Würzburg

Internationale Zeitungsschau vom 08. April 2020

Nordkorea und das Virus - Literarische Erfahrung in der Einsamkeit - Coronakrise: Kritik an der WHO - USA und Pandemie - Abtreibung bis zur Geburt.

The Tablet , Ausgabe vom 04.04.2020
In Großbritannien sind in der vergangenen Woche neue Vorschriften zur Regelung von Abtreibungen in Kraft getreten und wurden von Kirchenführern und Lebensrechtsgruppen heftig kritisiert, wie die britische Zeitschrift The Tablet meldet. Foto: The Tablet

Nordkorea und das Virus

Laut Aussage Nordkoreas gibt es in dem ostasiatischen Land keine Infektionen mit dem Coronavirus. Dennoch hat das Regime seine Grenzen geschlossen und ist auf der Suche nach Schutzmasken. Einem Artikel des französischen Magazins L'Express zufolge glauben die Vereinigten Staaten und Südkorea, dass das Virus bereits Hunderte von Menschen infiziert und Dutzenden von ihnen das Leben, insbesondere in der Armee, gekostet habe. Denn alles deute tatsächlich darauf hin, dass das kommunistische Regime versucht, die Epidemie einzudämmen.

Am 23. März habe die Tageszeitung der Partei „Rodong Sinmun“ die „unbedingte und absolute“ Einhaltung einer Quarantäne der Bevölkerung gefordert. Jegliche Missachtung der Ausgangssperre „würde sogar die Existenz des Landes bedrohen“, hieß es. Am Tag zuvor wurde dazu aufgerufen, die Kinder nicht mehr aus dem Haus zu lassen.

Da man sich in Nordkorea der Unzulänglichkeit des Gesundheitssystems bewusst sei, dem es an fast allem fehle (vor allem aufgrund der mit dem nordkoreanischen Atomprogramm verbundenen Sanktionen), sei Pjöngjang seit den ersten in China auftretenden Krankheitsfällen in Alarmbereitschaft versetzt worden. Das Land habe seine Grenzen geschlossen und am 22. Januar chinesischen Touristen die Einreise verboten. Am 18. März habe Kim-Jong-un „mit dem Bau eines neuen Krankenhauses in der Hauptstadt begonnen und dessen Fertigstellung vor dem 10. Oktober angeordnet“. An diesem Tag feiert die Partei ihr 75-jähriges Jubiläum. Außerdem versuche Pjöngjang, sich mit Medizinbedarf auszustatten. Seit Ende Februar hätten nordkoreanische Wirtschaftsunternehmen medizinische Geräte aus China erworben.

Es wurde geschätzt, dass alle zehn Tage „100 000 Atemschutzmasken, 4 500 Schutzanzüge sowie nötige Medikamente nach Nordkorea“ nachts heimlich über die Grenze geschafft würden.

Literarische Erfahrung in der Einsamkeit

Unter den Lektüreempfehlungen, die die katholische Zeitschrift Famille Chrétienne für die Zeit der Ausgangsbeschränkungen gibt, findet sich ein Werk des französischen Schriftstellers Sylvain de Tesson. Er lebte sechs Monate fünf Tagesmärsche vom nächsten Dorf entfernt in einer Hütte in den Weiten Sibiriens am Ufer eines Sees. „In den Wäldern Sibiriens: Tagebuch aus der Einsamkeit“ beschreibt den Verzicht auf ein hektisches Leben in der Zivilisation.

Coronakrise: Kritik an der WHO

Scharfe Kritik übt The American Conservative an dem Verhalten der Weltgesundheitsorganisation. Das amerikanische Magazin wirft der „großzügig aus Steuereinnahmen finanzierten“ Organisation vor, bei ihrer Aufgabe, gegen das tödliche Coronavirus zu kämpfen, kläglich versagt zu haben.

