Würzburg

Internationale Zeitungsschau vom 04.03.2020

Ein mittelalterliches „Phantasma“ - Spätabtreibungen in Polen - Mysterium und Ministerium der Frau - Internet-Mission an Muslimen.

Internationale Zeitungsschau
Die französischen „Missionaires de la Miséricorde divine“ bieten in der Fastenzeit Videoreihen im Internet an, um Christen stärker mit ihrem Glauben vertraut zu machen, besonders aber, um Muslime zu evangelisieren. In L'Homme Nouveau erzählt der Gründer der Gemeinschaft über die ... Foto: L'Homme Nouveau

Ein mittelalterliches „Phantasma“

Noch vor einigen Jahrzehnten wurde im Pariser Mittelaltermuseum Musée de Cluny etwas ausgestellt, was es niemals wirklich gab: ein Keuschheitsgürtel. Auch im British Museum, im Dogenpalast von Venedig oder auch in Nürnberg zeigte man derartige Exponate. Lange Zeit habe niemand die Existenz dieser „Gürtel“ infrage gestellt, die angeblich dazu dienten, „unsere Vorfahren des schwachen Geschlechts vor Versuchungen des Fleisches zu bewahren“, schreibt Philippe Delorme in Valeurs actuelles. Und er fragt: „Haben sie wirklich existiert?“ Als der heilige Paulus in seinem Brief an die Epheser die Gläubigen aufforderte, die „Waffenrüstung Gottes anzuziehen“ und „die Wahrheit als Gürtel umzulegen“, um den Angriffen des Teufels besser zu widerstehen, handle es sich dabei nur um eine „spirituelle Metapher“. Später haben Prediger wie Alkuin, Gregor der Große oder Bernhard von Clairveaux das Thema noch weiter ausgeschmückt. Der erste Verweis auf ein derartiges Gerät finde sich in einem militärtechnischen Handbuch von 1405, dem lateinischen „Bellifortis“: die Zeichnung einer „Eisenhose für florentinische Frauen“. Doch der Autor, Konrad Kyeser, sei für sein „humorvolles Fabulieren“ bekannt gewesen: „In Wirklichkeit besitzt man keinen einzigen Text und auch kein glaubwürdiges Zeugnis, die den Gebrauch von Keuschheitsgürteln im Mittelalter oder in der Renaissance bestätigten. Die einzigen Andeutungen, über die man verfügt, sind entweder allegorisch oder satirisch.“ Erst Ende des 19. Jahrhunderts, in einer Zeit, in der man ein „schimärisches Mittelalter“ erfindet, „tauchten diese berühmten Gürtel auf, die wie echte Geräte präsentiert wurden“.

Spätabtreibungen in Polen

Olivier Bault widmet in der französischen Tageszeitung Présent der amerikanischen Lebensrechtlerin Abby Johnson einen Beitrag. Sie ist bekannt für ihr Buch „Unplanned“ und den gleichnamigen Film, der ihre Wandlung von einer Mitarbeiterin von Planned Parenthood zur Lebensschützerin biografisch aufarbeitet. Bewirkt wurde ihr radikales Umschwenken im Jahr 2009, nachdem sie der Abtreibung eines Kindes in der 13. Schwangerschaftswoche beigewohnt hatte, die sie im Ultraschall mitverfolgte. 2012 verließ sie die „gegenüber Abtreibung und LGBT offene“ Episkopalkirche und konvertierte zum katholischen Glauben. Heute ist sie Mutter von acht Kindern und Leiterin einer Organisation, die sich auf die Unterstützung von medizinischem Personal spezialisiert hat, das aus der Abtreibungsindustrie aussteigen will. Kürzlich besuchte sie Polen, wo sie in verschiedenen Kirchen des Landes sprach. Auf Einladung der parlamentarischen Gruppe für das Leben und die Familie nahm sie in Warschau an einer Parlamentstagung teil: Während der Konferenz kritisierte Johnson diejenigen, die bei der Abtreibung den „Kompromiss“ suchen, und rief die Polen auf, „die Politiker zu wählen, die bedingungslos pro Lebensschutz sind“. Insbesondere griff sie „eugenische“ Spätabtreibungen an, die im Allgemeinen während des zweiten Schwangerschaftsdrittels durchgeführt werden. Drei Tage zuvor hatten ihr polnische Hebammen bestätigt, „dass Kinder ohne jegliche Betäubung in einem mit Formalin gefüllten Kübel ertränkt werden, wenn sie das Unglück hatten, nach einer missglückten Abtreibung lebend zur Welt zu kommen“.

