Würzburg

DER DICKE HUND: Moralinsaure Predigt

Wort zum Sonntag: Wie weit ist eigentlich die politische Unkultur in der ARD gefallen?

DER DICKE HUND

Wie weit ist eigentlich die politische Unkultur in der ARD gefallen? Oder genauer: Wie weit muss eine evangelische Pastorin gesunken sein, wenn sie – ausgerechnet im „Wort zum Sonntag“ – jede Moral, jede Logik und jeden Anstand missbrauchend zum Sturm auf Demokratie und Rechtsordnung aufruft? Und was haben extremistische Hassreden und Gewaltaufrufe mit einem Wort zum Sonntag, also zum Tag des Herrn mit seiner Frohbotschaft, zu tun? Ist das nicht ein himmelschreiender Missbrauchsskandal im zwangsfinanzierten Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk?

Aerb der Reihe nach: Die evangelische Pastorin Annette Behnken, die bei der Evangelischen Akademie Loccum verantwortlich ist für „Religiöse Praxis in der Gegenwartskultur“, bot den Zuschauern von der Cathedra der Zum-Sonntag-Predigerin ihre schräge und faktenwidrige emotional überbordende Sicht auf die Situation an der griechisch-türkischen Grenze feil. Ihr blinder Frust gipfelte in den Worten: „Bilder zeigen, wie Grenzschützer Luft aus Flüchtlingsbooten lassen wollen, damit die Fliehenden untergehen. Flüchtende werden mit Gewalt zurückgedrängt.“ Und weiter: „Angesichts dessen sollte sich jedem einzelnen Europäer und jeder Europäerin Tag und Nacht der Magen umdrehen.“ Und dann rief die protestantische Theologin: „Wir müssen auf die Straßen gehen! Everyday for future and humanity. Wir müssen die Parlamente stürmen, in denen Neofaschisten sitzen und uns in Schreckstarre verfallen lassen genauso wie das Corona-Virus.“

Wie bitte? Demokratie ignorieren? Rechtsordnung abschaffen?
Meint die Expertin für Gegenwartskultur etwa,
solche Forderungen seien nicht neofaschistisch?

Jedes „einzelne Kind, jede einzelne Frau, jeder einzelne Mann muss in Sicherheit gebracht werden“. Doch angesichts rechtsstaatlicher Bemühungen Europas, sich gegen die Erpressungen des Türken zur Wehr zu setzen, empfindet die ARD-Predigerin, die sich auch für „personzentrierte Seelsorge“ engagiert, nur Abscheu: „Mit Verlaub, ich könnte kotzen!“ Offenbar hat die „Expertin“ nur die vielen Bilder auf sich wirken lassen, die in manchen ÖR-Medien gesendet wurden und genau diesen Gesinnungshype bewirkt haben könnten.

Viele Bilder, von denen jetzt übrigens herauskam, dass sie keineswegs aktuell sind – aber eben so schön zur Empörungsstrategie passen. Offenbar hat die Theologin auch nicht mitbekommen, dass der türkische Machthaber wohl in Bussen gezielt „seine“ Leute an die Grenze bringen und prügeln lässt, um Europa in die Knie zu zwingen. Offenbar hat diese Belehrerin nicht mitbekommen, dass an der Grenze nur wenige syrische Kriegsflüchtlinge „ankommen“, sondern viele „instrumentalisierte“ Türken. Weiß die Dame nicht, wer wo wie Krieg gegen wen treibt – und sich an Abkommen mit Demokraten nicht hält? Wer missbraucht hier rücksichtslos eigene Leute?

Wes Geistes Kind ist eine solche „Predigerin“?

Wie anders kann man erklären, dass sie diffenzierungs- und faktenfrei frechdreist gebührenfinanziert behaupten darf, Europa verkaufe „an der Grenze zwischen Griechenland und der Türkei unsere grundlegenden Werte – Menschlichkeit und Menschenrechte!“ Wer tritt denn wirklich eiskalt die Menschenrechte? Wer ist hier tatsächlich Kriegstreiber? Wie wäre es, wenn Behnken Erdogan mal ganz mutig eine echte Predigt zum Freitag hielte?! Wes Geistes Kind ist eine solche „Predigerin“? Moralinsauer statt moralkompetent? Dieses „Wort zum Sonntag“ ist mehr als ein Dicker Hund. Es ist ein öffentlich-rechtlicher und ein evangelischer Skandal. Wie hieß es noch gleich vom TV-Predigtstuhl: Mit Verlaub, man könnte kotzen.

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