Rom

Gute Vorbereitung auf Rom

Alle wichtigen Stätten berücksichtigt: Der Stadtführer ist nicht nur für Archäologen interessant.

Der Rundbau mit der Aufschrift "aeternae memoriae" wurde wohl von Konstantin umgebaut
Der Rundbau mit der Aufschrift „aeternae memoriae“ wurde wohl von Konstantin umgebaut und dem Jupiter Stator geweiht. Foto: WBG Zabern Verlag

Alle Wege führen nach Rom. Wenn man dann erst einmal da ist, hat man die Qual der Wahl: Cafés oder Barockkirchen, Pasta oder Papst, je nach den persönlichen Vorlieben. Für Freunde der antiken Stätten – ganz egal ob Forum Romanum oder Kolosseum, ob Vatikanische Nekropole oder das Grab der Scipionen – empfiehlt sich als Reisebegleiter Filippo Coarellis „archäologischer Führer“, eines der wenigen wissenschaftlichen Bücher, die auch für ein Publikum außerhalb der Zunft genießbar sind.

Klare Gliederung und ausführliche wie präzise Informationen

Der Führer empfiehlt sich durch seine klare Gliederung und die ebenso ausführlichen wie präzisen Informationen, die er enthält. Die detaillierten Beschreibungen der Baudenkmäler sind klar und anschaulich und fügen sich vor dem geistigen Auge des Lesers zu einem Bild zusammen. Dieses Buch ermöglicht es, sich gleichsam in die geistige Struktur eines Bauwerks zu versenken. Baugeschichte, historische Bedeutung bis heute und gegebenenfalls auch die Ausgrabungsgeschichte werden jeweils in ausgewogenem Verhältnis zueinander berücksichtigt. Alle Urteile über umstrittene Fragen sind wohl abgewogen und gut begründet. Dabei findet die Darstellung die rechte Mitte zwischen Weitschweifigkeit und übertriebener Kürze und bringt dem Leser ihren Gegenstand in lebendiger Sprache nahe. Man erfährt, wo die Gladiatoren ausgebildet wurden und wo man im alten Rom die zerbrochenen Amphoren entsorgte. Und man kann die einfachen Lebensverhältnisse im Haus des Kaisers Augustus mit dem extravaganten Luxus im Palast des Kaisers Nero vergleichen. Von der verstaubten Langeweile, die Bücher von Berufsarchäologen oft auszeichnet, ist das Buch des Bandinelli-Schülers Coarelli, der bis zu seiner Emeritierung in Perugia lehrte, weit entfernt.

Schöne Planskizzen sowie gut gewählte Abbildungen tragen zur Veranschaulichung bei und bieten in manchen Fällen einen echten Komfort. So sind etwa alle Einzelreliefs der Trajans-Säule abgebildet; so gut wird man sie vor Ort nicht erkennen können. Im Anhang findet man kompakte Informationen zu den römischen Bautechniken und Baumaterialien. Ein kluges Einleitungskapitel bietet grundsätzliche Orientierung. Die antiken historischen Quellen werden erfreulicherweise großzügig zitiert.

Von der mythischen Frühzeit bis zu den frühchristlichen Bauten werden in diesem Buch alle Epochen abgedeckt. Keine der einschlägigen Stätten innerhalb der aurelianischen Stadtmauern ist vergessen worden, nicht einmal die zahlreichen Aquädukte (Wasserleitungen) oder die Cloaca Maxima. Und mancher Leser wird bei der Durchsicht dieses Buches vielleicht sogar auf eine Stätte stoßen, die er bislang noch nicht kannte.

Definitiv nicht nur für Archäologen geeignet

Aber ganz egal, welche Vorkenntnisse man mitbringt. Wer sich nicht zu den Mainstream-Touristen rechnet, die einfach nur ohne Sinn und Verstand mit ihren Selfie-Sticks über Ruinenfelder trampeln wollen, der wird dieses Buch lieben.

Um es beim Stadtrundgang mit sich zu tragen, ist dieses Buch vielleicht doch etwas zu massiv geraten. Für die häusliche Vorbereitung (gegebenenfalls auch im Hotelzimmer) eines sich auf die antiken Stätten konzentrierenden Romaufenthalts eignet es sich aber hervorragend. Und auch wenn gerade keine Romreise ansteht, kann man mithilfe dieser anschaulichen und lebendigen Darstellung der Ewigen Stadt zumindest geistigerweise einen Besuch abstatten.

Fazit: Ein archäologischer Führer, der definitiv nicht nur für Archäologen geeignet ist. Bravo!

Filippo Coarelli: Rom. Der archäologische Führer. WBG Philipp von Zabern, Darmstadt 2019, 400 Seiten, gebunden, ISBN 978-3-8053-5219-2, EUR 35,–