Würzburg

Triumph eines Reformators

Berauschende Szenerie, einseitige Themenzeichnung: Ein Spielfilm über Ulrich Zwingli.

Als Neupriester feiert Ulrich Zwingli (Max Simonischek) noch die Heilige Messe. Bald wird er aber mit den Traditionen der Kirche brechen und auch das Messgewand ablegen.
Als Neupriester feiert Ulrich Zwingli (Max Simonischek) noch die Heilige Messe. Bald wird er aber mit den Traditionen der Kirche brechen und auch das Messgewand ablegen. Foto: W-Film

Am 1. Juli feierte auf dem Filmfest München der Spielfilm „Zwingli – Der Reformator“ von Simone Schmid (Drehbuch) und Stefan Haupt (Regie) Deutschlandpremiere. Als „opulentes Historiendrama“ angelegt, besticht das Produktionsdesign, auch wenn in den Panoramaaufnahmen computergenerierte Bilder zu erkennen sind.

Ulrich Zwingli (Max Simonischek) entfacht als Neupriester am Zürcher Großmünster mit seinen Predigten gegen die Missstände in der Kirche heftige Diskussionen. Bald beruft er sich auf „die heilige Schrift allein“ (sola scriptura), um mit allen Traditionen zu brechen: Von den Fastengeboten über den Priester-Zölibat bis zur Heiligenverehrung. Mit tätiger Hilfe seines Studienfreunds Leo Jud (Anatole Taubman) kommt es zu Bilderstürmen und zur Auflösung der Klöster. Zwingli heiratet die junge Witwe Anna Reinhart (Sarah Sophia Meyer). Aber Zwinglis Ideen lösen einen Bürgerkrieg aus. Gleichzeitig entbrennt im inneren Zirkel der Bewegung ein Kampf um Macht und Deutungshoheit.

Auch wenn kritische Stimmen zu hören sind („Du legst die Bibel aus, wie es Dir passt“, sagt ein ehemaliger Mitstreiter zu Zwingli), wird der „Reformator“ als charismatischer Prediger und Erneuerer gefeiert. Seine Gegner – die Vertreter der „alten“ Kirche – werden als geldgierige, selbstverliebte, hartherzige Heuchler gezeichnet. Unter Zwinglis Gegnern findet sich in „Zwingli – Der Reformator“ nicht eine einzige positive Figur. Eine bombastische Filmmusik, die Zwinglis Erfolge triumphalistisch feiert, bestärkt den Eindruck der Einseitigkeit.

Der bundesweite Kinostart ist zum Reformationstag am 31. Oktober 2019 vorgesehen.