Würzburg

Orthodox und glücklich

Ankunft in "Konstantinopel": Warum es manche Prominente in die Kirche des Ostens zieht.

Orthodoxie: Warum es manche Prominente in die Kirche des Ostens zieht.
Orthodoxie ist für viele Russen nicht nur eine religiöse, sondern auch eine nationale Angelegenheit. Foto: Ralf Hirschberger (dpa-Zentralbild)

Viele Wege führen bekanntermaßen nach Rom   und dies auch im übertragenen Sinne: Denn alleine im 20. Jahrhundert ließen Sänger und Schauspieler wie Frank Sinatra, Antonio Banderas oder Mickey Rourke, Autoren wie Evelyn Waugh, Graham Greene  oder Ernst Jünger und Denker wie Dietrich von Hildebrandt, Edith Stein oder Marshall McLuhan ihre zum Teil bis ins hohe Alter vorherrschende atheistisch-agnostische Lebensanschauung hinter sich und konvertierten zum katholischen Glauben. Einige von ihnen wie Sinatra wurden in ihren späteren Lebensjahren eifrige Kirchgänger, andere wiederum   wie Edith Stein bekanntermaßen   gar Märtyrer und kanonisierte Heilige. 

Strahlkraft der Mystik und der Liturgie

Doch nicht nur "Rom" avancierte im vergangenen Jahrhundert für viele prominente Künstler und Gelehrte zum bevorzugten christlichen Glaubensort. So manches Mal endete nämlich die geistliche und spirituelle Sinnsuche geographisch etwas weiter östlich: in "Konstantinopel". Denn auch das orthodoxe beziehungsweise östliche Christentum übt eine nicht geringe Faszination gerade auf Menschen aus, die einen geistlich- spirituellen Kontrast zu ihrem oftmals extrovertierten Wirken in der Welt suchen: mit seiner altehrwürdigen Liturgie, der Strahlkraft bedeutender Heiliger und Mystiker wie  Maximus Confessor, Symeon dem Neuen Theologen oder Gregor Palamas sowie überhaupt der Tatsache, wie es der bedeutende orthodoxe Theologe Vladimir Lossky (1903 1958) in seinem Hauptwerk "Die mystische Theologie der morgenländischen Kirche" zutreffend beschreibt, dass die "ostkirchliche Tradition   niemals scharf zwischen Mystik und Theologie, zwischen persönlicher Erfahrung der göttlichen Mysterien und dem von der Kirche verkündeten Dogma" unterschieden habe. Doch bei manchen Prominenten hat auch die Liebe bei ihrem Übertritt zur Ostkirche beziehungsweise ihrem Weg zur Taufe die alles entscheidende Rolle gespielt: Wie beispielsweise bei den gegenwärtig wohl berühmtesten Konvertiten zum orthodoxen Christentum: US-Schauspieler Tom Hanks, Depeche-Mode-Sänger Dave Gahan, The Byrds-Gründungsmitglied Chris Hillman und dem US-Seriendarsteller Jonathan Jackson ("General Hospital", "Nashville"). 

"Das Mysterium ist beinahe, so sehe ich es,
die große, die Menschheit zusammenbringende Sache." 

Hanks, zweifacher Oscarpreisträger dank unvergesslicher Filmrollen in "Philadelphia" und "Forrest Gump" und seit Jahrzehnten einer von Hollywoods maßgeblichen Schauspielstars, konvertierte kurz vor seiner Hochzeit mit Schauspielkollegin Rita Wilson im Jahr 1988 zu deren griechisch-orthodoxen Glauben. Und er tat es scheinbar nicht nur aus Pflichtgefühl seiner Frau gegenüber, die griechische und bulgarische Wurzeln hat. Denn Hanks ist nach einigen Angaben ein aktiver Kirchgänger, trägt am linken Handgelenk immer ein dunkles Stoffband mit einer akzentuierten Marienfigur auf einem silbernen Kreuz und zeigt auf seinem Instagram-Profil auch gerne, wie er mit seiner Familie orthodoxe Weihnachten und Ostern feiert. In einem Interview aus dem Jahr 2009 mit dem Journalisten Terry Mattingly sagte er: "Ich muss sagen, dass wenn ich in die Kirche gehe   und ich gehe in die Kirche   ich über das Mysterium nachdenke. Das Mysterium ist beinahe, so sehe ich es, die große, die Menschheit zusammenbringende Sache." 

Dass Depeche-Mode-Sänger Dave Gahan wohl schon das ein oder andere Dankgebet an seinen "Personal Jesus" (Depeche-Mode-Songtitel) gerichtet hat, ist aufgrund seines Lebenswandels wohl nicht ungewöhnlich. Nachdem er in den 1980ern mit seinen Bandkollegen schnell weltberühmt wurde, rutschte Gahan bereits in den frühen 1990er immer tiefer in den Drogensumpf und wurde heroin- und kokainabhängig. Im Mai 1996 kollabierte Gahan, nachdem er in einem Hotelzimmer einen Speedball, einen Cocktail aus Heroin und Kokain, zu sich nahm. Er war daraufhin für zwei Minuten klinisch tot, jedoch konnte ihn der Rettungsdienst wiederbeleben. Seitdem ist er nach eigener Aussage clean.

