Würzburg

Internationale Zeitschriftenschau am 19. Dezember 2019

„Diversität“ an der Uni - „Es lebe der Brexit!“ - „Es lebe der Brexit!“ - „Neue Moralordnung“

National Review
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„Diversität“ an der Uni

Andrei Serban hatte eine Anstellung auf Lebenszeit, dennoch verließ er die Columbia University. Er konnte die dort praktizierte politische Korrektheit nicht mehr aushalten, wie der National Review schreibt, „die von oben erlassenen Direktiven“. Diese erinnerten ihn an das Land, in dem er aufgewachsen war – an Rumänien. An der Columbus University war er Leiter eines Einstellungsgremiums für das Theater.

In Bezug auf „Diversität“ wurde starker Druck auf ihn ausgeübt. So wollte er einen studentischen Bewerber, der für die Rolle der Julia in Shakespeares Werk „Romeo und Julia“ vorgesprochen hatte, nicht als Schauspieler zulassen. „Der Bewerber ist Transgender – und Serban wurde wegen ,mangelnder Sensibilität‘ ermahnt. Er ist ein gefeierter Theaterdirektor, der 1943 in Rumänien geboren wurde. 1969 wanderte er in die USA ein und wurde amerikanischer Staatsbürger.

1992 wurde er an der Columbia University zum Professor ernannt. Serban war ein Aushängeschild der Universität, doch nun hat er sich aus dem Staub gemacht.“ Ein weiterer Fall ereignete sich an der University of California. An den meisten ihrer Universitäten wird von jedem Stellenbewerber eine Stellungnahme zu seinem „Beitrag zur Diversität“ gefordert: „eine Beschreibung dessen, was der Bewerber getan hat oder tun kann, um die Interessen seiner Kollegen und anderer in seinem Berufsumfeld zu fördern, die unterrepräsentierten rassischen, ethnischen und Gendergruppen angehören“.

Abigail Thompson, Mathematikprofessorin in Davis, erklärte in einem Fachblatt, das Ziel dieser Forderung nach Diversitätsstatements sei, „gedankliche und politische Konformität zu erzwingen“. Sie verglich das mit dem „Loyalitätseid während der McCarthy-Ära“ und schreibt: „Politik denkt darüber nach, wie die Gesellschaft organisiert werden soll. Klassische Liberale streben danach, jeden Menschen als einzigartiges Individuum zu behandeln und nicht als Repräsentanten seines Geschlechts oder seiner ethnischen Gruppe. Von Bewerbern zu fordern, dass Menschen je nach ihrer Identität anders zu behandeln seien, ist in der Tat eine politische Überprüfung.“

„Es lebe der Brexit!“

„Vive le Brexit!“ titelt Mathieu Bock-Côté im Figaro anlässlich des „Triumphes“ von Boris Johnson bei der Unterhauswahl. Er befasst sich mit den medialen Reaktionen auf den Brexit vor der Wahl: „Seit dem Referendum von 2016 befleißigten sich die Kommentatoren zu wiederholen, dass die Briten getäuscht worden waren. Wenn sie für Leave gestimmt hatten, dann deshalb, weil man sie medial mithilfe von ,Fake News‘ getäuscht hatte.“ Wer sich für den Verbleib in der EU ausgesprochen habe, sei für „fortschrittlicher“ gehalten worden als seine Gegner.

Auf der einen Seite finde man „eine städtische zivilisierte, globalisierte, diversitäre und schöne Jugend, die keine Angst vor dem Fremden hat. Auf der anderen Seite finden sich die Provinzler, die Verwirrten, die Hinterwäldler, die Aussätzigen, die Rückständigen, die übelriechenden Mummelgreise, die hasserfüllten Plebejer, die altmodischen Überreste der Welt von gestern. Wenn das Volk den Vorgaben entsprechend wählt, ist es demokratisch.

