Würzburg

Der Dicke Hund: Vergewaltigte Weihnachtsbotschaft

Ägyptische Mythologie, Feminismus und ein uneheliches Kind: was eine Sendereihe des Bayerischen Rundfunks aus der Geburt Jesu Christi gemacht hat.

Weihnachtskrippe
Woher kommt das Kind in der Krippe? In der Sendung „Himmlische Geburten. Die vorchristlichen Wurzeln der Weihnachtsgeschichte” wurde die angeblich wahre Geschichte des Weihnachtsfestes erzählt. Foto: Adobe Stock

Am Morgen des Festes der Heiligen Familie hat die von der lutherischen Landeskirche verantwortete Sendereihe des Bayerischen Rundfunks „Evangelische Perspektiven“ die vollständige Zersetzung des Menschwerdungsglaubens ausgestrahlt: „Himmlische Geburten. Die vorchristlichen Wurzeln der Weihnachtsgeschichte” (29. Dezember, BR 2). Mittels religionsgeschichtlicher Vergleiche wurde die Einmaligkeit Jesu aufgelöst, aus der sozialgeschichtlichen Forschung die „wahren” Ereignisse hinter dem Evangelium erhoben, und es wurde darüber „aufgeklärt“, „was Menschen im Lauf der Geschichte aus Weihnachten und der Heiligen Familie gemacht haben“. Letzteres ist schnell zusammengefasst: Die gesamte Tradition ist eine Verfallsgeschichte. Die Heilige Familie „diente Männern zur Unterdrückung weiblicher Spiritualität und Sexualität: Sie diente dem Papst zur Verteidigung klerikaler Machtansprüche gegenüber dem Kirchenvolk“, aber auch – und jetzt geht es gegen Luther – zur „Sakralisierung eines patriarchalischen Familiengefüges“.

Maria als Muttergöttin und herrenlose Frau

Die Weihnachtsgeschichte habe ihr Vorbild in der ägyptischen Mythologie, behauptete sodann eine Ägyptologin: „Der Göttervater beschließt, den nächsten König zu zeugen und er schickt seinen Götterboten, damit er die große königliche Gemahlin über diesen Plan in Kenntnis setzt.“ Weiterhin wurde ein Literaturwissenschaftler aufgeboten: „Maria ist religionsgeschichtlich eine Muttergöttin”, sie ist die kirchlich abgeschwächte und verharmloste Vertreterin „ihrer älteren, starken, sexuell selbstbestimmten und teils promiskuitiven Schwestern“, die alle demselben „Archetyp der ,herrenlosen Frau‘“ angehören. Allerdings kennt die ägyptische Geburtslegende des Pharao keine Jungfrauengeburt.

Hier kam nun die feministische Exegetin Claudia Janssen ins Spiel: „Die Geschichte von Jesu Geburt im Matthäusevangelium zielte ursprünglich auf etwas Anderes ab, als was die Kirchen später daraus machten. Der Evangelist berichtet lediglich von einer Frau, die ein Kind bekommt, das nicht von ihrem Verlobten ist. Von einer Jungfrauengeburt erzählt Matthäus genaugenommen nichts.“ Einfach ausgeblendet wird dabei die Engelsbotschaft an Josef: „Das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist“ (Mt 1, 20). An die Stelle der jungfräulichen Empfängnis setzt Janssen die angebliche „Wirklichkeit“: Im Zuge des jüdischen Krieges hörte man „Berichte über sehr viele vergewaltigte Frauen und Kinder, deren Vater nicht zuzuordnen ist. Und das muss ein großes Problem der Matthäusgemeinde gewesen sein. … und das erzählt der Text: Frag' nicht, wer der Vater ist, es ist ein Kind Gottes. Nimm diese Frau wieder auf, nehmt das Kind an als Dein eigenes. Das ist auch eine Zumutung an Josef und all die Männer, für die er steht.“ „Offenbart“ werden hier, wie der „Sprecher“ sagt, „ganz und gar unheilige Familienverhältnisse, die Weihnachten und seine Protagonisten allerdings viel menschlicher und glaubhafter und aktueller erscheinen lassen“.

„Ein Kind, hervorgegangen aus einer Vergewaltigung, einem Kriegsverbrechen“

Mit keinem Wort wird diese Hypothese von der Redaktion (Friederike Weede/ Matthias Morgenroth) relativiert, im Gegenteil, sie wird zustimmend zusammengefasst: „Gott kommt zur Welt … in der anstößigsten Form, als Mensch, der nicht sein darf, ein Kind, hervorgegangen aus einer Vergewaltigung, einem Kriegsverbrechen. Und wird doch angenommen von Maria und Josef.“ Ist das die Auslegung der biblischen Weihnachtsbotschaft aus „evangelischer Perspektive“? Diese Hypothese ist keineswegs neu. Bereits Origenes berichtet von Juden, die behaupten, dass die Mutter Jesu von ihrem Verlobten verstoßen worden sie, weil sie von dem römischen Soldaten Panthera schwanger sei. Zuletzt hat sich der Autor Schalom Ben Chorin diese These zu eigen gemacht. Hier taucht nun diese antichristliche Polemik transformiert wieder auf, aber ebenfalls, um den Glauben an die Gottessohnschaft Jesu und seine jungfräuliche Empfängnis zu zerstören. In der Sendung des BR war nichts von ökumenischer Sensibilität gegenüber den Glaubensinhalten der anderen Konfession zu erkennen. Ein dicker Hund.

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