Der Weg zur Orthodoxie über die Liebe

Kurze Zeit später erfolgte dann auch die spirituelle Wende: Bei der Heirat seiner dritten Frau Jennifer Sklias im Februar 1999 konvertierte Gahan zu deren griechisch-orthodoxem Glauben und ist seitdem nach eigenen Angaben nicht nur seit über 20 Jahren glücklich verheiratet, sondern auch ein regelmäßiger Empfänger der Sakramente. Dennoch hält er sich, wie er es im Jahr 2008 in einem Interview mit dem Magazin Prefix ausdrückte, für keinen religiösen Überflieger: "Sobald es um Religion geht, wird es oft sehr schwierig und so war es immer schon seit Jahrtausenden und wird es vermutlich auch die nächsten Jahrtausende bleiben. Ich weiß nicht genau, woran ich glaube, aber ich spüre die Existenz einer, wie ich es aus Mangel an besseren Wörtern bezeichnen würde, "höheren Macht". Wenn ich still genug bin, ist die Antwort für mich immer da. Aber es fällt mir immer wieder schwer, zur Ruhe zu kommen, damit ich besser in die Stille hineinhorchen kann."

Auch bei einem anderen Mitglied der Rock n Roll Hall of Fame war es die eigene Ehefrau, die ihn dazu ermunterte, sich dem orthodoxen Glauben anzuschließen: Chris Hillmann von den Byrds. Der Bassist und Gitarrist heiratete 1979 die ebenfalls in der Musikbranche arbeitende Connie Pappas und wurde von ihr mit der griechisch-orthodoxen Kirche vertraut gemacht. Seit seiner Konversion bereichert er sogar den Kirchenchor der eigenen Gemeinde mit seinem durch die Byrds geschulten Harmoniegesang: "Es ist eine komplett andere Musik als die Bluegrass-Musik, mit der ich normalerweise vor Publikum auftrete", sagte Hillman 2003 in einem Interview mit dem britischen Bluegrass & Roots-Magazin Triste. "Ich singe Sonntag für Sonntag diese sehr alten byzantinischen Hymnen, die man ansonsten eher in einem Kloster hören würde. Und ich muss sagen, dass ich wunderbare musikalische Ideen durch dieses Singen völlig anderer Harmonien erhalte." Überhaupt ist Chris Hillman die Liturgie der Ostkirche äußerst wichtig, wie er 2009 in einem Interview mit dem "The Illumined Heart"-Podcast von Ancient Faith Ministries zugab: "Besonders in der Osterliturgie spüre ich den lebendigen Christus. Da fühle ich richtig, wie das Mysterium hinab in unsere Kirche steigt." 

Die Liturgie erschließt die Schönheit des Glaubens

Im Gegensatz zu obengenannten Konvertiten war der US-Schauspieler Jonathan Jackson ("Nashville") sogar schon vor seiner Hinwendung zur Orthodoxie ein gläubiger Christ. Der 38-Jährige wuchs als Sohn von Sieben-Tags-Adventisten auf und hielt sich im Teenageralter, als seine Schauspielkarriere rasant an Fahrt aufnahm, von Alkohol und Drogen fern. Durch seine Rolle als Lucky Spencer in der seit Jahrzehnten beim US-Sender ABC laufenden Daily Soap "General Hospital", für die er insgesamt sechs Emmy Awards gewann, wurde er schnell zu einem Teenager-Idol   aber im Gegensatz zu anderen Jungstars nutzte er in Interviews und bei Preisverleihungen die Gelegenheit, Gott zu danken sowie dafür zu werben, keinen Sex vor der Ehe zu haben. Im Jahr 2002 heiratete er seine Serienkollegin Lisa Vultaggio und genau zehn Jahre später konvertierte er mit ihr und den gemeinsamen Kindern zum orthodoxen Glauben.

Der Impuls, die Konfession zu wechseln, kam der Familie bei einer Reise nach Rom und Rumänien, auf der sie sich mit der Geschichte des Christentums beziehungsweise dessen historischer Entwicklung auseinanderzusetzen begannen. Er und seine Frau entwickelten eine Liebe für das Jesusgebet und die Spiritualität der Mönche vom Berg Athos, denen Jackson einmal pro Jahr einen Besuch abstattet. "Ich wurde orthodox, weil ich in der orthodoxen Kirche die gesamte Heilige Tradition wiederfinde, die, beginnend mit Jesus Christus und den Aposteln, von Generation zu Generation weitergetragen worden ist", sagte er 2016 in einem Interview mit Huffington Post. "Und durch die Teilnahme an der Liturgie erfuhr ich schließlich die zeitlose Schönheit des christlichen Glaubens auf eine neue Weise."


Kurz gefasst

Nicht nur "Rom" avancierte im vergangenen Jahrhundert für viele prominente Künstler und Gelehrte zum bevorzugten christlichen Glaubensort. So manches Mal endete nämlich die geistliche und spirituelle Sinnsuche geographisch etwas weiter östlich: in "Konstantinopel".
Prominente Beispiele sind: US-Schauspieler Tom Hanks, Depeche-Mode-Sänger Dave Gahan, The Byrds-Gründungsmitglied Chris Hillman und der US-Seriendarsteller Jonathan Jackson ("General Hospital", "Nashville"). Was steckt dahinter? Die Gründe sind vielfältig. Es kann das Jesus-Gebet sein, die Tradition, die Schönheit der Liturgie. Oder die Liebe.

(DT/kaj)

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen. Kostenlos erhalten Sie die aktuelle Ausgabe hier.