Wenn es sich darauf versteift, das Gegenteil zu tun, ist es populistisch.“ Unablässig hätten die Kommentatoren wiederholt: „Grundsätzlich haben die Briten ihr [Brexit-] Votum bereut. Es reichte aus, dass man ihnen erneut die Gelegenheit zur Abstimmung gibt, damit sie Reue zeigen könnten. Ein zweites Referendum würde die Annullierung der Ergebnisse des ersten ermöglichen, ein moralisches Fehlverhalten korrigieren und wieder an die Zukunft anknüpfen.“ Doch offensichtlich seien die Dinge etwas komplizierter, wie Bock-Côté schreibt: „Die Briten – weit davon entfernt, ihr Votum von 2016 zu bedauern –, warfen ihren Eliten vor, alles getan zu haben, die Umsetzung [des Referendums] zu blockieren.“ Die Wahl in der vorigen Woche habe „zugleich als Ausdruck einer Revolte des Volkes sowie als Mahnung zur demokratischen Ordnung fungiert.

Bei der Nichtbeachtung des Volkswillens gibt es Grenzen.“ Doch für die „Weihrauchträger der herrschenden Ideologie, die Globalismus und Multikulturalismus miteinander verknüpfen, ist politische Meinungsverschiedenheit ein moralischer Skandal. Der Wunsch, die nationale Unabhängigkeit wieder herzustellen, habe nicht die geringste Legitimität. Es käme einer ärgerlichen und schändlichen Abschottung gleich. Der britische Souveränismus wäre dann bestenfalls nichts anderes als eine Demonstration der kollektiven Unvernunft, schlimmstenfalls des Hasses.

Die allmähliche Auflösung der Grenzen und der Aufbau einer Weltregierung wären die einzig mögliche Zukunft für die Menschheit.“ Die Unterhauswahl habe zudem die Frage nach der Identität gestellt. Die Briten „stehen dem Problem einer Massenimmigration – insbesondere des radikalen Islam – gegenüber. Boris Johnson hat sich übrigens kritisch und spöttisch gegenüber der islamischen Vollverschleierung gezeigt. Dies hatte tatsächlich nur bei der prüden Linken Anstoß erregt, die den Multikulturalismus zum unüberschreitbaren Horizont unserer Zeit macht.“

Feminismus in Südkorea

Die Japan Times befasst sich mit einem anhaltenden feministischen Trend in Südkorea. Die Bewegung mit dem Namen „4B“ widme sich den „vier Verboten“: „Kein Dating, kein Sex, keine Ehe und keine Kindererziehung“. Die Bewegung soll mindestens 4 000 Anhänger haben. Ein gesonderter feministischer YouTube-Kanal, der Aufrufe zum Boykott von Ehe und Kindern postet, hat mehr als 100 000 Abonnenten. Südkoreas Gesamtfruchtbarkeitsrate sank 2018 auf 0,98 Kinder pro Frau.

„Neue Moralordnung“

Bei einer Rede an der Académie Française über die Tugend geißelte Alain Finkielkraut den „Nihilismus mit menschlichem Antlitz“, der unsere heutige Gesellschaft kennzeichne. Laut Valeurs Actuelles kritisierte der Philosoph bei der Preisverleihung der Académie an bekannte Persönlichkeiten die Maximen der Moderne: „soziale Ausgrenzung zu überwinden, Gastfreundschaft zu zelebrieren, Grenzen zu beseitigen und Festungsmauern niederzureißen“. Er beklagte eine „von der Wachsamkeit und nicht vom Anstand verordnete und von Künstlern und nicht von Philistern propagierte neue Moralordnung“. Ihr Banner sei die Humanität. Ihr Feind „ist die Hierarchie. In der Schule zerstört die neue Moral die Autorität des Lehrers. Um effektiv gegen die etablierte Ordnung zu kämpfen, hebt sie den Unterschied zwischen Kultur und Unkultur auf, indem sie im Vertrauen auf die Soziologen verkündet, dass alles Kultur sei.“ KS

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