Los Angeles

Konservative stellen sich gegen Tradis

Der konservative US–Medienbischof Robert Barron organisiert ein Hintergrundtreffen, bei dem es um die Medienarbeit von „rad trads“ geht. Die fühlen sich ungerecht behandelt.

Bischof Robert Barron
Licht in der Finsternis: Bischof Robert Barron. Foto: Wordonfire.org

Bischof Robert Barron, Weihbischof von Los Angeles, ist ein sympathischer Mann. Als polyglotter Hirte (neben seiner Muttersprache Englisch spricht er fließend Französisch, Spanisch, Deutsch und Latein) setzt er seine rhetorische Begabung medienwirksam ein.

Barron, der seit 1992 an der University of Saint Mary of the Lake Systematische Theologie lehrt und seit acht Jahren Rektor des angeschlossenen Mundein Seminary ist, wurde 2015 von Papst Franziskus zum Weihbischof der Erzdiözese Los Angeles ernannt. Multitalent Barron ist wie kein zweiter in den Medien höchst präsent. Herzstück seines publizistischen Wirkens ist neben seinem eigenen YouTube-Kanal seine Radiosendung „Word on Fire“ und die Fernsehshow „Word on Fire with Father Barron“. Hauptzielgruppe sind für ihn – nach eigenem Bekunden – nicht nur Katholiken, sondern vor allem Nichtgläubige. Dabei bemüht er sich, die Schönheit des katholischen Glaubens ohne Abstriche unter den Bedingungen der neuen Medienwelt aufstrahlen zu lassen. Professionelle Apologetik lautet sein Erfolgsrezept.

Kultur der Verachtung und Boulevardstil?

Für Schlagzeilen sorgte Barron jetzt mit Kritik an sogenannten rad-trads, einer Abkürzung für radical traditionalists, radikale Traditionalisten. So hielt er am 29. Juli 2020, wie das Onlineportal des „National Catholic Reporter“ berichtet, eine Online-Konferenz ab, bei der es um „beunruhigende Trends in der katholischen online-Welt“ ging. Beklagt wurde die Zunahme von „radikal-traditionalistischen Bewegungen“, die, so heißt es im Artikel von Christopher White im National Catholic Reporter, „oftmals durch persönliche Angriffe und ätzende Kommentare gekennzeichnet“ seien.

Eingeladen zur Videokonferenz waren Vertreter katholischer Medien, von America Media (Jesuiten), Catholic News Agency (EWTN), Catholic News Service (Bischofskonferenz der Vereinigten Staaten), Our Sunday Visitor (US-amerikanische Wochenzeitung) sowie das Onlineportal CruxNow. Von den auf der Tagung kritisierten „rad-trad“-Medien war kein Vertreter anwesend. Initiiert wurde das Ganze von Brandon Vogt, dem Programmdirektor der bereits erwähnten Fernsehsendung mit Weihbischof Barron. Laut White sollten bei dem online-Treffen drei Themen diskutiert werden: eine „Kultur der Verachtung“ auf bestimmten katholischen online-Portalen, der Anstieg von Nachrichten in der katholischen Presse, die „oftmals zur Generierung von Klickzahlen und Videoaufrufen“ im „Boulevardstil“ abgefasst seien, sowie der Einfluss der sogenannten „rad-trad“-Bewegungen. Diese rad-trads werden von White als „meist junge Katholiken“ bezeichnet, welche „die traditionelle Liturgie, einschließlich der lateinischen Messe, bevorzugen und sich eher konservativen politischen Überzeugungen und religiösen Andachtsformen anschließen“.

Besonderes Augenmerk legte Bischof Barron auf der Konferenz mit den Journalisten auf das online-Verhalten von Traditionalisten, die „Papst und Bischöfe rücksichtslos kritisieren und die Autorität des Zweiten Vatikanischen Konzils oftmals bis hin zur Nichtanerkennung infrage stellen“. Schon in einem früheren Interview mit dem „National Catholic Register“ forderte Barron „für jene, die online den katholischen Glauben zu vermitteln behaupten, so etwas wie ein Mandatum, mit dem ein Bischof bestätigt, dass sie innerhalb der vollen Gemeinschaft der Kirche unterweisen“.

Online verkünden nur mit bischöflichem Mandat?

Nicht gut an kam das Meeting zwischen dem Weihbischof und ausgewählten Publizisten jedoch bei konservativen bis hin zu traditionalistischen Journalisten und Bloggern. So tauchten im National Catholic Reporter exemplarisch die Namen zweier konservativer Blogs auf: der eine ist „Church Militant“, eine Webseite, die sich der Pflege des traditionellen Ritus widmet, der andere ist das Webportal „LifeSiteNews“, das sich mit katholischen Themen, vor allem auch mit dem Lebensschutz befasst. Auf Anfrage der „Tagespost“ kommentierte dessen Präsident John-Henry Westen die im NCR geäußerte Kritik mit den Worten, dass die Kirche „die Laien schon immer ermutigt“ habe, „sich für den Glauben einzusetzen, auch dann, wenn sie damit im Widerspruch zur Hierarchie stehen“. Sogar der erste Papst sei in der Öffentlichkeit vom heiligen Paulus kritisiert worden. Dieses „Vorbild der ersten Christen zur öffentlichen Korrektur selbst jener in hohen Kirchenpositionen“ bestärke auch heute die Gläubigen, solange dies „in Nächstenliebe mit dem wirklichen Wunsch auf Besserung und Rettung des Kritisierten“ geschehe. LifeSiteNews habe – auch wenn man Bischof Barron bei anderen Gelegenheiten gelobt habe –, „genau in diesem Geist öffentlich kritisiert: Wegen seiner – im Gegensatz zu den Worten Christi stehenden – Vermutung, dass kein Mensch in die Hölle komme und wegen seiner Aussage, er würde nicht dazu drängen, die Entscheidung zur Zulassung der Homo-,Ehe‘ rückgängig machen zu wollen“. Die Kritik sei von LifeSiteNews stets mit „Respekt und Liebe“ geübt worden, sowie „aus Sorge um sein ewiges Heil und das Wohl der Kirche“.

Auch Father John Zuhlsdorf („Father Z.“), Betreiber des „Fr.Z's Blog“, und weitere konservative Blogger und Autoren wollten die Kritik, sie äußerten „ätzende Kommentare“ und griffen kirchliche Würdenträger persönlich an, nicht auf sich sitzen lassen. Warum eigentlich, fragt der Priester, seien „bei der Zoom-Konferenz überhaupt keine ,trads‘ eingeladen gewesen? Was ist mit Dialog?“ Bischof Barron, so Zuhlsdorf, sollte seine Kritik lieber gegenüber solchen online-Medien äußern, „die erkennbar, wiederholt und schamlos die Lehren der Kirche untergraben und Ärgernis erregen“.

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