Die WHO scheine eher damit beschäftigt zu sein, „China zu verteidigen“. Die US-amerikanischen Steuerzahler verdienten Besseres, denn sie leisteten jährliche Beiträge zur WHO von rund einer halben Milliarde Dollar: „Sie sollten größere Transparenz und Kontrolle fordern, bevor noch mehr Geld für die Stützung einer gescheiterten Organisation verschwendet wird.“ Vom ersten Tag an, seit „die chinesische Regierung COVID-19 vertuscht und die Verbreitung der Krankheit auf dem ganzen Globus erleichtert hat“, habe die WHO untätig zugesehen. Denn trotz der gegenteiligen Behauptung Pekings trat COVID-19 zuallererst im November 2019 im chinesischen Wuhan auf. Von dort aus breitete es sich unvermindert aus. Der verstorbene chinesische Augenarzt Li Wenliang stellte im darauffolgenden Monat ein verdächtiges Muster von Krankheitsfällen fest. Doch „Präsident Xi Jinpings brutales Regime schleifte den Arzt und seine Kollegen vor die Geheimpolizei und zwang sie, andere Ärzte über die drohende Pandemie nicht mehr zu warnen. Um den New York Times-Mitarbeiter Nicholas D. Kristof zu zitieren: Die chinesische Regierung verspürte die Verpflichtung zum Handeln, und sie handelte entschlossen –, aber nicht gegen das Virus, sondern gegen Whistleblower, die die Aufmerksamkeit auf die Bedrohung des Gesundheitswesens zu ziehen versuchten.“

Als diese Vertuschung von öffentlichem Interesse geworden war, hatte die WHO die Verpflichtung, „China für seine schweren Übeltaten zur Rechenschaft zu ziehen“. Doch stattdessen „bejubelte der Generaldirektor der WHO, Tedros Adhanom Ghebreyesus, Präsident Xi-Jinpings ,politisches Engagement‘ und seine ,politische Leadership‘ bei der Eindämmung des Coronavirus“.

Als Ghebreyesus behauptete, China setze „tatsächlich einen neuen Standard bei den Maßnahmen gegen den Ausbruch“, habe er das ernst gemeint. Obwohl die WHO einen Kotau vor China gemacht habe, „hat sie es doch noch nicht einmal geschafft, von den kommunalen Behörden zuverlässige Informationen über die Verbreitung der Krankheit zu erhalten“, heißt es weiter in dem amerikanischen Magazin. Trotz „widersprüchlicher und unzuverlässiger Daten bleibt die WHO weiterhin entschlossen, der Öffentlichkeit über mobile Apps ,Informationen‘ bereitzustellen“. Es bestehe berechtigter Anlass zur Sorge, dass die sich „auf Xi-Jinping konzentrierende WHO chinesische Infektionszahlen unkritisch verkünden, die von kommunalen Behörden bereitgestellt wurden, die dem in den USA ansässigen chinesischen Blogger und Biochemiker Fang Zhouzi zufolge ,der Wirtschaft zuliebe über die Statistiken lügen‘“.

USA und Pandemie

Der britischen Tageszeitung Daily Mail zufolge strömten vor der Verhängung des US-amerikanischen Einreiseverbots noch 3,4 Millionen Reisende aus späteren Coronavirus-Krisenherden in die Vereinigten Staaten.

Dies zeigten Reisedaten der Monate Dezember, Januar und Februar, die die entscheidenden frühen Monate bei der Verbreitung der Pandemie waren: mehr als 750 000 Menschen kamen aus China, 340 000 Reisende aus Italien und fast 420 000 aus Spanien.

Abtreibung bis zur Geburt

Neue Vorschriften zur Regelung von Abtreibungen sind in der vergangenen Woche in Kraft getreten und wurden von Kirchenführern und Lebensrechtsgruppen heftig kritisiert, wie die britische Zeitschrift The Tablet meldet. Die neue Regelung erlaubt bis zur Geburt „selektive Abtreibungen“ bei möglichen „Behinderungen, einschließlich Down-Syndrom, Lippenspalten und Klumpfuß“. Die katholischen Bischöfe von Nordirland bezeichneten das neue Gesetz als „drakonisch“.

DT/ks

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