierte Publizistik aus, wie die Studie „Die Flüchtlingskrise in den Medien“ des Publizistikprofessors Michael Haller (Leipzig) im Auftrag der Otto Brenner Stiftung zeigte. Die Presse habe in dieser Thematik größtenteils die Perspektive der politischen Elite übernommen, ist eines der Ergebnisse der Studie. Wer Skepsis anmeldete, sei der Fremdenfeindlichkeit verdächtigt worden. Durch die Ausgrenzung der Andersdenkenden hätten die Journalisten zur sozialen Polarisierung beigetragen. Das habe sich, so eine aktuelle Studie Michael Hallers, mittlerweile insoweit geändert, als „einige Medienredaktionen die Art der Themenvermittlung verändert haben und vom Kathederjournalismus herabgestiegen sind“.

Die Rückkehr der Qualität in den Medien ist entscheidend für unsere Demokratie. Wer eine gute Politik will für eine gute Gesellschaft, braucht eine gute Medienlandschaft – einen Journalismus, der nicht nur Eigenschaften, sondern gute Eigenschaften hat. Hier sollte man fair sein und bei aller Medienkritik eines nicht übersehen: Die meisten Journalisten in den Qualitätsmedien recherchieren intensiv und verfassen informative und hintergründige Berichte, die ausgewogen in der Darstellung sind und in denen insbesondere auch Andersdenkende zu Wort kommen. Davon sollten sich nicht nur die Medien leiten lassen, sondern die Gesellschaft insgesamt: mehr Qualität.

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