Berlin

Tagesposting: Etikettenschwindel mit Adenauer

Die CDU-nahe Adenauer-Stiftung missbrauche ihren Namensgeber und veröffentliche Papiere, deren Inhalte mit der christdemokratischen Politik eines Konrad Adenauer nichts mehr gemein hätten, meint Peter Hahne. Die Stiftung solle ihren Namen ablegen.

Konrad Adenauer
Der ehemalige Bundeskanzer Konrad Adenauer würde im Grabe rotieren, müsste er lesen, was die CDU-nahe Stiftung unter seinem Namen publiziert. Foto: dpa

Ausgerechnet an Halloween eröffnet der Berliner Horrorflughafen BER. Vom Reformationstag sprechen ja selbst die öffentlich-rechtlichen Sender kaum noch. Das Milliardengrab, neun Jahre zu spät am Start, macht Deutschland vor aller Welt zum Gespött. Und Namensgeber für den Pannen- und Pleiten-Airport ist ausgerechnet Willy Brandt. Der Mann kann sich nicht mehr wehren. Aber wo bleiben die Erben, die den Namen ihres Vaters zurückfordern?! Ähnliches gilt ja auch für die Parteizentrale, wo politische Luschen wie Esken und Walter-Borjans unter der überlebensgroßen Willy-Skulptur die einst stolze SPD zur Splitterpartei runterwirtschaften.

Viel schlimmer jedoch: der Etikettenschwindel der CDU mit dem Namen Konrad Adenauer. Was haben Stiftung und Partei eigentlich noch mit dem großen Alten von Rhöndorf zu tun? Der eigentlich geschätzte Friedrich Merz brachte es letzten Montag fertig, auf einer ganzen (!) Seite der FAZ nicht ein einziges Mal Herzstück und Markenkern Adenauerscher Politik zu erwähnen: Familie oder Schutz des Lebens. Selbst beim Stichwort „demografischer Wandel“ keine Silbe über das, was für Adenauer „die Keimzelle unseres Volkes“ ist: die Familie.

„Null Adenauer!“

Auch bei den Themen Bildung oder Generationenvertrag: Familie Fehlanzeige. Was hat die grüne Mainstream-Politik der aktuellen CDU eigentlich noch mit dem zu tun, nach dem sie ihre Parteizentrale nennt? Und die parteinahe (wie es schönfärberisch heißt) Stiftung liefert oft Gefälligkeitsgutachten für Zeitgeist und Mainstream. Null Adenauer!

Jüngstes Beispiel: das „Analyse und Argumente“-Papier unter dem bezeichnenden Titel „Im Glauben vereint?“ Wenigstens ein Fragezeichen. Doch warum eigentlich, wenn man liest, Muslime und Christen hätten doch sooooo viel gemeinsam. Ernsthaft wird behauptet (wo doch gerade erst in Paris enthauptet wurde): „Muslime und Christen, insbesondere Katholiken, zeigen insgesamt viele Ähnlichkeiten.“

Kardinal Meisner sprach der Union das "C" ab

Adenauer-Stiftung! „Namen und Begriffe wie Jesus, Mohammed, Bibel, Koran, Frau, Israel oder gar Kalifat, Islamismus, Terror, Beschneidung, Mehrfachehe, Kinderehe und Ehrenmord kommen gar nicht vor“, listet Ex-Lehrerpräsident Josef Kraus auf. Der fast zeitgleiche Dresden-Mord durch einen Syrer, längst als Gefährder bekannt, spricht eine deutliche Sprache. Er wollte „Christen abschlachten und die Zunge abschneiden“, so die Polizei.

Viel Ähnlichkeit mit Katholiken? Der Alte dreht sich im Rhöndorfer Grabe um, dass solch ein Wahnwitz unter seinem Namen veröffentlicht wird. Adenauer forderte in einem Brief 1933 „starken Glauben und starkes Vertrauen“ in Gott. Man müsse sich „dem Wort Gottes ganz in die Hand geben“. Und 1934: „Ohne dies (den Glauben an den Gott der Christen) ist kein neuer Aufstieg Deutschlands möglich.“ Das alles ist meilenweit von der heutigen CDU und der ihr „nahen“ Stiftung entfernt. Die Adenauer-Erben, teils engagierte Politiker, sollten den Namen ihres Urahns zurückfordern! Sozusagen auf den Spuren des Kölner (!) Kardinals Meisner, der der CDU das „C“ absprach.

 

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen. Kostenlos erhalten Sie die aktuelle Ausgabe hier.