Mysterium und Ministerium der Frau

Soeben wurde eine Schrift von Louis Bouyer aus dem Jahr 1976 wieder aufgelegt. Der einst lutherische Pfarrer, der zum katholischen Glauben konvertierte und zu einem der namhaftesten katholischen Theologen des 20. Jahrhunderts wurde, ist der Autor von „Mystere et ministeres de la femme“ (als „Frau und Kirche“ 1977 im Johannes-Verlag erschienen). Annie Laurent rezensiert das Büchlein in der katholischen Monatszeitschrift La Nef und urteilt, dass Bouyers Essay über die Frau die höchste Aufmerksamkeit verdiene, da er eine „heute allzu fehlgeleitete Fragestellung“ beleuchte. Die Gleichheit zwischen den Geschlechtern werde nicht mehr in ihrer wahren Bedeutung verstanden, wie es die feministische Ideologie zeige, die so weit geht, für die Priesterweihe von Frauen zu plädieren: „Egalitarismus, Gleichartigkeit und Austauschbarkeit haben die Gleichheit der Würde ersetzt, die auf der Komplementarität der Berufungen beruht, wie sie vom Schöpfer gewollt wurde.“ Dabei gehe es darum, die gegenseitige Ergänzung von Mann und Frau „so radikal wie möglich auszulöschen“, wie Bouyer betont. Und dies „bis hinein in bestimmte kirchliche Kreise, in denen die geweihte Jungfräulichkeit nicht mehr verstanden wird“, kommentiert Laurent. Doch „die Frau erlangte nicht ihre Würde, indem sie sich maskulinisiert und ihre natürliche und spirituelle Mutterschaft zurückweist“. Diese „Fehlentwicklungen resultieren aus dem Vergessen oder der Unkenntnis biblischer Lehren“.

Internet-Mission an Muslimen

Seit mehreren Jahren bieten die französischen „Missionaires de la Miséricorde divine“ in der Fastenzeit Videoreihen im Internet an. Ihr Ziel ist es, Christen stärker mit ihrem Glauben vertraut zu machen, besonders aber, Muslime zu evangelisieren. Für Homme Nouveau hat der Journalist Odon de Caqueray den Gründer der 2005 gegründeten Gemeinschaft, Abbé Fabrice Loiseau, nach den Motiven für seine Mission in Bezug auf Muslime befragt. Da die drei wichtigsten Geheimnisse des christlichen Glaubens – Dreifaltigkeit, Menschwerdung und Erlösung – von den Muslimen nicht verstanden oder schlecht interpretiert würden, „haben wir die Pflicht “, sagt Abbé Loiseau, „ihnen zu sagen, woran wir glauben“. Die kurzen, aber aussagekräftigen Videos sollen die notwendigen Instrumente bereitstellen, um auf die häufigsten Fragen der Muslime zum Evangelium zu antworten. Denn viele Konversionen fänden heutzutage durch das Internet statt. Ziel sei es nicht, „in den Krieg zu ziehen“, wie Loiseau betont, sondern angesichts der vielen Bekehrungen zum Islam all denjenigen Antworten vorzuschlagen, die derzeit noch unwissend seien, aber es soll auch ein Angebot für Christen sein, wichtige Aspekte des Glaubens zu vertiefen. Konkret sieht das so aus: jeden Tag erscheint auf dem YouTube-Kanal der Missionare ein etwa fünfminütiges Video. Unter der Aufsicht von Abbé Loiseau haben alle Priester, Brüder und Seminaristen zu der Realisierung dieser Videos beigetragen. Hierbei werden ganz unterschiedliche Themen, wie etwa der besondere Wahrheitsgehalt der Bibel, die Wunder des Korans, die Auferstehung Christi oder auch die Vorstellung vom Paradies, behandelt.

DT/ks

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