Berlin

Filmische Anklage gegen Kardinal Barbarin

François Ozons Spielfilm „Gelobt sei Gott“ weckt bei Katholiken Schmerz und Demut. Was der Kirche schadet, ist nicht die Aufdeckung der Wahrheit, sondern die Verbrechen und Sünden ihrer Angehörigen.

"Gelobt sei Gott"
Der Kardinal und der Missbrauch: François Ozons Spielfilm "Gelobt sei Gott". Foto: Evandro Inetti (ZUMA)

Ursprünglich habe er einen Film über männliche Fragilität machen wollen. Etwas seltsam hört sich schon an, dass der bekannte französische Regisseur François Ozon aus diesem gender-angehauchten Gedanken heraus einen Spielfilm über den in Frankreich bekannten Fall sexuellen Missbrauchs durch den katholischen Priester Bernard Preynant drehte.

Drei unterschiedliche Opfer

Sein Film „Gelobt sein Gott“ handelt von drei unterschiedlichen Opfern. Die beinahe dokumentarische Inszenierung und die Vielfalt der Blickwinkel gehören zu den Stärken des Films. Dennoch wird schon sehr bald deutlich, dass der Film Kardinal Barbarin ins Visier nimmt: Als dramaturgisch entscheidender Wendepunkt im Film erweist sich der Eindruck eines der Opfer, dass der Kardinal ihn lediglich hinhalten will. Ozon geht es darum, die Untätigkeit der Amtskirche anzuprangern.

Vergebung als Schlüsselthema

Bezeichnend ist die Art, wie François Ozon mit der Frage nach Vergebung umgeht. Obwohl Pater Preynat einige seiner Opfer um Verzeihung bittet, sind diese kaum willens zu vergeben. Zu einem der Opfer wird gar gesagt: „Wenn du ihm vergibst, wirst Du auf Lebenszeit sein Opfer sein.“

Schmerz und Demut

„Gelobt sei Gott“ weckt bei Katholiken Schmerz und Demut. Was der Kirche schadet, ist nicht die Aufdeckung der Wahrheit, sondern die Verbrechen und Sünden ihrer Angehörigen. Dennoch: Eine kritische Haltung gegenüber solchen Filmen scheint auch angebracht. Denn absichtlich oder nicht tragen sie zur in den Medien tobenden Kampagne gegen die Kirche bei.

DT/jg

Lesen Sie die ganze Filmbesprechung aus der Feder des "Tagespost"-Kino-Experten José García in der aktuellen "Tagespost".

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